Marco Syfrig, CEO Burkhalter Gruppe, im Interview

Marco Syfrig
Marco Syfrig, CEO Burkhalter Gruppe. (Foto: Burkhalter)

Marco Syfrig, CEO Burkhalter Gruppe. (Foto: Burkhalter)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Syfrig, die Burkhalter Gruppe hat im vergangenen Jahr den Gewinn pro Aktie um 10,5 Prozent gesteigert. Während die Gewinnzahlen deutlich höher ausfielen als 2014 ging der Umsatz um 1,9 % zurück. Wie erklärt sich dieser Rückgang?

Marco Syfrig: Der Rückgang ist strategisch gewollt, denn wir versuchen unsere Aufträge möglichst ohne Unterakkordanten und temporäre Mitarbeitende auszuführen. Diese Strategie erhöht die Marge – wenn auch nur sehr langsam.

Ein Umsatzwachstum scheint einzig über weitere Akquisitionen möglich.

Ja, das ist so. Da nach wie vor ein Mangel an qualifizierten Fachkräften herrscht, wird sich das mittelfristig auch nicht ändern.

Die Elektrotechnik bietet interessante Berufsfelder und herausfordernde Tätigkeiten. Die Bezahlung ist nicht schlecht und nach einem Lehrabschluss ist man auf dem Markt gefragt. Welche Gründe hat der akute Fachkräftemangel in Ihrer Branche?

Meiner Meinung nach wird das duale Ausbildungssystem gesellschaftlich teilweise zu wenig gefördert und der gymnasiale Weg tritt immer mehr in den Vordergrund. Es stimmt, die Bezahlung ist nicht schlecht, allerdings wird das von wenigen richtig wahrgenommen.

«Meiner Meinung nach wird das duale Ausbildungssystem gesellschaftlich teilweise zu wenig gefördert und der gymnasiale Weg tritt immer mehr in den Vordergrund.»
Marco Syfrig, CEO Burkhalter Gruppe

Wie kann die Burkhalter Gruppe selbst diesem Trend entgegenwirken? Über höhere Löhne?

Wir versuchen unseren Mitarbeitenden ein sehr gutes Umfeld zu bieten. Dazu gehören auch den Leistungen entsprechende Löhne.

Burkhalter bildet derzeit rund 680 Lernende aus – gelingt es Ihnen, diese nach Abschluss der Lehre im Konzern zu halten?

Ungefähr 75% der Absolventen bleiben nach ihrer Lehre in einem Unternehmen der Burkhalter Gruppe und entwickeln sich weiter.

Sie sind auf ausländische Mitarbeitende angewiesen. Wie verschärft die Masseneinwanderungsinitiative resp. deren nach wie vor offene Umsetzung die Situation?

Wir gehen davon aus, dass die Masseneinwanderungsinitiative so umgesetzt wird, dass die Wirtschaft keinen Schaden nimmt. Allerdings rechnen wir mit einem erhöhten administrativen Aufwand.

16 Akquisitionen wurden seit dem Börsengang 2008 getätigt, mit der Elektrosparte der Kolb Gruppe wurde im vergangenen Jahr eine Transaktion getätigt. Welche Kriterien machen Unternehmen für Burkhalter interessant?

Wir suchen ausschliesslich nach erfolgreichen Unternehmen, die bereit sind, in unserer Gruppe mitzuarbeiten. Bei einer Akquisition handelt es sich weniger um einen Kauf sondern mehr um den Beginn einer Partnerschaft.

Für weitere gezielte Akquisitionen beantragt der VR der Generalversammlung, genehmigtes Kapital in der Höhe von maximal 350’000 Aktien zu schaffen. Ist auch eine grössere Akquisition vorstellbar?

Selbstverständlich würden wir auch eine grössere Akquisition tätigen, sofern diese klar in unserem Gebiet Elektrotechnik am Bauwerk tätig ist. Es sind Marktteilnehmer denkbar, die bis zu 1000 Mitarbeitende beschäftigen.

Mit 43 operativen Gesellschaften sind Sie derzeit an rund 100 Standorten in der Schweiz vertreten. Gibt es noch weisse Flecken auf der Landkarte, wo sich Burkhalter besonders nach geeigneten Übernahmekandidaten umsieht?

Es gibt solche Flecken, allerdings geben wir diese nicht öffentlich bekannt, um die Flexibilität bei den Akquisitionen nicht zu verspielen.

«Das Thema Digitalisierung ist sehr wichtig für uns, intern für die Mitarbeitenden wie auch extern bei unseren Kunden.»

Wie präsentiert sich die Auftragslage für die Burkhalter Gruppe? Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem laufenden Geschäftsjahr?

Die Auftragslage ist so, dass wir mit einer Vollauslastung rechnen können. Auch im laufenden Geschäftsjahr streben wir eine Verbesserung der Effizienz und eine damit verbundene Steigerung des Gewinn pro Aktie an.

Letzte Frage: Wie stark betrifft Burkhalter heute das Thema Digitalisierung – zum Beispiel hinsichtlich neuer intelligenter Infrastrukturen oder Gebäude?

Das Thema Digitalisierung ist sehr wichtig für uns, intern für die Mitarbeitenden wie auch extern bei unseren Kunden. Intern sind wir bereits sehr weit und möchten alles, was digital erledigt werden kann, digitalisieren anstatt auf wertvolle Mitarbeiterstunden zurückgreifen. Bei unseren Kunden werden wir mit der wachsenden Digitalisierung ebenfalls täglich konfrontiert und begegnen dem zunehmenden Bedarf nach Spezialisierung in diesem Gebiet durch ständige Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden.

Herr Syfrig, wir bedanken uns für das Interview.

Zur Person:
Marco Syfrig ist seit dem Jahr 2008 als CEO der Burkhalter Gruppe tätig. Anlässlich der ordentlichen Generalversammlung 2008 wurde er in den Verwaltungsrat der Gesellschaft gewählt und von diesem als Delegierter ernannt. Syfrig hat sein Studium der Rechtswissenschaften 1984 in Bern abgeschlossen und 1986 in Luzern das Anwaltspatent erworben. In der Folge war er bis 1997 bei Ernst & Young, Zürich, tätig und wurde 1993 Partner. 1997 gründete er gemeinsam mit anderen Partnern von Ernst & Young die Taxpartner AG in Zürich. 1998 beteiligte sich Marco Syfrig an der Highlight Communications AG, Pratteln, in der er als CFO und CEO tätig war. Zwischen 2004 und 2006 war er CFO der Fumapharm AG, Luzern, die 2006 an die Biogen Idec, USA, verkauft wurde.

Zum Unternehmen:
Die Burkhalter Gruppe ist führende Anbieterin von Elektrotechnik-Leistungen am Bauwerk und aktuell mit 43 operativen Gesellschaften an schweizweit 99 Standorten vertreten. Per 31.12.2015 erzielte sie ein Betriebsergebnis (EBIT) von CHF 42.3 Mio., ein Konzernergebnis von CHF 34.8 Mio. sowie einen Umsatz von CHF 509.7 Mio. und beschäftigte 3007 Mitarbeitende (FTE, davon 677 Lernende). Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Zürich.

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