Matthias Standfest, CEO Archilyse, im Video-Interview

Matthias Standfest, CEO Archilyse, im Video-Interview
Matthias Standfest, CEO Archilyse (Bild: Moneycab)

Von Helmuth Fuchs

Im Interview nimmt Matthias Standfest, CEO Archilyse, Stellung

  • dazu, ob und wie man Architekturqualität messen kann

„Alles, was wir nicht messen können, können wir auch nicht objektiv besser machen oder optimieren.“

„Wir verhalten uns nach wie vor nach Urinstinkten und diese Instinkte kann man, überraschenderweise, sehr gut mathematisch modellieren.“

Was „gemütlich“ ist, können wir berechnen, was Stress erzeugt, können wir messen.

  • dazu, welche Daten Archilyse selbst sammelt, wo vorhandene Informationen genutzt werden

„Wir sammeln selbst nur sehr wenige Daten. Einer unserer Lieferanten ist Swisstopo. Es gibt ebenso Datenquellen zu Verkehrsbelastung oder Lärm.“

„Was wir machen, wir konvertieren Grundrisse. Wir haben eine Engine, die automatisch 2D-Pläne in BIM-Daten (Building Information Modelling) konvertiert. Darauf aufbauend haben wir eine grosse Bandbreite an Simulationen.“

  • zum Risiko, dass mit Archilyse Immobilienbesitzer nur Kosten und Margen optimieren und Mieter das Nachsehen haben

„Die Wahrheit ist eine andere. Wir demokratisieren Architektur, das architektonische Wissen und Architekturqualität. Wir machen es möglich, dass man nach guter Architektur gezielt suchen kann. Damit geben wir viel mehr Macht an die Mietenden.“

  • dazu, wie die Digitalisierung helfen kann, die rare Grundfläche besser zu nutzen

„Leider ist Nachverdichtung die einzige Chance in Europa, um unseren Lebensstandard halten zu können. Es ist deshalb notwendig, dass wir Möglichkeiten finden, wie wir dichtere Städte bauen können, ohne gleichzeitig die Qualitäten einzubüssen, die wir normal in der Agglomeration vorfinden.“

„Es ist wichtig nachzuverdichten und Wohnungen zu bauen, die nicht in einen Mikrogrundriss abdriften, sondern sozial nachhaltige Grundrisse darstellen.“

  • dazu, wie die Digitalisierung das Selbstverständnis der Architekten beeinflussen wird

„Architektur ist dort, wo Maschinenbau vor 150 Jahren war. Architektur begreift sich nach wie vor als Kunsthandwerk, oder eben sogar als Kunst.“

„Wenn ich Architektur generieren oder optimieren will, so wie man im Maschinenbau komplexeste Systeme optimiert, dann braucht es Simulationsmethoden, eine „single source of thruth“, der ich wirklich vertrauen kann und als die sehen wir uns.“

  • dazu, wo wir heute in der praktischen Umsetzung des Building Information Modellings (BIM) stehen

„Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund driften wir gerade in ein Konzept ab, in dem die Qualität eines BIM-Modells dadurch gemessen wird, dass es möglichst viele Details abdeckt, möglichst noch über vier Dimensionen. Dadurch werden diese BIM-Modelle irrsinnig teuer und aufwendig zu warten.

„Wir haben gesehen, dass mit einem viel geringeren Detaillierungsgrad (Fachterminus: Level of development 200, entspricht ungefähr einem Architekturplan im Massstab 1:200) zu ungefähr 20% der Kosten schon 80% des Mehrwerts ins Haus geholt werden kann.“

  • dazu, welche Ziele er für die kommenden zwei Jahre hat

„Niemand von uns weiss, wie sich zu Zeiten von Corona der weltweite Markt weiter entwickeln kann, wir sehen es an allen Enden und Ecken der Welt gerade krachen. Wir haben unsere kleinen Ziele als Archilyse. Wir wollen in dieser eher chaotischen Welt als das bestehen, was wir sind: Als Lieferant für vertrauenswürdige Daten. Wir machen Architektur messbar.“

„Mein persönliches Ziel ist es, dass Archilyse zu einer Art Rating-Agentur wird für Architekturqualität.“

  • dazu, welche Entwicklungen das Potenzial haben, unsere Zukunft grundlegend auf positive Art zu verändern

„Einer meiner Investoren sagt, das Corona die Branche zwangsdigitalisieren wird. Ich stimme dem zu. Plötzlich stellt sich heraus: Man muss nicht regelmässig nach Berlin oder London fliegen, sondern man kann auch eine Videokonferenz abhalten. Mittel- und langfristig wird das zu einem Umdenken in der Branche führen. Die Digitalisierung kommt, ob man sie haben will oder nicht.“

Matthias Standfest
hat Architektur, Maschinenbaus und Philosophie studiert. Diese Kombination hat sein Interesse an der Anwendung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen in der Architektur geweckt. Seine Doktorarbeit an der ETH Zürich legte den Grundstein für die Gründung von Archilyse Anfang 2017.
Matthias Standfest bei Linkedin

Archilyse 
ist der einzige Anbieter, der die Qualität von Architektur und Immobilien digital und objektiv messbar, vergleichbar und für jedermann verständlich macht. Auf Basis von Adressen und Grundrissen liefern wir umfassende Simulationen und objektiven Leistungsindikatoren. Auf diese Weise unterstützen wir Immobilienentscheider bei der Digitalisierung, Bewertung und Optimierung ihrer Objekte sowie bei der Vereinfachung von Prozessen bei der Planung und Verwaltung von Immobilien. https://www.archilyse.com/de/

Firmeninformationen zu Archilyse bei monetas.ch

Diese Interview entstand mit Unterstützung des Digital Economy Award. Archilyse war 2019 Finalist in der Kategorie „Next Global Hot Thing“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.