Michi Frank, CEO Goldbach Group

Michi Frank
Michi Frank, CEO Goldbach Group. (Foto: Goldbach Group)

Michi Frank, CEO Goldbach Group. (Foto: Goldbach Group)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Frank, der Werbekuchen verschiebt sich immer mehr vom Print zu Online. Graben sich die Printmedien mit ihren Online-Zeitungen auch noch ihr eigenes Grab? Online besteht ja nicht nur aus Nachrichten allein.

Michi Frank: „Content is King“: Selten hat jemand das Zukunftsszenario so treffend beschrieben wie Bill Gates 1996, als er das Internet als gemeinsame Kommunikationsbasis für individuelle und mit anderen teilbare Inhalte beschrieb.

Ihr  digitaler Multimediaansatz ist zunächst einmal der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg der Goldbach Group. Ab welcher Grösse sollte auch ein KMU auf digitale Multimediawerbemassnahmen setzen?

Das ist keine Frage der Unternehmensgrösse, sondern entspricht lediglich der Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten, denn die Medien verschmelzen zusehends.

Im Augenblick tobt ein Kampf um die Filetstücke beim Werbevermarkter PubliGroupe. Könnte so ein Rosinenpicken auch mal bei Goldbach passieren?

Nein. Die Goldbach Group ist eine erfolgreiche Vermarktungsorganisation und besitzt keine wichtigen Assets, die nicht direkt mit dieser Tätigkeit zusammenhängen. Ein Aufspalten wäre weder sinnvoll, noch würde das der Strategie der Gruppe entsprechen.

«„Content is King“: Selten hat jemand das Zukunftsszenario so treffend beschrieben wie Bill Gates 1996»
Michi Frank, CEO Goldbach Group

Sie waren selbst einmal sieben Jahre lang bei Publicitas und haben seither die Verschiebung der Werbeausgaben zu TV und neuen Medien hautnah miterlebt. Gibt es heute bereits eine ganz neue Tendenz, die die meisten noch gar nicht auf dem Radar haben?

Die mediale Zukunft liegt im funktionierenden Zusammenspiel der einzelnen Screens und heisst «Multiscreen“. Grundvoraussetzung für diesen konvergenten Umgang mit den Screens sind Bewegtbild und Internetfähigkeit. Die Entwicklung hin zu voll integrierten TV- und Online-Screens bietet auch Werbetreibenden und ihren Agenturen grosse Chancen für zukünftig noch bessere und effizientere Kampagnen.

Die Messung der Relevanz einer Werbebotschaft für den direkten Verkauf bleibt aber ein ewiges Kreuz. Gibt es da mittlerweile verlässliche Messlatten?

Das Thema wird immer eine verständliche Forderung der Werbetreibenden bleiben. Die Digitalisierung der verschiedenen Mediengattungen wird hier helfen, durch direkte Responsemöglichkeiten höhere Messbarkeiten einzelner Werbemassnahmen zu liefern. Aber man muss berücksichtigen, dass es die Gesamtheit aller Werbemassnahmen ist – Offline/Online/Event et cetera – die schliesslich zum Kauf führen. Eine Berücksichtigung der einzelnen Werbemassnahme, die den direkten Response ausgelöst hat, wäre viel zu kurz gesprungen.

«Unsere IT-Kosten werden überschätzt.»

Ihr Business ist naturgemäss sehr technologielastig. Wie viel kostet Goldbach die Informatik pro Jahr gemessen am Umsatz?

Unsere IT-Kosten werden überschätzt. Sie liegen im tiefen einstelligen Prozentbereich des Gesamtumsatzes.

Die Goldbach Gruppe ist sehr stark in Osteuropa engagiert. Läuft es dort jetzt konjunkturell endlich wieder etwas besser?

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weiterhin anspruchsvoll. Aber wir haben bereits 2013 Massnahmen ergriffen, um uns auch in Osteuropa finanziell zu verbessern. Unser aktueller Rückzug aus Russland, der übrigens keine signifikanten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis 2014 haben wird, gehört ebenfalls zu diesem Massnahmenpaket.

Als Wachstumstreiber bei Goldbach waren letztes Jahr Video mit Plus 28 Prozent und Digital out of Home mit Plus 57 Prozent, während Ihr Radioumsatz um ein Sechstel zurückging. Das Wachstum der beiden erstgenannten Bereiche wird stark bleiben, aber ist auch der Trend beim Radio von Dauer?

Die Mediaplanung der Kunden verändert sich laufend. Im Radio hatten wir in den Jahren 2011 und 2012 sehr gute Resultate, währendem im Jahr 2013 die Gattung Radio bei einigen Grosskunden nicht berücksichtigt wurde.

«Goldbach hat genügend freie Liquidität, um allfällige Wachstumsopportunitäten wahrzunehmen.»

Per Ende 2013 ging wegen der Wertberichtigung die Eigenkapitalquote von 32 auf 24,4 Prozent zurück. Wäre jetzt nicht ein gutes Fenster offen, um sich günstig Geld zu beschaffen?

Aufgrund des soliden operativen Geschäfts wird die Eigenkapitalquote in den nächsten Jahren wieder ansteigen. Zudem hat Goldbach genügend freie Liquidität, um allfällige Wachstumsopportunitäten wahrzunehmen.

Das A&O in Ihrem Business ist ein gut funktionierendes Netzwerk. Wie geht es, nachdem Goldbach aus der Wilmaa Box ausgestiegen ist und die Beteiligung an Wilma Digital World heruntergefahren hat, mit der Zusammenarbeit mit den Internet-TV-Anbietern Teleboy, Zattoo und Wilmaa weiter?

Wie Sie richtig festhalten, sind wir bei der Wilmaa Digital World AG (Wilmaa Box) in eine Minderheitsbeteiligung gegangen, bei der Wilmaa GmbH (Internet TV) sind wir weiterhin Mehrheitsaktionär. Von dem her ändert sich in der Zusammenarbeit mit den drei Internet-TV-Anbietern nichts.

Welche grösseren Allianzen schmieden Sie gerade?

2014 ist für uns ein Übergangsjahr, das heisst, wir überprüfen in erster Linie die Ist-Situation unseres Unternehmens.

Sie haben jetzt  die Nachfolge von Klaus Kappeler angetreten. Welches ist sein bester Tipp, den Sie für die Zukunft beherzigen werden?

Dass ich meinen eigenen Weg gehe und die Dinge auf meine Weise anpacke.

Zur Person:
Michi Frank wurde am 31. August 1967 in Baden geboren. Von 1987 bis 1994 war er bei der Publicitas, beim TagesAnzeiger und bei Cash tätig (Key-Accounting-Kundenberatun und Verkaufsleiter Printmedien). Michi Frank war in der Zeit zwischen 1994 und 2000 Geschäftsführer der Belcom AG für Radio24 und TeleZüri bzw. Tele24. Von 2001 bis 2011 war er CEO der Goldbach  Media (Switzerland) AG und seit dem Geschäftsjahr 2007 Chief Sales Officer der Goldbach Group AG sowie Stellvertreter von CEO Klaus Kappeler. Seit dem 1. Januar 2011 war er Leiter der Business Line Goldbach Media und seit 1. Januar 2012 zudem Leiter Region DACH. Per 1. Januar 2014 trat Michi Frank die Nachfolge von Klaus Kappeler als CEO der Goldbach Group an.

Zum Unternehmen:
Die Goldbach Group ist das führende Netzwerk für elektronische Kommunikationslösungen und Logistikzentrum für die Vermarktung privater elektronischer, mobiler und interaktiver Medien in den Bereichen TV, Internet-TV/Video, Radio, Digital out of Home, Online, Suchmaschinen- und Mobile-Marketing. Die Goldbach Group hat ihren Sitz in der Schweiz (Küsnacht-Zürich) und ist in der gesamten DACH-Region (Schweiz, Deutschland, Österreich), Osteuropa (Polen, Rumänien) sowie im adriatischen Raum (Slowenien, Kroatien, Serbien) aktiv. Zum Kerngeschäft der Unternehmensgruppe gehören Planung, Beratung, Kreation, Konzeption, Einkauf und die Abwicklung bis hin zur Prüfung des Mediaeinsatzes von elektronischen Off- und Onlinemedien sowie Crossmedia-Kampagnen.

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