Monika Krüsi, VR-Präsidentin Repower Gruppe, im Interview

Monika Krüsi
Monika Krüsi, VRP Repower. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Frau Krüsi, 2019 war für Repower in jeder Beziehung ein Jahr der Rekorde. Wenn ich mal eine Zahl rauspicken darf, dann sei es der von 55 auf 126 Millionen gesteigerte Cashflow. Da im nächsten Jahr einiges an Investitionen anstehen, dürfte es beim Geldfluss 2020 wohl keine Steigerung geben?

Monika Krüsi: Repower hat sich in den letzten zwei Jahren in der Tat gut entwickelt. So konnte auch das vergangene Geschäftsjahr trotz eines sehr anspruchsvollen Umfeldes mit erfreulichen Zahlen abgeschlossen werden. Die Energiepreise sind enorm volatil und auch der Wechselkurs EUR/CHF spielt uns nicht in die Hand. Trotzdem haben wir einen guten Abschluss erzielt. Das macht mich stolz.

Hat die Corona-Krise die Karten jetzt neu gemischt?

Das wird natürlich einen Einfluss auf unseren Cashflow haben. Nichtsdestotrotz werden wir die geplanten Investitionen in der Valposchiavo tätigen und auch andere Projekte weitertreiben. Wir sind in einem Geschäftsfeld tätig, das langfristig ausgerichtet ist, sind finanziell sehr solide aufgestellt und können deshalb zuversichtlich nach vorne blicken.

Die Energieabgabe Ihrer Elektromobil-Ladestationen hat sich im letzten Jahr versiebenfacht. Wo liegen da im 2020 räumlich die Distributionsschwerpunkte?

In Italien betreiben wir das Netzwerk Ricarica 101. Unser Schweizer Netzwerk heisst PLUG’N ROLL und besteht aus unseren eigenen Ladepunkten, aber auch aus Ladepunkten von Partnern. Schliesslich sollen Elektrofahrerinnen und Elektrofahrer an möglichst vielen strategisch günstigen Punkten ihre Fahrzeuge unkompliziert aufladen können. In der Schweiz stehen unsere eigenen Ladepunkte vor allem in Graubünden. Zusammen mit unseren Partnern können wir aber ein Netzwerk anbieten, das fast die ganze Schweiz abdeckt. Diese Aufteilung wird sich wohl auch im 2020 nicht gross verändern. Unser Ladenetzwerk in Italien ist über das gesamte Territorium verteilt und kann auch Ladepunkte auf Sizilien, Sardinien und Elba anbieten. Ich gehe davon aus, dass unsere Netzwerke auch in diesem Jahr weiter wachsen.

„In Italien betreiben wir unser erfolgreich im Regelenergiemarkt tätiges Kraftwerk in Teverola, das einen grossen Anteil zu unserem Erfolg im 2019 beigetragen hat.“
Monika Krüsi, Verwaltungsratspräsidentin Repower Gruppe

Die geplante Einführung eines Kapazitätsmarkt-Regimes ab 2022 führt in Italien zu Marktunsicherheiten. Könnte auf Ende 2020 Planungssicherheit herrschen?

Wie die Situation in Zusammenhang mit dem geplanten Kapazitätsmarkt in Italien Ende Jahr aussehen wird, ist kaum voraussagbar. Jede Aussage dazu wäre Kristallkugel-Lesen. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass Repower verschiedene Szenarien geprüft hat und gut vorbereitet ist. In Italien betreiben wir unser erfolgreich im Regelenergiemarkt tätiges Kraftwerk in Teverola, das einen grossen Anteil zu unserem Erfolg im 2019 beigetragen hat.

Ihr wichtigster Handelspartner Italien lebt ja schon seit Jahrzehnten ohne Atomstrom und wird 2025 das letzte Kohlekraftwerk abschalten. Gibt das dann der Repower einen zusätzlichen Kick?

Italien braucht im 2030 aufgrund der Stilllegung von diversen Produktionsanlagen, vor allem aus dem Kohlebereich, sowie einer möglichen Erhöhung der Energie-Nachfrage über 80 TWh zusätzlichen Strom. Das bietet interessante Opportunitäten für Repower. Mit Repower Renewable haben wir eine gute Voraussetzung geschaffen, ein wichtiger Player im Bereich Windenergie und Photovoltaik zu werden und damit einen Teil der benötigten Energie zu liefern.

„Vor allem Amerika hat mit neuen LNG-Projekten das Angebot ausgeweitet, was auf den Gas- und damit auch auf den Strompreis drückte.“

Wie stark profitiert Repower jetzt vom Verfall der Erdgaspreise?

Wir profitieren nicht vom Verfall der Gaspreise. Im Gegenteil belastet es den Strompreis. Vor allem Amerika hat mit neuen LNG-Projekten das Angebot ausgeweitet, was auf den Gas- und damit auch auf den Strompreis drückte.

Die esolva ag gehört zu rund 40 Prozent der Repower AG. Im letzten Jahr erbrachte Repower 50 Prozent mehr energietechnische Dienstleistungen. Wieviel Umsatzanteil könnte dieses Servicegeschäft dereinst einmal ausmachen?

Die Energielandschaft verändert sich dramatisch, und es sind neue Modelle, aber auch neue Dienstleistungen gefragt. Wir haben als EVU mit eigenen Produktionsanlagen und einem eigenen Netz sehr grosse Erfahrung, die wir für neue Produkte und Services nutzen und anderen zur Verfügung stellen können. Das Beispiel esolva zeigt, dass die künftigen Anforderungen am besten in Partnerschaften angegangen werden. Deshalb haben wir im Januar dieses Jahres zusammen mit sechs Partnern auch die EVUlution AG gegründet, eine Unternehmung, die Lösungen für die komplexen Anforderungen der künftigen Energieversorgung anbietet und weiterentwickelt. Wir sind überzeugt, dass Umsatzpotential im energietechnischen Dienstleistungsgeschäft besteht.

Der UBS Clean Energy Infrastructure Switzerland-Fonds ist mit 19 Prozent der drittgrösste Aktionär von Repower. Wäre eine grössere Beteiligung der Publikumsaktionäre (jetzt unter einem Sechstel) wünschenswert?

Die aktuelle Aktionärsstruktur ist im Wesentlichen das Ergebnis der erfolgreichen Kapitalerhöhung im Jahr 2016. Der Freeflow ist aber auch wichtig – wir haben sehr viele langjährige, treue Publikumsaktionäre. Ob sich in Zukunft die Verteilung der Aktienanteile ändert, ist eine Entscheidung, die gegebenenfalls bei den Ankeraktionären liegt.

„Smartworking, wie in Italien das Homeoffice genannt wird, funktioniert bei uns sehr gut.“

Repower pusht in Italien die Cargobike-Modelle LAMBROgio, notabene in knallrot. Ist das mehr als eine Imagekampagne?

Der Energiemarkt in Italien ist sehr umkämpft. Wer erfolgreich sein will, muss kreativ sein und Neues wagen. Wir beweisen mit unseren sehr Innovationen, einer digitalisierten Wertschöpfung und eben auch mit unseren Cargobikes oder unserem Elektroboot Repower(e), dass wir das können. So werden wir als ernstzunehmender Player im Markt wahrgenommen und können auch langfristig bestehen.

Ein Drittel Ihrer Belegschaft arbeitet in Italien. Wie ist da die Lage?

Italien ist von Corona sehr stark betroffen. Unsere Mitarbeitenden sind seit einiger Zeit im Homeoffice – oder im Smartworking, wie das in Italien genannt wird. In unseren Büros in Mailand sind nur die wenigen Personen anzutreffen, die zwingend dort sein müssen. Unsere Mitarbeitenden in Italien – und natürlich auch in der Schweiz – leisten aber in diesen ausserordentlichen Zeiten einen hervorragenden Job. Es funktioniert sehr gut. Was noch nicht klar ist, sind die Auswirkungen, die der Corona-Krise auf das Wirtschaftssystem in Italien haben wird. Wir verfolgen das sehr aufmerksam und sind überzeugt, dass Repower auch mit einem anspruchsvoll bleibenden Umfeld gut umgehen kann.

 
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