Patrik Hagi, Director anibis.ch

Patrik Hagi

Patrik Hagi, Director anibis.ch. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Hagi, mit dem Kauf von Ricardo und somit auch von Olx.ch wird Tamedia zum Marktleader im Schweizer Kleinanzeigenmarkt. Was ändert sich dadurch für anibis.ch aus dem Hause Ringier?

Patrick Hagi: Mit der Zusammenlegung von tutti.ch und olx.ch erlangt Tamedia in der Deutschschweiz eine starke Position. anibis.ch wächst aber rasant: Bereits rund 2 Millionen – von insgesamt 8 Millionen – Visits pro Monat und knapp 250‘000 Inserate auf anibis.ch kommen heute aus dem deutschsprachigen Landesteil. Damit sind wir ein sehr ernst zu nehmender Mitbewerber. Wir werden auch künftig alles daran setzten, das Wachstum weiter voranzutreiben. In der Westschweiz ist und bleibt anibis.ch auch nach der Übernahme die unangefochtene Nummer eins mit über 450‘000 Inseraten und rund 6 Millionen Visits pro Monat.

Seit über einem Jahr überzieht anibis.ch die Deutschschweiz mit einer aufwendigen Werbekampagne, seien es TV-Spots, Print, Online oder Plakate. Auch die anderen Anbieter sind omnipräsent. Weshalb diese immense Werbeoffensive um Gratis-Anzeigen?

Der Markt ist mit den drei grossen Playern anibis.ch, tutti.ch und olx.ch sowie weiteren kleineren Anbietern stark umkämpft. Langfristig werden nicht alle Plattformen überleben können. Damit ein Kleinanzeigenmarkt funktioniert, braucht er in erster Linie ein möglichst grosses und breites Angebot sowie genügend Bekanntheit und Traffic, damit Inserieren und Verkaufen bzw. Suchen und Finden funktioniert. Mit der Werbekampagne wollen wir dies unterstützen.

«Langfristig werden nicht alle Plattformen überleben können.»
Patrik Hagi, Director anibis.ch

Das Ziel, die vorgängig vor allem in der Romandie bekannte Marke anibis.ch auch in der Deutschschweiz bekannt zu machen, wurde erreicht. Wie hat sich dies auf die Zahl der Inserate ausgewirkt?

Wir konnten unsere Ziele in Sachen Bekanntheit sogar übertreffen. 2014 konnten wir die Anzahl Inserate gegenüber Vorjahr um knapp 116‘000 steigern, das sind rund 23 Prozent. Bei den aktiven Inserenten wuchs die Zahl sogar um 68 Prozent. Pro Tag werden auf anibis.ch knapp 18‘000 Anzeigen neu erfasst oder aktualisiert, auch hier haben wir ein Wachstum von 52 Prozent.

In welchen Kategorien war das grösste Wachstum zu verzeichnen?

Das sind die Kategorien „Haushalt und Wohnen“ mit Plus 36 Prozent, „Auto und Autozubehör“ mit  Plus 24 Prozent, „Kleidung und Accessoires“ mit Plus 17 Prozent und „Kind und Baby“ mit Plus 24 Prozent.

Die beiden Protagonisten der Kampagne, Ani und Bis, sind doch eher – sagen wir «gewöhnungsbedürftig». War und ist dies Teil des Erfolgsrezepts?

Absolut. Eine Werbekampagne, die darauf abzielt, Bekanntheit zu schaffen, muss nicht in erster Linie gefallen, sondern eben auffallen. Sie darf durchaus polarisieren und wird somit auch zum Gesprächsthema. Wir sehen an den aktuellen Marktforschungsergebnissen, dass wir mit der Kampagne unsere angepeilten Etappen-Ziele absolut erreichen konnten.

«Eine Werbekampagne, die darauf abzielt, Bekanntheit zu schaffen, muss nicht in erster Linie gefallen, sondern eben auffallen.»

Ringier mit anibis.ch und die Tamedia mit tutti.ch und nun nach dem Ricardo-Kauf auch mit Olx.ch liefern sich ein kostspieliges Duell, obwohl sie bis jetzt kaum rentabel sein können. Wie viel wendet anibis.ch für die Kampagne auf?

Dazu geben wir keine Details bekannt.

Ein Basisinserat auf anibis.ch ist gratis. Kostenpflichtig sind nur Premium- und Prestige-Inserate. Welchen Anteil haben diese an den aktuell über 680’000 Inseraten?

Wir verzeichnen aktuell rund 2% kostenpflichtige Upgrades.

Wie sieht das Modell von anibis.ch aus, mit seiner Plattform letztlich auch richtig gut Geld zu verdienen?

Eine Einnahmequelle sind die bezahlten Inserate Premium und Prestige, welche von einer besseren Platzierung profitieren. In Zukunft werden wir dieses Angebot noch weiter ausbauen, um unseren Kunden noch mehr Reichweite und dadurch bessere Verkaufschancen bieten zu können. anibis.ch ist durch die grosse Kategorien-Vielfalt und die enorme Reichweite auch ein attraktiver Partner für Online-Marketing. Hier werden wir unser Angebot weiter ausbauen und neue Werbemöglichkeiten anbieten.

Wie wird sich der Markt für Kleinanzeigen in den nächsten Jahren volumenmässig entwickeln?

Wir rechnen weiterhin mit einer starken Zunahme im zweistelligen Bereich. Secondhand ist salonfähig geworden. Mit den Kleinanzeigenplattformen lässt sich nicht mehr Gebrauchtes schnell und einfach inserieren. Der Aufwand ist klein und die Freude, wenn jemand anderes das Objekt kaufen möchte, umso grösser.

Wie wichtig sind die Nutzerdaten, die Sie über anibis.ch erhalten, aber auch in anderen Unternehmen des Ringier-Konzerns  genutzt werden können? Oder anders gesagt: Jemand, der sein Auto über anibis.ch verkaufen möchte, ist doch ein potenzieller AutoScout24-Kunde oder wer sein Ferienappartement vermieten möchte, könnte dies auch über ImmoScout24 tun. Wie nutzt Ringier dieses Potenzial?

anibis.ch ist –  genauso wie ImmoScout24 und AutoScout24 – eine Marke der Scout24 Schweiz AG. Wir arbeiten eng zusammen und glauben daran, dass sich die spezialisierten Bezahlplattformen und die kostenlosten Kleinanzeigen ergänzen und sinnvolle Synergien mit sich bringen. Dieses „Ökosystem“ ist ein grosser Vorteil von Scout24 – so stellen wir auch sicher, die Nutzerdaten optimal auswerten zu können und den Usern, das für sie am besten geeignete Produkt anbieten zu können. Denn es kann z.B. sein, dass jemand sein Auto über anibis.ch nicht gleich schnell verkaufen kann, wie über die spezialisierte Plattform von AutoScout24, weil sich dort ja im Gegensatz zu anibis.ch ausschliesslich Auto-Suchende aufhalten.

«Wir arbeiten eng zusammen und glauben daran, dass sich die spezialisierten Bezahlplattformen und die kostenlosten Kleinanzeigen ergänzen und sinnvolle Synergien mit sich bringen.»

Im Kleinanzeigenmarkt ist viel im Gange. Auch Facebook hat entsprechende Möglichkeiten getestet. Welche Trends zeichnen sich in näherer Zukunft ab?

Die mobile Nutzung nimmt rasant zu. Wir liegen heute schon bei knapp 50% Traffic via mobile Endgeräte. Auch die Datenauswertung und -nutzung wird immer wichtiger. Damit verstehen wir das Verhalten unserer Kunden besser und können unsere Dienstleistungen entsprechend optimal auf die Userbedürfnisse anpassen. Und nicht zuletzt hat das Thema Sicherheit höchste Priorität. Selbstverständlich beobachten wir den Markt genau und sind uns bewusst, dass auch andere Plattformen wie z.B. Facebook entsprechende Möglichkeiten prüfen.

Herr Hagi, herzlichen Dank für das Interview.

Zur Person:
Patrik Hagi (42) ist seit 2011 Director von anibis.ch, der Kleinanzeigenplattform von Scout24 Schweiz AG mit Sitz in Flamatt (FR). Er arbeitet seit 2008 für die Scout24-Gruppe und verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Internet- und IT-Branche. Seine Laufbahn lancierte Patrik Hagi als Software-Entwickler und -Consultant. Nach zehn Jahren als IT-Organisator bei der Genossenschaft Migros Aare, wechselte er 2008 als Web Manager zu ImmoScout24 und ein Jahr später als Product Manager zu anibis.ch. Patrik Hagi lebt ihm Kanton Freiburg, ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

Über anibis.ch
anibis.ch ist eine führende Schweizer Online-Plattform für kostenlose Kleinanzeigen. Der Marktplatz steht für die hohe Aktualität seiner über 680’000 Inserate. anibis.ch ist zudem Vorreiterin im Kampf gegen den Internet-Betrug in Kleinanzeigen und ergriff 2012 als erste Schweizer Kleinanzeigenplattform Massnahmen wie die SMS-Verifizierung. anibis.ch wurde 2004 in Lausanne gegründet, 2009 von Ringier Digital übernommen und ist seit 2014 eine Marke der Scout24 Schweiz AG.

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