Paul Arni, CEO VP Bank, im Interview

Paul Arni
Paul H. Arni, CEO der VP Bank Gruppe. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Arni, die VP Bank hat im ersten Semester deutlich besser abgeschnitten als in der Vorjahresperiode. Bei den Gewinnzahlen bleibt man aber noch hinter der Vergleichsperiode 2019 zurück. Wann kann die VP Bank wieder an diese Zahlen anknüpfen?

Paul Arni: Mit dem Halbjahresergebnis knüpfen wir an die guten Ergebnisse der Vorjahre an und bestätigen den stabilen Kurs der VP Bank. Anfang dieses Jahres sind wir mit der Strategie 2026 in den neuen Strategiezyklus gestartet. Die Transformation hin zu einem Open Wealth Service Provider ist ein Mehrjahresplan, der auch im ersten Semester Investitionen erforderte. Wir arbeiten entlang von klaren Meilensteinen, die wir bis jetzt planmässig erreicht haben. Dazu zählen beispielsweise die Ernennung der neuen CEO in Asien im Juli oder die Lancierung des ORBIT Ökosystems im August. Auch im zweiten Semester werden wir entlang konkreter Schritte auf dem strategischen Pfad weiter vorangehen. Bis zum Ende des Strategiezyklus 2026 streben wir weiterhin einen Konzerngewinn von CHF 100 Mio. an.

Die Kunden haben der VP Bank über 10 Prozent mehr Vermögen anvertraut als noch Ende letzten Jahres. Wie erklärt sich die markante Zunahme auf 52,6 Milliarden Franken?

Für die Steigerung waren drei Komponenten verantwortlich. Einerseits verzeichneten wir einen Netto-Neugeldzufluss von CHF 0.7 Mrd. Die Akquisition des Private Banking Geschäfts von Öhman hat mit CHF 0.9 Mrd. ebenfalls positiv zur Netto-Neugeldentwicklung beigetragen. Und zu guter Letzt haben die Märkte geholfen.

Sie haben die «Strategie 2026» angesprochen. Können Sie uns diese etwas näher erläutern?

Sehr gerne. Ich bin überzeugt, dass Kundenerlebnisse im Wealth Management neu gedacht werden müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Mit der Strategie 2026 verfolgen wir deshalb die Ambition, uns als internationaler Open Wealth Service Pionier zu etablieren. Mit einer offenen Plattform für Services rund um Vermögensfragen kombinieren wir künftig das traditionelle Bankgeschäft mit den Vorteilen digitaler Ökosysteme. Damit schaffen wir eine völlig neue Servicewelt: Kunden wählen aus einem modularen Angebot, das sowohl bankeigene Dienstleistungen als auch jene von komplementären Drittanbietern umfasst. Sie tun dies bequem, medienbruchfrei und brauchen dafür nicht immer zwingend eine Konto-/Depot-Beziehung bei unserer Bank. Das bedeutet also: einfacherer Zugang und mehr Auswahlmöglichkeit. Die Beratung jedoch bleibt zentral. Vermögen ist eine persönliche Sache und Beratung und Vertrauen messen wir gerade in Zeiten von Vielfalt und Austauschbarkeit weiterhin einen hohen Stellenwert bei. Das Fundament der Strategie 2026 bildet unser starkes bestehendes Geschäft, das wir standortspezifisch konsequent weiterentwickeln.

«Mit einer offenen Plattform für Services rund um Vermögensfragen kombinieren wir künftig das traditionelle Bankgeschäft mit den Vorteilen digitaler Ökosysteme.»
Paul Arni, CEO VP Bank

Welche wichtigen Schritte sind in der ersten Jahreshälfte erfolgt?

Im ersten Semester haben wir wichtige Meilensteine erreicht und liegen mit der Umsetzung der Strategie im Plan. Zweifellos bilden die Effizienz und Effektivität unserer IT-Systeme eine zentrale Grundlage unserer Strategie 2026. Die digitale Transformation in Richtung Open Wealth Service Provider erfordert hohe Technologiekompetenz. Zu Jahresbeginn sind wir deshalb eine strategische Kooperation für den Betrieb der IT-Infrastruktur mit Swisscom eingegangen. Im Juni haben wir zudem mit InvestCloud eine Innovationspartnerschaft vereinbart mit dem Ziel, die Grundlage von personalisierten Wealth-Management-Dienstleistungen über Ökosysteme zu schaffen. Zudem investieren wir in den Auf- und Ausbau unseres internen Know-hows rund um neue Technologien.

Mit unseren standortspezifischen Strategien konnten wir ebenfalls wichtige Ergebnisse erzielen. So trägt der Kauf des Kundengeschäfts der Öhmann Bank im Januar zum Ausbau unserer Aktivitäten im Luxemburger sowie im skandinavischen Markt bei. Im März folgte mit der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags mit Hywin Wealth Management Co. und der Kapitalbeteiligung an Hywin Holdings Ltd. ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung unseres Asiengeschäfts. Mit Pamela Hsu Phua konnten wir im Juli eine im Grossraum Asien weithin anerkannte Führungspersönlichkeit als CEO der VP Bank Asia mit einer hervorragenden Erfolgsbilanz gewinnen.

Der 2020 neu geschaffene Bereich Client Solutions lanciert dieser Tage das Ökosystem «Orbit», das einen einfachen Zugang in die bis anhin schwierig investierbare Anlageklasse der Privatmarktanlagen bieten soll. Was macht diese für Banken wie die VP Bank attraktiv?

Private Markets haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Alleine in den letzten drei Jahren ist diese Anlageklasse um USD 2000 Milliarden gewachsen, was einem Anstieg um fast 50 Prozent entspricht. Für viele Investoren ist der Zugang jedoch erschwert. Die Mindestgrösse für Investments ist oft sehr hoch und viele Banken bieten den Zugang zu dieser Anlageklasse nur, wenn eine Konto-/Depotbeziehung eröffnet wird. Mit dem ORBIT Ökosystem wollen wir dies ändern und professionellen Investoren einen einfachen, kuratierten Zugang zu direkten und kollektiven Anlagemöglichkeiten ermöglichen. Eine Konto-/Depot-Beziehung mit der VP Bank ist dafür nicht zwingend nötig. Auf der Anbieterseite kann die Plattform auch für FinTechs und andere Serviceanbieter interessant sein, da diese so relativ einfach Zugang zu einem breiten Netzwerk an potentiellen Investoren erhalten.

«Mit dem ORBIT Ökosystem wollen wir Investoren einen einfachen, kuratierten Zugang zu direkten und kollektiven Anlagemöglichkeiten ermöglichen. Eine Konto-/Depot-Beziehung mit der VP Bank ist dafür nicht zwingend.»

Die richtigen Investments in diesem Bereich zu tätigen, ist eine grosse Herausforderung. Wie hat sich die VP Bank personell aufgestellt?

Unser Ziel ist es nicht, alle Investments selber zu tätigen. Unterstützt durch einen intelligenten Matchmaking-Prozess wollen wir die Teilnehmer des ORBIT Ökosystems und damit Angebot und Nachfrage zusammenbringen. Hierzu haben wir mit Client Solutions unter der Leitung von Thomas von Hohenhau einen neuen Bereich geschaffen.

Sie haben Pläne zur Digitalisierung von Kunstgegenständen und anderer nicht bankfähiger Vermögenswerte angekündigt. Wie wird das funktionieren?

Wir glauben, dass die Digitalisierung von nichtbankfähigen Vermögenswerten einem steigenden Bedürfnis entspricht. Mit dem TVTG (‹Blockchain›)-Gesetz haben wir in Liechtenstein die entscheidenden, rechtlichen Rahmenbedingungen dafür. Unser Ziel ist erstmal die Tokenisierung qualitativ hochwertiger physischer Kunstgegenstände wie Skulpturen und Gemälde. Mit einem Pilotprojekt zur Digitalisierung von Kunstgegenständen legen wir derzeit den Grundstein dafür. Die Tokenisierung ermöglicht es, Eigentumsansprüche an Kunstwerken einfach und digital abzubilden. Dies entspricht einer effizienten und kostengünstigen Strukturierungslösung, die nichtbankfähige Vermögenswerte teilbar und verwahrfähig macht, ohne dass kostspielige klassische Verbriefungen nötig sind. Unsere Kunden profitieren also von einer gesamtheitlichen Vermögensübersicht und einer transparenten Darstellung geteilter Eigentumsverhältnisse, und das klar ersichtlich im Vermögensauszug sowie e-Banking.

«Die Tokenisierung ermöglicht es, Eigentumsansprüche an Kunstwerken einfach und digital abzubilden. Dies entspricht einer effizienten und kostengünstigen Strukturierungslösung, die nichtbankfähige Vermögenswerte teilbar und verwahrfähig macht, ohne dass kostspielige klassische Verbriefungen nötig sind.»

Die Nachhaltigkeit auf Bank- wie auch Anlagestufe ist wichtiger Grundpfeiler der Strategie. Was konnte in diesem Bereich bisher erreicht werden?

Richtig. Der konsequente Einbezug von Nachhaltigkeit sowohl auf Bankstufe als auch in den Anlageprozessen ist ein weiterer wichtiger Grundpfeiler unserer Strategie. Die Aufnahme der VP Bank in die beiden SIX Nachhaltigkeitsindizes «SPI ESG» und «SPI ESG Weighted» im Februar zeugt davon, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind. Seit Anfang des Jahres sind Nachhaltigkeitskriterien integrale Bestandteile in allen unseren Anlage- und Beratungsprozessen. Im Vergleich zu Mitbewerbern ist Nachhaltigkeit auch der neue Standard bei Beratungskunden, nicht nur im diskretionären Angebot. Anhand des eigens entwickelten VP Bank Nachhaltigkeitsscores geben wir unseren Kundinnen und Kunden in transparenter Weise Auskunft zum Nachhaltigkeitsprofil ihrer Anlage. Der Nachhaltigkeitsscore ist seit Januar in alle Mandate integriert und wird seit März auf allen Vermögensauszügen ausgewiesen. Dies alles sind Auswirkungen der im Jahr 2020 gestarteten strategischen Initiative «Investing for Change». Auch auf Gruppenebene zeigen wir unser Nachhaltigkeitsengagement. Die VP Bank ist neue Unterzeichnerin der UN Principles for Responsible Investment (PRI) und der UN Principles for Responsible Banking (PRB). Damit bekräftigen wir unser Engagement, Nachhaltigkeit fest im Unternehmen zu verankern.

Asien spielt in Ihren Planungen eine zentrale Rolle. Wie sehen die Pläne konkret aus?

Asien ist auch im Wealth Management ein enorm wichtiger Wachstumsmarkt und somit ein Grundpfeiler der Strategie 2026. Wir sind an den zwei Standorten Singapur und Hongkong mit rund 100 Mitarbeitenden präsent – in Hongkong bereits seit 15 Jahren. Mit Pamela Hsu Phua konnten wir – wie vorhin erwähnt – eine im Grossraum Asien weithin anerkannte Führungspersönlichkeit als CEO der VP Bank Asia gewinnen. Mit ihrem umfangreichen Netzwerk in den asiatischen Märkten wird sie von Singapur aus sowohl für das Geschäft in Singapur als auch in Hongkong verantwortlich zeichnen und eine entscheidende Rolle bei der Weiterentwicklung Asienstrategie einnehmen. Wir werden an der Jahreskonferenz zum Ergebnis 2021 im März nächsten Jahres mehr über die konkreten Pläne berichten.

Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die Kooperation mit Hywin Wealth Management Co. und die Kapitalbeteiligung an Hywin Holdings Ltd. in Hongkong?

Ich bin überzeugt, dass es für erfolgreiches Wachstum in Asien die Kombination von eigener Expertise mit externen Partnerschaften braucht. Die Kooperation mit Hywin ist Ausdruck unseres Ziels, gemeinsam die Nachfrage wohlhabender Chinesen nach anspruchsvollen Vermögensverwaltungsdienstleistungen im Ausland zu erfüllen. Die VP Bank wird unmittelbar vom Zugang zum umfangreichen Kundenstamm von Hywin Wealth profitieren. Hywin Wealth wird über Hywin Hongkong in der Lage sein, das Offshore-Wealth-Management-Angebot der VP Bank, eine moderne Infrastruktur und das internationale Ökosystem von Partnern und Investmentspezialisten zu nutzen.

Die VP Bank ist an Standorten in Europa, Asien und der Karibik vertreten. War es Ihnen wegen der Reisebeschränkungen überhaupt schon möglich, ausserhalb Europas vor Ort zu sein?

Viele Dinge lassen sich hervorragend digital und über Videokonferenzen diskutieren und regeln. Wir werden auch künftig nicht auf diese Möglichkeiten verzichten. Meiner Meinung nach ist es jedoch für wichtige Ereignisse unabdingbar, die Mitarbeitenden physisch sehen und sprechen zu können. Deshalb bin ich beispielsweise im April in einer Business Travel Bubble nach Singapur geflogen, um dort die Ernennung von Pamela Phu Hsua zur CEO VP Bank Asia wenigstens durch die «Scheibe» unserem lokalen Management direkt kommunizieren zu können.

Letzte Frage: Welche Lehren ziehen Sie nach rund eineinhalb Jahren aus der Pandemie? Einerseits für das Unternehmen, andererseits für sich persönlich?

Das Coronavirus hat uns sicherlich gefordert und wird dies auch weiterhin tun. Der direkte Kundenkontakt, den ich für erfolgreiches Wealth Management als sehr wichtig und zentral halte, war nur eingeschränkt möglich. Das war und ist teilweise noch immer eine Herausforderung für unsere Kundenberaterinnen und -berater. Umso stärker sind ihre Leistung und die positive Entwicklung des Netto-Neugeldes einzuordnen. Ich persönlich habe den direkten Austausch mit den Mitarbeitenden vermisst. Gerade in einer Transformationsphase, in der wir uns gerade befinden, wäre dieser Austausch – formell wie auch informell – entscheidend, um zu verstehen, wie wir gemeinsam vorankommen. Die digitalen Kanäle ersetzen diese wichtigen Interaktionen nur teilweise. Die Digitalisierung insgesamt wurde aber natürlich durch die Pandemie beschleunigt, was mich in unserer Strategie 2026 einmal mehr bestätigt.

Herr Arni, besten Dank für das Interview.

One thought on “Paul Arni, CEO VP Bank, im Interview

  1. Die Transformation der VP Bank scheint zumindest auf dem Papier definiert. Die Entwicklung des Aktienkurs zeigt aber, dass die Investoren Vorbehalte haben. Der «Investment Case» wie vom CEO vorgelegt und präsentiert lässt bisher so wie präsnetiert offensichtlich absolut keine Kursphantasie aufkommen. Es ist einfach alles «drin» was andere auch tun – ohne wirkliche «USP». Der Titel handelt aktuell auf dem Jahrestief! Dabei weist die Aktie eine attraktive Dividendenrendite gekoppelt an eine moderate Bewertung auf. Die VP Bank 2.0 «Story» enthält daher einiges Kurspotential. Es muss aber «geweckt» werden via gezielte IR Arbeit.

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