Peter Hinder, CEO Thurgauer Kantonalbank

Peter Hinder

Peter Hinder, CEO Thurgauer Kantonalbank. (Foto: TKB)

Von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Hinder, im Gegensatz zu Bravofly war der  Börsengang der TKB ein Erfolg. Der PS hat abgehoben. Sollte man IPOs immer unterm Buchwert ansetzen?

Peter Hinder: Dafür gibt es kein Pauschalrezept. Die Preisspanne bei Börsengängen basiert auf verschiedenen Kriterien und sie hängt auch von den Einschätzungen des Kapitalmarktes ab. Aufgrund der hohen Nachfrage konnte der TKB-PS am Ende der Zeichnungsfrist zu einem Preis am obersten Ende der Spanne im Markt platziert werden.

Haben Sie trotz des  Emissionspreises am oberen Ende der Spanne nicht letzthin Geld verschenkt?

Nein, das glaube ich nicht. Der Eröffnungskurs lag drei Prozent über dem Emissionspreis und konnte anschliessend weiter zulegen, womit die Kursentwicklung im Rahmen unserer Erwartungen liegt.

«Die Kursentwicklung liegt im Rahmen unserer Erwartungen.»
Peter Hinder, CEO Thurgauer Kantonalbank

168 Prozent mehr Steuern mussten Sie im 2013 abführen. Ich nehme an, das wird wieder etwas weniger werden?

2013 nahmen wir eine einmalige Rückstellung vor für latente Steuern, die bei der Auflösung von Reserven für allgemeine Bankrisiken anfallen würden. Diese Rückstellung ist gemäss den Rechnungslegungsvorschriften über die Position Steueraufwand zu verbuchen. Der Aufwand für die eigentlichen Kantons- und Gemeindesteuern lag mit rund 13 Mio. Franken im Rahmen der Vorjahre.

Mit 53,1 Prozent hat die TKB eine tiefe Kostenquote.  Dennoch: Wo gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten?

Im Zuge unserer Strategieumsetzung haben wir in verschiedene Bereiche ganz gezielt investiert, was die Kosten/Ertrags-Relation der letzten beiden Jahre beeinflusst hat. Einen Teil dieser Investitionen konnten wir bereits in höhere Erträge ummünzen. In den nächsten Jahren gehen wir von weiteren positiven Effekten aus. Ein grosser Teil unserer Erträge wird aber stark von der Zinsentwicklung geprägt, die sich nicht beeinflussen lässt.

«Manche Regulatorien, wie die sehr weitgehenden Bestimmungen zum Kundenschutz im geplanten Finanzdienstleistungsgesetz oder im Kollektivanlagengesetz, schiessen teilweise über das Ziel hinaus.»

Auch Sie beschweren sich wie viele Banker zu  Recht über die zunehmende Komplexität der rechtlichen Rahmenbedingungen. Was ist für eine regionale Grossmacht wie die Thurgauer Kantonalbank die grösste administrative Hürde?

Die hohe Regulierungsdichte führt zu höheren Kosten, die sich bei kleineren Banken überproportional niederschlagen, und absorbiert auch in personeller Hinsicht zusätzliche Ressourcen. Viele Regulatorien machen Sinn, so beispielsweise die neuen Liquiditätsvorschriften. Andere, wie die sehr weitgehenden Bestimmungen zum Kundenschutz im geplanten Finanzdienstleistungsgesetz oder im Kollektivanlagengesetz, schiessen aber teilweise über das Ziel hinaus. Ein Knackpunkt ist, dass die Banken für die Umsetzung von Regulatorien zu wenig Zeit haben. Ein Beispiel: die Details für die neue Rechnungslegung für Banken stehen noch nicht fest, die Einführung ist aber bereits per 1.1.2015 geplant. Die Umsetzung ist hochkomplex und erfordert weitreichende Anpassungen in den IT-Systemen und Prozessen der Bank.

Mit knapp 10 Prozent Eigenmitteln im Verhältnis zur Bilanzsumme sind Sie sehr solide finanziert. Welche Expansionspläne können Sie da hegen? Ich nehme an, Sie „bleiben im Land und nähren sich redlich“?

Die TKB ist und bleibt die führende Universalbank im Kanton Thurgau. In den angrenzenden Gebieten unseres Heimmarktes suchen wir selektives Wachstum mit überschaubaren Risiken. Im grenzüberschreitenden Bankgeschäft fokussieren wir unter der passiven Dienstleistungsfreiheit auf das Vermögensverwaltungsgeschäft mit Kunden aus Deutschland und Österreich, wobei wir im Ausland keine aktive Kundenakquisition betreiben.

Auch bei der TKB sind die Hypothekarausleihungen weiter gewachsen. Merken Sie im Thurgau Ausweichbewegungen aus dem Raum Zürich?

Der Kanton Thurgau ist mit seiner hohen Lebensqualität und einer starken Wirtschaft der Kanton mit der zweithöchsten Zuwanderung in der Schweiz. Auch zahlreiche Interessenten aus den Nachbarkantonen haben in den letzten Jahren die Vorzüge des Thurgaus entdeckt.

Ist der Kanton Thurgau als ländlicher Kanton gegen eine Immobilienblase geschützt?

Der Immobilienmarkt hat sich im Thurgau – gestützt durch die Zuwanderung – stabil entwickelt. Es gibt keine Anzeichen einer Blasenbildung. Das zeigen auch die verfügbaren Studien zu diesem Thema.

Wertberichtigungen und Rückstellungen für Ausfallrisiken machen weniger als 1 Prozent  aus.  Könnten diese in den nächsten Jahren zunehmen?

Unser Kreditportfolio ist gesund und breit diversifiziert und wir betreiben eine vorsichtige Risikopolitik. Der Aufwand für Kreditrückstellungen bewegt sich seit einigen Jahren auf einem im langjährigen Vergleich ausserordentlich tiefen Niveau. Bleibt die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin freundlich, gehen wir nicht von einem kurzfristigen Anstieg aus.

«Eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ist für die TKB und unseren Haupteigentümer, den Kanton Thurgau, kein Thema.»

An innovativen Bankprodukten sind Ihre Paketlösungen insbesondere bei Firmen ein Erfolg. Was steht in den nächsten Jahren an Neuigkeiten auf dem Programm?

Die TKB konnte im Markt immer wieder mit Innovationen punkten. Jüngstes Beispiel sind die Servicepakete für Privatpersonen, die sehr gut ankommen, oder die kürzlich lancierte neue Vermögensverwaltungslösung für Vermögen ab 20‘000 Franken. Zudem haben wir im vergangenen Jahr zwei neue nachhaltige Finanzierungslösungen auf den Markt gebracht.

Haben eigentlich neben Privatpersonen auch Firmen Ihre PS gezeichnet?

Ja, der PS ist auch bei Firmen und Institutionellen auf eine gute Resonanz gestossen. Für die Liquidität im Titel ist es wichtig, auch institutionelle Anleger an Bord zu haben.

Wäre auch einmal die Ausgabe von Namenaktien ein Thema, wenn damit nicht nur lokale Investoren, sondern auch Grossinvestoren angesprochen werden sollen?

Eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ist für die TKB und unseren Haupteigentümer, den Kanton Thurgau, kein Thema. Wir fühlen uns im heutigen Rechtskleid komfortabel und können mit dem Partizipationsschein sehr gut leben.

Zur Person:
Peter Hinder (1971) ist seit Frühjahr 2010 CEO der Thurgauer Kantonalbank. Zuvor durchlief er bei der UBS während über 20 Jahren verschiedene Stationen, unter anderem in der Kundenberatung, in der Kreditanalyse oder im Aufbau eines Kreditrisikomanagements für das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft. Zuletzt war er Chief Operating Officer im Group Treasury der UBS. Peter Hinder ist im st.gallischen Wil aufgewachsen. Dort absolvierte er beim damaligen Schweizerischen Bankverein seine Berufsausbildung. Er erlangte das eidgenössische Diplom für Bankfachleute und absolvierte eine Management-Ausbildung an der Harvard Business School. Peter Hinder ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er lebt mit seiner Familie in Weinfelden.

Zum Unternehmen:
Mit über 700 Mitarbeitenden und einer Bilanzsumme von mehr als 18 Milliarden Franken zählt die Thurgauer Kantonalbank (TKB) zu den zwanzig grössten Banken der Schweiz. Das Finanzinstitut ist die Thurgauer Marktführerin und offeriert umfassende Finanzdienstleistungen für Private, KMU und die öffentliche Hand. Haupteigentümer der 1871 gegründeten öffentlich-rechtlichen Anstalt ist der Kanton Thurgau. Die TKB hat den gesetzlich verankerten Leistungsauftrag, für eine starke regionale Wirtschaft zu sorgen. Sie zählt zu den grössten Arbeitgebern im Kanton, bildet zahlreiche Lernende aus und engagiert sich als Sponsorin und Mäzenin für Sport, Kultur und Gesellschaft im Thurgau. Mit der Emission von Partizipationsscheinen erfolgte im Frühjahr der Gang an die Schweizer Börse SIX.

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