Raphael Krucker, CEO Andermatt Swiss Alps AG, im Interview

Raphael Krucker
Raphael Krucker, CEO Andermatt Swiss Alps AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Krucker, die Urner Regierung hat den Skigebieten im Kanton den Betrieb bis mindestens 29. Dezember untersagt. Haben Sie Verständnis für den Entscheid?

Raphael Krucker: Wir bedauern diesen Entscheid sehr, da wir alles darangesetzt haben, den Skibetrieb sogar über die geforderten Massnahmen hinaus offen halten zu können. Es wurde ein ausgezeichnetes Schutzkonzept erarbeitet, welches sich seit Ende Oktober bewährt hat und viel positives Gästefeedback erfuhr. Es wurde ein regelmässiger Austausch mit den kantonalen Behörden und dem Sonderstab Uri gepflegt, um die Anforderungen für eine Bewilligung zu erfüllen. Zudem konnte das Unfallrisiko gesenkt werden. Mit unserem Schutzkonzept waren wir in der Lage, den Personenfluss zu kontrollieren, was nun mit der Schliessung des Skigebiets auf Urner Seite nicht mehr gewährleistet werden kann. Folglich kann ein «Wildwuchs» entstehen, der sich negativ auf die Pandemieentwicklung auswirken kann. Wir akzeptieren den Entscheid, erachten ihn jedoch als kontraproduktiv. Speziell, weil ein Teil unseres Skigebietes auf Seite Graubünden noch offen ist.

Welche Auswirkungen hat der Entscheid in den verschiedenen Geschäftsfeldern?

Der Entscheid trifft uns hart. Wir werden in allen unseren Geschäftsfeldern, vom Skigebiet über die Hotels und Restaurants, grosse finanzielle Auswirkungen spüren, zumal dies die umsatzintensivste Zeit für die Andermatt Sedrun Sport AG ist. Aber nicht nur das, viele unserer Mitarbeitenden kommen für die Wintersaison nach Andermatt und Sedrun. Von dieser überraschenden Schliessung wächst auch die Unsicherheit innerhalb der Mitarbeitenden.

Was können Sie den Gästen als Alternative anbieten?

Wir haben als Alternative ein umfassendes Winterwunderland-Angebot: Die Gondelbahn Gütsch-Express transportiert Fussgängerinnen und Fussgänger. Die Winterwanderwege werden ausgebaut und die Restaurants auf dem Gütsch und am Nätschen bieten Take-away-Gerichte an. Im Talboden kann man nach wie vor Langlaufen, Winterwandern und Schneeschuhlaufen. Zusätzlich gibt es ein E-Quad-Angebot bei der Driving Range. Und ebenfalls Take-away-Möglichkeiten.

Sie haben die Schutzkonzepte angesprochen. Wie sehen diese aus, sollte der Betrieb wieder aufgenommen werden können?

Wir hatten bereits zum Saisonstart Ende Oktober ein umfassendes Schutzkonzept in Kraft. Unter anderem ein Reservationssystem für die Gondeln, um Menschenansammlungen vor den Talstationen zu vermeiden. Das funktioniert sehr gut. Weitere Massnahmen sind die Limitierung der Anzahl Schneesportlerinnen und Schneesportler im Gebiet auf maximal 8’000 Personen und in den Gondeln um 2/3 der Kapazität, 50 Prozent zusätzliche Aussenplätze bei den Restaurants und Contact Tracing, Maskenpflicht in allen Innenräumen und vor Sesselbahnen oder Gondeln und vieles mehr.

Wie waren die Erfahrungen der ersten Wochen?

Sehr gut. Die Gäste hielten sich vorbildlich an die Sicherheitsvorschriften. Und wenn sie sie einmal vergassen, akzeptieren sie die Hinweise des Personals dankend. Die Gäste kommen viel entspannter ins Skigebiet, weil das Anstehen am Morgen entfällt und sie schnell ins Skigebiet können.

«Die Schweizer erkennen den Wert einer Ferienimmobilie – ob gross oder klein – in den Bergen, wo sie einen Rückzugsort haben.»
Raphael Krucker, CEO Andermatt Swiss Alps AG

Bisher ist die Andermatt Swiss Alps AG gut durch die Corona-Zeit gekommen zu sein. So befindet sich auch der Verkauf von Immobilien mit 85 Mio Franken per Ende Oktober auf einem Rekordniveau. Profitieren Sie davon, dass sich viele Schweizer in der aktuellen Situation zwangsläufig in der Schweiz nach Immobilien umsehen?

Die Schweizer erkennen den Wert einer Ferienimmobilie – ob gross oder klein – in den Bergen, wo sie einen Rückzugsort haben. Der Lockdown im Frühling hat sicher dazu beigetragen. Zudem erkennen sie die Attraktivität von Andermatt: gute Lage, einmalige Natur, etwas Neues am Entstehen

Werden die Wohnungen in erster Linie als Ferienimmobilien genutzt oder verzeichnen Sie auch Zuzüger, die ihren Erstwohnsitz in Andermatt nehmen?

Im Moment sind es mehrheitlich Zweitwohnungsbesitzer. Aber wir wollen Andermatt klar auch als Erstwohnsitz positionieren. Und damit das Dorf und die Gemeinschaft stärken. Das wird dann mithelfen, hier auch Business anzusiedeln. Erfreulich ist auch, dass eine Mehrheit der Käufer ihre Wohnungen ins Vermietungsprogram geben. So können wir sicherstellen, dass die Auslastung hoch ist wir nur wenig kalte Betten haben.

Gut zwei Drittel der Käufer stammen aus der Schweiz. Welcher Herkunft sind die übrigen Käufer?

Sie verteilen sich in Europa auf Italien, Deutschland und Grossbritannien. Vereinzelte Käufer kommen auch aus Südostasien und Russland

Derzeit sind sechs Mehrfamilienhäuser im Bau. Wie sieht die weitere Planung beim Bau der Immobilien aus?

Wir werden im Frühling mit dem Bau zwei weiterer Häuser beginnen. Die beiden Häuser Koya und Altera werden in diesen Tagen auf dem Markt lanciert im Rahmen einer Vorreservierungsphase. Zudem werden wir im Frühling mit der Erweiterung des «Podium» und damit der Tiefgarage beginnen, auf der die weiteren Apartmenthäuser dann stehen. Zudem sind wir in der Planungsphase für das dritte Hotel, das sich an ein urbanes Publikum wenden wird und eine Ergänzungen zu den bestehenden Hotels und Angeboten ist. Es wird die Ganzjahresdestination unterstützen – beispielsweise mit Co-Working Space.

«Wir wollen Andermatt klar auch als Erstwohnsitz positionieren. Und damit das Dorf und die Gemeinschaft stärken.»

Das Hotel «The Chedi Andermatt» verzeichnete in den ersten 10 Monaten ebenfalls deutlich mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Welche Faktoren haben zum Erfolg geführt?

Das Hotel The Chedi Andermatt verzeichnete in den ersten zehn Monaten tatsächlich deutlich mehr Übernachtungen als in der Vorjahresperiode und erreichte die historisch höchste Auslastung von 68 Prozent (Vorjahresperiode 53 Prozent). Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die ausbleibenden ausländischen Gäste durch Schweizer Gäste überkompensiert werden konnten. Viele Schweizerinnen und Schweizer wollen sich während dieser nicht ganz einfachen Zeit einfach auch einmal etwas gönnen. Zudem entspricht das moderne und einzigartige Erlebnis einem Zeitgeist.

Das zweite Hotel, das «Radisson Blu Reussen» ist auf das Gruppengeschäft und Veranstaltungen ausgerichtet, zwei Segmente, die unter Corona stark leiden. Wie verlief hier das Geschäft?

Der Start im Frühsommer war nicht ganz einfach, nachdem das ganze Gruppengeschäft weggebrochen war. Trotzdem konnte das Radisson Blu die durchschnittlichen Zimmerraten erhöhen und den Verlust an MICE-Gästen mit Individualgästen wettmachen. Es ist gelungen, das Radisson Blu als Basecamp für Naturerlebnisse zu positionieren.

Inwieweit haben vom guten Immobiliengeschäft und der guten Hotelauslastung auch der Golfkurs und die Sommeraktivitäten in der Skiarena profitiert?

Eine positive Sommerbilanz können auch der Andermatt Golf Course mit einem Plus von über 50 % verkaufter Greenfees gegenüber dem Vorjahr sowie der Sommerbetrieb der SkiArena Andermatt-Sedrun mit einem Gästeplus von 12 Prozent verzeichnen. Der Golfplatz erlebte einen eigentlichen Boom von Spielern, die das erste Mal in Andermatt waren. Wir sind überzeugt, dass sie wiederkommen.

Die Andermatt Swiss Alps AG hat zuletzt erfolgreich eine Anleihe über 60 Mio Franken platziert. Fliesst der Erlös der Anleihe auch in ein drittes Hotel und wenn ja, welches Zielpublikum soll es ansprechen?

Der Erlös der Anleihe mit einem jährlichen Coupon von 4.375 % dient allgemeinen Unternehmenszwecken sowie der Erweiterung des Podiums (Tiefgarage) inklusive Neubau von weiteren Apartmenthäusern, um die starke Nachfrage nach Immobilien befriedigen zu können.

«Unsere Gäste und Eigentümer von Wohnungen sollen alles aus einer Hand erhalten und in einer App buchen und einsehen könne: vom Skiticket, über die Greenfee, die Heizungssteuerung in der Wohnung etc.»

Seit Mitte Jahr hat das Unternehmen mit Thomas Landis einen Chief Digital Officer an Bord. Wie soll die Digitalisierung gestärkt und weiterentwickelt werden?

Wir wollen Andermatt als Prime Alpine Destination positionieren. Als Ergänzung der modernen Infrastruktur braucht es auch innovative Angebote wie etwa Reservierungsmöglichkeit für die Bergbahnen, neue Produktbundles wie etwa das Andermatt Erlebnis mit einem Audi e-tron und eine generelle Digitalisierung der customer journey. Unsere Gäste und Eigentümer von Wohnungen sollen alles aus einer Hand erhalten und in einer App buchen und einsehen könne: vom Skiticket, über die Greenfee, die Heizungssteuerung in der Wohnung etc. Wir streben auch ein innovatives und Bedürfnis orientiertes Verkehrsangebot. Wir wollen das Gästerlebnis langfristig stärken, indem wir an zukünftigen Themenfelder orientieren. Dazu zählen etwa Smart Logistics oder EcoCity.

Herr Krucker, besten Dank für das Interview.

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