René Rothen, CEO Adval Tech Gruppe

René Rothen
René Rothen, CEO Adval Tech. (Copyright: Adval Tech)

René Rothen, CEO Adval Tech Gruppe. (Foto: Adval Tech)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Rothen, Adval Techs Eigenkapital ist auf 22,6 Prozent geschrumpft. Wird es wieder eine Kapitalerhöhung geben müssen?

René Rothen: Unser vorrangiges Ziel für das Jahr 2013 ist das Erreichen des Turnarounds auf Stufe EBIT und die Reduktion der Verschuldung. Eine Kapitalerhöhung ist zurzeit kein Thema.

Welche anderen Massnahmen werden Sie dann einleiten, um den Mittelabfluss zu stoppen?

Über ein intensives Kostenmanagement, Zurückhaltung bei den Investitionsauslagen sowie Nutzung der Synergiepotentiale über alle Gesellschaften der Adval Tech.

Die Kapitalerhöhung im 2008 diente zur Finanzierung der Omni-Übernahme. Die Firma ist aber jetzt das grosse Sorgenkind…

Es ist wahr, dass die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Omni-Übernahme diente. Und es ist auch wahr, dass das Ergebnis der Omni Gesellschaften in Asien noch nicht dort ist, wo die Gruppe es haben möchte. Deshalb wurden insbesondere in Suzhou, unserem grössten Standort in Asien, Restrukturierungsmassnahmen eingeleitet. Nicht zu vergessen ist auch, dass wir unsere Standorte in Xiamen sowie in Shanghai geschlossen und die Produktion von Komponenten und Werkzeuge in Suzhou konzentriert haben.

Eine Strategie-Überprüfung in den Jahren 2006/2007 zeigte, dass – um die Zukunft meistern zu können – die Adval Tech Gruppe global hätte werden müssen. Nach sorgfältiger Überprüfung hat man damals entschieden, dies durch eine Akquisition zu erreichen. Mit einem «Greenfield – Ansatz» global zu werden, hätte das deutlich mehr gekostet.

Wie oft sind sie mittlerweile seit ihrem Amtsantritt nach Ostasien gejettet?

Im Durchschnitt bin ich jeden dritten Monat in Asien seit meinem Amtsantritt, um mich mit den lokalen Verantwortlichen auszutauschen und sie zu unterstützen.

Viele Schweizer Firmen unterschätzen die asiatische Billigkonkurrenz, selbst wenn Sie dort günstig vor Ort produzieren. War das auch bei Adval der Fall?

Nein, vielmehr war OMNI – und ist es noch zum Teil – geprägt von ihrer Geschichte, wonach Komponenten in China für den Export produziert wurden. Wir hingegen verfolgen die Strategie «Lokal für Lokal», und diese gilt es weiter zu treiben. Mit der Akquisition von OMNI verfügen wir über interessante Plattformen in Asien, um unsere Strategie umzusetzen. Zum Beispiel für BMW. Da stellen wir in Suzhou Bauteile für den chinesischen Markt her. In Thailand produzieren wir Komponenten für Bernina, die auch in Thailand tätig ist. Auch produzieren wir in China Hochleitungsformen, die von unseren global tätigen Kunden lokal zum Einsatz kommen. Unser Ziel ist es, am jeweiligen lokalen Wachstum zu partizipieren. Das ist der Grund, warum wir dort noch fokussierter und noch selektiver arbeiten wollen.

«In der Tat wurden gewisse Investitionsprojekte zugunsten der Liquidität verschoben, jedoch ohne dass die Leistung dadurch negativ beeinträchtigt wurde.»
René Rothen, CEO Adval Tech Gruppe

Nach vier Jahren gab es für Adval für einmal einen kleinen freien Cashflow, aber nur weil die Investitionen gestrafft wurden. Wo werden Sie in nächster Zeit am meisten investieren, bei den Hochleistungskunststoffformen?

In den vergangenen Jahren haben wir trotz „Krise“ viel in die Modernisierung unserer Infrastruktur investiert, allen voran in Europa – entsprechend sind Mittel geflossen. Wir investieren laufend in die Aufrechterhaltung unserer Infrastruktur. In der Tat wurden gewisse Investitionsprojekte zugunsten der Liquidität verschoben, jedoch ohne dass die Leistung dadurch negativ beeinträchtigt wurde. In unseren Werken in Asien haben wir einen Nachholbedarf.

Als Zulieferer der Autoindustrie hat sich Adval glücklicherweise bereits vor Längerem einige langlaufende Aufträge sichern können. Wie sieht es im Moment beim Neugeschäft in der Automobilbrache aus?

Wir sind zuversichtlich. Es ist so, dass wir neue Projekte im Automobilbereich gewinnen konnten. Und dies Dank unserer globalen Ausrichtung und Added Value, das heisst unseres One Stop Shop Approach, von der Produktentwicklung bis hin zur Serienbelieferung und mit eigenem Werkzeugbau. Zusätzlich zur jüngsten Akquisition eines Projektes für Audi (Kunststoffkomponenten) konnten wir kürzlich einen 5-Jahresvertrag mit einem Automotivekunden (Metallkomponenten) abschliessen, der ab Standort Schweiz beliefert und in Schweizer Franken fakturiert wird. All dies, trotz hohem Franken-Wechselkurs. Unser Mehrwert-Ansatz besteht darin, dem Kunden nicht nur ein Produkt anzubieten, sondern Innovation mit leistungsfähigen Fertigungstechnologien zu kombinieren und das Ganze auf globaler Basis.

Adval ist strategischer Lieferant von Premiummarken. Aber selbst VW hat jetzt schwache Zahlen geliefert. Besteht nicht die Gefahr, dass die Grossen der Branche jetzt Ihre Zulieferer unter Druck setzen?

Die Automobilbranche ist eine sehr interessante, anspruchsvolle Branche und die Automobil-Zulieferer sind dauernd unter Druck! Der kontinuierliche Verbesserungsprozess ist – wie das Wort es sagt – nie abgeschlossen, wir müssen täglich besser werden. Dabei hilft die Umsetzung der Verbesserungspotentiale, den Druck zu minimieren beziehungsweise unsere Position zu stärken. Auch ist es nicht verboten, einem Kunden mal „Nein“ zu sagen, wenn sich der Auftrag für uns nicht rechnen würde.

«Die Automobilbranche ist eine sehr interessante, anspruchsvolle Branche und die Automobil-Zulieferer sind dauernd unter Druck!»

Das Umlaufvermögen wurde 2012  schärfer bewirtschaftet. Lässt sich da 2013 noch weiter Geld einsparen?

Das Thema Umlaufvermögen hat bei allen Mitarbeitenden in der Adval Tech Gruppe eine entscheidende Bedeutung. Unser Lager unter Kontrolle zu haben, gehört zu den täglichen Hauptaufgaben, nicht nur für die Produktionsleute sondern vor allem für die Geschäftsführer unserer Gesellschaften. Lager und Debitoren sind Chef-Sache. Wie gesagt: in der Adval Tech Gruppe wird dies in der ganzen Struktur gelebt.

Adval hat kaum langfristige Schulden, dafür aber hohe kurzfristige Bankkredite. Könnte man die nicht beispielweise über eine Wandelanleihe oder ähnlichen Konstrukte auf den Kapitalmarkt überrollen?

Wir prüfen zurzeit die für uns beste Möglichkeit.

Zum Abbau von Schulden sollen auch Verkäufe nicht betriebsnotwendiger Liegenschaften in China und der Schweiz beitragen. Gibt es bereits Verkaufsverhandlungen?

Gespräche sind im Gange.

Willy Michel hat Adval zur Chefsache gemacht, unter anderem gibt er ihr eine Kapitalgarantie über 60 Millionen. Welche Produktehighlights können wir dank der Zusammenarbeit mit Ypsomed erwarten?

Es sind bereits Vereinbarungen mit der Firma Ypsomed oder Firma Finox definiert. Herr Michel ist unser VR-Präsident und Hauptaktionär. Im Zuge der Neuausrichtung der Finanzierung der Adval Tech Gruppe im Januar 2012 hat er eine Garantie zu Gunsten der kreditgebenden Banken abgegeben, welche die Hälfte der maximalen Kreditlinie sicherstellen.

Zur Person:
Der Schweizer René Rothen, Jahrgang 1959, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als studierter Ingenieur HTL leitete die Produktentwicklung im Werkzeugmaschinenbau bei der EWAG AG, Etziken (1983–1993). Danach bekleidete er verschiedene Kaderpositionen bei Saia-Burgess in Murten, unter anderem als Leiter Operations Schweiz und Ungarn sowie zuletzt als Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft in den USA, ehe er bei  Adval Tech im Jahr 2007 Divisionsleiter wurde. Seit 1. August 2012 ist er CEO.

Zum Unternehmen:
Als global tätiger Technologie- und Prozesspartner legt Adval Tech den Fokus auf die sich gegenseitig ergänzenden Technologien Stanzen und Umformen von Metall sowie Spritzgiessen von Kunststoff. In ausgewählten Märkten der Automobil-, Medizinaltechnik- und Konsumgüterindustrie gehört Adval Tech zu den führenden globalen Anbietern von Werkzeugen, Anlagen, Baugruppen, Systemen und Serienteilen. Als Zulieferer und Wertschöpfungspartner deckt Adval Tech die gesamte Wertschöpfungskette ab: vom Produktdesign und der Entwicklung von Serienteilen über die Konstruktion und den Bau der dazu notwendigen Werkzeuge und Formen bis zu ganzen Produktionssystemen und der daraus resultierenden Fertigung von Komponenten.

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