Reto und Alexander Wälchli, Founder Alpine White, im Interview

Reto und Alexander Wälchli, Founder Alpine White, im Interview
Reto (l.) und Alexander Wälchli. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Bleaching liegt voll im Trend. Was passiert eigentlich beim Bleichen von Zähnen?

Beim Bleaching werden farbige Pigmente aus dem Zahnschmelz gelöst. Dies kann sowohl chemisch als auch mechanisch passieren. Zu empfehlen ist jedoch, nur auf chemische Bleichmittel zurückzugreifen, die die Microhardness des Zahns nicht verändern und zu keiner Erosion des Zahnschmelzes führen. Genau das tun wir.

Kann es dabei zu Nebenwirkungen kommen?

Traditionelle Bleaching-Verfahren basieren auf Wasserstoffperoxid und haben daher oft unangenehme Nebenwirkungen. Wir aber verwenden stattdessen PAP (Phthalimidoperoxycapronsäure). Das ist eine der sichersten Methoden, bei der keine Nebenwirkungen auftreten. Dies haben wir auch in einer klinischen Studie, die von Zahnärzten durchgeführt wurde, bewiesen. Um es auf den Punkt zu bringen, wir kombinieren Aufhellung und Schutz der Zähne.

«PAP ist eine der sichersten Methoden, bei der keine Nebenwirkungen auftreten. Um es auf den Punkt zu bringen, wir kombinieren Aufhellung und Schutz der Zähne.»

Wie unterscheiden sich Bleaching-Produkte wie Ihre von einer Bleaching-Behandlung beim Zahnarzt?

Vorneweg: Beim Zahnarzt sprechen wir in der Regel von einem medizinischem Bleaching, da die von ihnen verwendeten Produkte über 6% Wasserstoffperoxid enthalten. Diese dürften nach der aktuellen EU Lebensmittelverordnung, die auch in der Schweiz gültig ist, nur in medizinisch notwendigen Fällen angewendet werden. Das lässt aber natürlich eine gewisse Interpretationsfreiheit.

Alles über 6% Wasserstoffperoxid ist chemisch reizend und führt zu Verletzungen des Zahnfleisches. Ausserdem wird bei einem Wasserstoffperoxid-basierten Bleaching die Microhardness der Zähne beeinflusst und der Zahnschmelz erodiert. Im Vergleich zu traditionellen Bleaching-Verfahren können wir dank des schonenden Wirkmechanismus unseres Hauptinhaltsstoffes PAP die Zähne nachhaltig aufhellen, ohne die geschilderten Nebenwirkungen.

Warum handelt es sich bei Phthalimidoperoxycapronsäure?

PAP ist eine aufregende neue Richtung für die Zahnmedizin, da sie, wie erwähnt, weder die Zähne noch das Zahnfleisch angreift. Bei anderen Bleichverfahren kommt PAP schon länger zum Einsatz. So beispielsweise beim Bleichen von Papier und Textilien. Die eigentliche Innovation ist daher die Übertragung dieser Technologie in den zahnmedizinischen Bereich.

«Die eigentliche Innovation ist die Übertragung der PAP-Technologie in den zahnmedizinischen Bereich.»

Wie lange hält der Aufhellungseffekt an und wie oft kann man das Bleaching wiederholen?

Unsere Produkte sind absolut sicher, verändern die innere und äussere Zahnstruktur nicht und können bei Bedarf jeden Tag angewendet werden – auch wenn dies kaum notwendig sein sollte. Wir versprechen sichtbar weissere Zähne nach drei Tagen. Wie lange der Aufhellungseffekt sichtbar ist, hängt stark von den individuellen Lebensgewohnheiten der Person ab. Wer täglich raucht oder viel Kaffee trinkt, muss schneller wieder eine Bleaching-Kur durchführen. Basierend auf unseren Erfahrungswerten hält der Effekt 6 bis 12 Monate.

Und die Wirkung ist genauso effektiv?

Bei allen Bleaching-Verfahren hängt die Wirkung stark von den zu behandelnden Zähnen ab, deshalb ist ein pauschaler Vergleich nur schwer möglich. Gemäss unserer klinischen Studie können die Whitening Strips von Alpine White die Zähne um bis zu sieben Stufen aufhellen.

Mit wem haben Sie die Formel für die Alpine-White entwickelt?

Die Formulierung für unser erstes Produkt, die Whitening Strips, haben wir im Selbststudium entwickelt. Wir waren damals beide noch in Ausbildung und konnten uns kein Bleaching beim Zahnarzt leisten. Also haben wir unzählige Papers und wissenschaftliche Artikel gelesen und sind dabei auf PAP gestossen.

Zwischenzeitlich haben wir die Produktentwicklung aber natürlich stark professionalisiert: Wir beziehen Zahnärzte und andere Experten der Dentalbranche mit ein und konnten auch in unserem Advisory Board entsprechendes Know-How aufbauen. Nicht zuletzt arbeiten wir sehr eng mit unseren Produzenten und Rohstofflieferanten zusammen.

In der Schweiz ist Alpine White bereits die Nummer eins für Whitening Strips. Welche weiteren Produkte führen Sie im Angebot?

Wir haben alle Produkte für gesunde, weisse Zähne im Sortiment. Das Sortiment bauen wir konsequent nach den Kundenbedürfnissen aus – dafür befragen wir unsere Kunden auch regelmässig. Erst kürzlich haben wir unsere Whitening Toothpastes lanciert, welche bereits schweizweit bei Manor und Coop erhältlich sind.

Denken Sie auch daran, mit Zahnärzten zusammenzuarbeiten, die Ihre Produkte in den Praxen verwenden?

Für unser aktuelles Produktsortiment sind Zahnarztpraxen nicht der richtige Absatzkanal. Wir sind aber kurz vor der Lancierung einer «Professional Line», die die häufigsten Probleme im Mundraum lösen kann. Generell möchten wir in Zukunft noch stärker in Richtung langfristige Zahngesundheit gehen – dafür könnte eine Zusammenarbeit mit Praxen spannend werden.

Zuletzt hat Alpine White 1,8 Mio Franken Seedkapital erhalten. Wofür werden Sie dieses Geld einsetzen?

Wir fokussieren uns auf drei wesentliche Punkte: Die Weiterentwicklung des aktuellen Consumer Produktsortiments, die Finalisierung der Professional Line und die Expansion nach Brasilien und China. Parallel dazu bauen wir das Fundament auf, das es uns erlaubt, zentral gesteuert global tätig zu sein.

«Wir fokussieren uns auf drei wesentliche Punkte: Die Weiterentwicklung des aktuellen Consumer Produktsortiments, die Finalisierung der Professional Line und die Expansion nach Brasilien und China.»

Sie haben Alpine White vor acht Jahren gegründet. Welches waren die grössten Schritte in der Entwicklung des Unternehmens bis zum heutigen Zeitpunkt?

Da gibt es unzählige. Zu erwähnen ist sicherlich die Lancierung unseres ersten Produkts, die Whitening Strips. Für deren Entwicklung haben wir zwei Jahre gebraucht und bis heute sind sie unser Bestseller. Erwähnenswert ist aber auch, dass wir die komplette Firma bootstrapped und aus dem eigenen Sack finanziert neben Vollzeitjob und Studium auf eine Grösse skalieren konnten, welche es zulässt, externe Investments aufzunehmen. Und apropos Investments: Das Einsteigen von namhaften Investoren wie Ertan Wittwer oder Fabrice Aeberhard in der kürzlich abgeschlossenen Seedfinanzierungsrunde zählt natürlich auch zu den grossen Meilensteinen.

Wie kam es zur Gründung von Alpine White? Sie waren zu diesem Zeitpunkt ja erst 21, resp. 18 Jahre alt?

Aus der Not heraus. Wir waren beide mitten in der Informatik-Ausbildung und bedingt durch unseren Kaffeekonsum und unsere damaligen Lebensgewohnheiten, waren unsere Zähne nicht mehr so weiss wie wir es uns gewünscht hätten. Die dazumal zugänglichen Methoden waren uns zu teuer, umständlich und schmerzhaft. In unserem jugendlichen Leichtsinn waren wir überzeugt, dass wir das besser können und haben angefangen zu recherchieren. Während der Entwicklung der Whitening Strips haben wir festgestellt, dass zahlbares Bleaching ohne Nebenwirkungen eine Marktlücke ist mit entsprechend grosser Nachfrage. So haben wir uns entschieden, Alpine White auf den Markt zu bringen.

Besten Dank für das Interview.

Alpine White

Reto Wälchli, Co-Founder & CEO ALPINE WHITE
Reto Wälchli gründete Alpine White 2014 während der Ausbildung und im Alter von 21 Jahren. Er hält einen BSc ZHAW in Management Information Systems und einen MSc HEC Paris in Innovation & Entrepreneurship. In seiner früheren Position war er im Aufbau, der Evaluation und Einführung neuer digitaler Geschäftsmodelle sowie im Scouting von Startups in der Digital Business Unit der Swisscom tätig.
Alexander Wälchli, Co-Founder & COO ALPINE WHITE
Alexander Wälchli hält einen BSc ETH in Computer Science und einen MAS UZH in European and Chinese Business Management. Bevor sich der 26-Jährige zu 100% Alpine White widmete, war er als Business Development Manager tätig und arbeitete als Assistent an der ETH Zürich.

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