Roger von der Weid, CEO Lalique Group, im Interview

Roger von der Weid
Roger von der Weid, CEO Lalique Group. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr von der Weid: Alle operativen Kennzahlen von Lalique zogen im ersten Halbjahr 2022 kräftig nach oben. Der Umsatz stieg um 29% sogar über das Vorcoronaniveau. Könnte das zweite Halbjahr trotz nun vorsichtigem Ausblick im Weihnachtsgeschäft von Trotzkäufen der Kundschaft profitieren?

Roger von der Weid: Wir erwarten im zweiten Halbjahr 2022 – unvorhersehbare Ereignisse vorbehalten – einen weiterhin positiven Trend, wobei auch aufgrund der stärkeren Vergleichsbasis in der Vorjahresperiode ein niedrigeres prozentuales Umsatzwachstum als im ersten Semester erwartet wird. Wir sind uns bewusst, dass das weltwirtschaftliche Umfeld von grossen Unsicherheiten geprägt ist – dies auch angesichts von unberechenbaren geopolitischen Spannungen – und bleiben daher vorsichtig. Dennoch erwarten wir ein ordentliches Weihnachtsgeschäft.

Besonders hat mich der Umsatzsprung bei Bentley Fragrances um volle zwei Drittel erstaunt…

Bentley Fragrances setzte den starken Wachstumskurs im ersten Halbjahr 2022 fort und verzeichnete einen international breit abgestützten Anstieg der Nachfrage. Eine Vielzahl von Ländern haben dabei dieses Wachstum angetrieben und zeigen uns die dynamische Entwicklung dieser Marke auf – die Bentley Düfte sind definitiv im Handel und bei den Kunden angekommen. Dieser positive Trend belegt zudem, dass Bentley inzwischen auch als hochwertig positionierte Parfümmarke wahrgenommen und angesehen wird – auch dank der guten und hochwertigen Düfte, die wir seit Erwerb der Lizenz im Jahr 2011, lanciert haben.

«Wir sind laufend auf der Suche und offen für neue Marken, die unser Portfolio sinnvoll ergänzen. Tendenziell liegt der Fokus dabei auf Lizenzvereinbarungen und weniger auf Marken übernehmen.»
Roger von der Weid, CEO Lalique Group

Auch bei Jaguar profitiert Lalique vom Image einer Automarke. Fast 100 Millionen Franken beträgt der Markenwert all Ihrer Brands zusammengenommen. Haben Sie Lust, noch einen weiteren hinzuzukaufen?

Wir sind laufend auf der Suche und offen für neue Marken, die unser Portfolio sinnvoll ergänzen. Tendenziell liegt der Fokus dabei auf Lizenzvereinbarungen und weniger auf Markenübernehmen – wir schliessen Letzteres aber nicht aus.

Im kleinen Glenturret-Segment rund um den Whisky müssen erst die Anlaufkosten für das Restaurant amortisiert werden. Wann rechnen Sie da mit Break-even?

The Glenturret erzielte im ersten Halbjahr 2022 weiteres Wachstum und konnte den Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode steigern. Der Ausbau des Geschäfts und insbesondere der Betrieb des Restaurants, welches vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet wurde, reflektierten sich in einem erwartungsgemässen Anstieg der Kosten. Wir gehen davon aus, dass wir uns im Laufe der Periode 2023 in Richtung Break-even bewegen werden.

«Wir gehen davon aus, dass wir bei Glenturret im Laufe der Periode 2023 in Richtung Break-even kommen.»

Das im letzten Jahr gekaufte Château Lafaurie-Peyraguey Luxus-Hôtel & Restaurant im Bordelais ist der grösste Showcase Ihres Unternehmens. Ich nehme an, da übernachtet so manche Berühmtheit?

In unserem Lalique Hotel/Restaurant im Bordelais empfangen wir eine breit gefächerte Kundschaft, zu der auch bekannte Persönlichkeiten gehören. Wir legen grossen Wert darauf, dass alle Gäste den Lalique Lifestyle mit allen Sinnen erleben können, wie dies auch in unseren anderen Häusern der Fall ist – Villa René Lalique im Elsass sowie The Glenturret Lalique in Schottland. Zum Hotel/Restaurant gehört nebst einer Sterneküche und dem eindrücklichen Weinkeller eine Vinothek, in welcher auch Lalique-Produkte zum Verkauf angeboten werden.

Gibt es bald wieder etwas Neues im beschaulichen Wingen-sur-Moder?

Nebst ausgewählten Produkteinführungen und Projekten im zweiten Halbjahr 2022 investieren wir weiterhin in die Erweiterung der Produktionskapazitäten unserer Kristallmanufaktur. So wurde während der Sommerpause der alte Schmelzofen durch einen effizienteren und leistungsstärkeren Ofen ersetzt; zudem wird aktuell der gesamte Bereich der Kaltglasfertigung reorganisiert und erweitert, einschliesslich die Einstellung und Ausbildung von zusätzlichen Fachkräften zur Befriedigung der steigenden Nachfrage.

Lalique stellt kräftig neues Personal ein. Was brauchen Sie denn alles an Spezialisten – ausserhalb des Verkaufs?

Die Eröffnung des The Glenturret Lalique Restaurants wie auch die Übernahme des Château Lafaurie-Peyraguey Hotel/Restaurant haben hauptsächlich zur gestiegenen Anzahl Mitarbeitenden bei Lalique Group beigetragen. Im Übrigen sind wir auf Fachkräfte in allen Bereichen angewiesen, da wir aktuell in allen Sparten wachsen.

«Mit der Kollektion The Impossible Vases haben wir Anfang Oktober unsere erste Non-Fungible Token (NFT)-Kollektion lanciert.»

Sie haben aus Ihrer berühmten Bacchantes-Vase zehn virtuelle Metaverse-Kunstwerke für je 10’000 Euro produziert. Was ist das Ziel dieses Engagements für «non fongible token»?

Mit der Kollektion The Impossible Vases haben wir Anfang Oktober unsere erste Non-Fungible Token (NFT)-Kollektion lanciert und kurze Zeit später waren bereits neun von zehn virtuellen Vasen verkauft. Weitere NFT-Projekte sind aufgrund dieses Erfolges in Planung. Damit schaffen wir eine neue Verbindung zu unseren Kundinnen und Kunden und sprechen dabei auch jüngere, tech-affine Generationen an.

«Form follows function» heisst eine berühmte Designer-Devise. Welches der Lalique-Produkte ist in diesem Sinne Ihr persönlicher Favorit?

Die neue Kollektion «Empreinte Animale», die wir im Frühjahr 2023 lancieren werden und bereits im vergangenen September an der Dekoration- und Designmesse Maison & Objet in Paris vorgestellt haben, ist ein ganz besonderes Highlight. Unseren Kunsthandwerkern ist dabei die Nachahmung von Federn, Fellen, Krokodilhaut aber auch Schuppen meisterlich gelungen. Das Relief des satinierten oder polierten, sanften oder scharfen Kristallglases verführt dazu, diese aussergewöhnlichen Kreationen zu berühren und in die Hand zu nehmen.

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