Sven Wiederkehr, CEO Glarner Kantonalbank, im Interview

Sven Wiederkehr
Sven Wiederkehr, CEO der Glarner Kantonalbank. (Bild: GLKB)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Wiederkehr, was ist eine Kreditfabrik?

Sven Wiederkehr: Mit der GLKB Kreditfabrik bieten wir Banken, Versicherungen und Pensionskassen Dienstleistungen im Bereich der Hypothekenvermittlung und -verwaltung sowie die Lizenzierung von Software an. Im B2B-Geschäft offerieren wir unseren Partnern also genau jene Services, welche wir schon lange selbst nutzen und auch stetig weiterentwickeln.

Die Abwicklungen für Drittkunden in diesem Bereich trugen wesentlich zum Kommissionserfolg der GLKB bei. Wo sollen sie in rund fünf Jahren liegen?

Die Kreditfabrik ist ein strategisches Standbein der Glarner Kantonalbank, welches wir kontinuierlich ausbauen und dadurch die Abhängigkeit vom Zinsdifferenzgeschäft reduzieren wollen. Das Ziel ist hier aber nur teilweise ein quantitatives. Viel wichtiger ist uns, dass wir den derzeitigen Strukturwandel im Finanzbereich aktiv mitgestalten und letztlich auch nutzen können.

«Die Kreditfabrik ist ein strategisches Standbein der Glarner Kantonalbank, welches wir kontinuierlich ausbauen und dadurch die Abhängigkeit vom Zinsdifferenzgeschäft reduzieren wollen.»
Sven Wiederkehr, CEO Glarner Kantonalbank

Warum fiel denn die Abgeltung für die Staatsgarantie höher aus?

Die Höhe der Abgeltung an den Kanton basiert auf einer fixen Berechnungslogik. Vereinfacht gesagt dient als Annäherung für die Bewertung der Staatsgarantie die Differenz zwischen der Rendite von Bundesobligationen und dem Refinanzierungssatz für Unternehmen. Je weiter diese Kurven auseinander liegen, desto höher wird der Betrag für die Abgeltung, wobei mit maximal 3 Millionen Franken ein Deckel liegt.

Wird die Staatsgarantie mit der Landsgemeinde 2022 ohnehin vielleicht Makulatur?

Die Regierung legt dem Stimmvolk ein revidiertes Gesetz für die Glarner Kantonalbank vor. Hauptbestandteile darin sind die Umwandlung der GLKB in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, die Reduktion der Beteiligungsquote des Hauptaktionärs sowie der Wegfall der Staatsgarantie. Die GLKB begrüsst das Vorhaben der Glarner Regierung, ist es doch der nächste logische Schritt in der Entwicklung der Bank.

Wie viele Kunden generiert der Risikomat, die Online-Todesfallversicherung, pro Jahr?

Der Risikomat war eines unserer ersten rein digitalen Angebote. Auf der Plattform werden regelmässig Abschlüsse – vor allem im Zusammenspiel mit dem Abschluss einer Hypothek – getätigt. Insofern handelt es sich bei Risikomat-Abschlüssen selten um Neukunden. Diese gewinnen wir primär über unser digitales Aushängeschild Hypomat, auf dem direkt und online Hypotheken abgeschlossen werden können. Ebenso gewinnen wir beispielsweise Neukunden über unser neustes digitales Angebot freeME für die Verwaltung von Freizügigkeitsgeldern.

Die Bilanzsumme der Glarner Kantonalbank hat sich im dritten Quartal um fast zehn Prozent auf 7,724 Milliarden Franken erhöht. Wie komfortabel sind Sie damit unterwegs?

Sehr komfortabel. Wie bei den meisten Schweizer Banken ist auch bei uns ein spürbarer Teil dieses Wachstums auf den Anstieg der Liquidität zurückzuführen. Aber wir freuen uns natürlich auch über das gute Wachstum in unserem Kerngeschäft mit Hypotheken. Und innerhalb dieser hypothekarisch gedeckten Ausleihungen überwiegen die Finanzierungen von Wohnliegenschaften. Zudem erreichen wir dank der Hypothekarvergabe über Hypomat eine gute geografische Diversifikation in der ganzen Deutschschweiz – und dies relativ risikoavers, da die maximale Belehnungshöhe klar definiert ist und nur erstrangige Hypotheken abgeschlossen werden können.

«Dank der Hypothekarvergabe über Hypomat erreichen wir eine gute geografische Diversifikation in der ganzen Deutschschweiz.»

Was bedeutet die aktuellste pandemische Lage für den Wirtschaftsstandort Glarus?

Insgesamt hat die stark industrialisierte Glarner Wirtschaft die Pandemie bis jetzt sehr gut gemeistert. Der Kanton und auch die GLKB haben Hilfsprogramme gesprochen, welche jedoch glücklicherweise bei Weitem nicht ausgeschöpft werden mussten. Vereinzelt gab es Härtefälle und für den Tourismus und die Gastronomie war es natürlich auch im Glarnerland nicht einfach über die letzten eineinhalb Jahre.

Der Beginn des Jahres war von wesentlichen Investitionen in Migration der IT-Plattform zu Inventx geprägt. Welchen weiteren IT-Projekte werden die GLKB in den nächsten Jahren beschäftigen?

In der Tat haben wir in diesem Jahr mit der Migration der IT-Plattform ein äusserst anspruchsvolles Projekt gestemmt. Daneben konnten wir aber mit der Lancierung unserer digitalen Freizügigkeitslösung freeME oder der Weiterentwicklung unserer digitalen Lizenzangebote wie Hypomat oder der Kreditberatungslösung Finnova Loan Advisory substantielle Fortschritte erzielen. Und auch 2022 werden wir wieder von uns hören lassen. So steht beispielsweise die Lancierung eines digitalen Vorsorgeprodukts aus unserer Kooperation mit Leonteq an.

«Nein, das ist keine Immobilienblase. Der Wohnraum im Kanton Glarus hat in den letzten Jahren sukzessive an Attraktivität gewonnen.»

Wohneigentum hat im Kanton Glarus jüngst einen Nachfrageschub erlebt und sich weiter verteuert. Im kantonalen Mittel legten die Handänderungspreise für Eigentumswohnungen um 6,5 Prozent zu. Noch beträchtlicher fiel mit einem Plus von 11,3 Prozent der Anstieg der Glarner Einfamilienhauspreise aus. Ist das mittlerweile Blase?

Nein, das ist keine Immobilienblase. Der Wohnraum im Kanton Glarus hat in den letzten Jahren sukzessive an Attraktivität gewonnen. Viele Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Grossraum Ausserschwyz und Zürich haben das Glarnerland für sich entdeckt. Sie schätzen einerseits das ländliche Umfeld und andererseits die Nähe zu den Städten. Mit Corona wurden zudem neue Arbeitsformen wie etwa Homeoffice und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden befeuert. Arbeitnehmende müssen nicht mehr fünf Tage in der Woche pendeln; sie schätzen umso mehr die Natur und die vergleichsweise preisgünstigen Wohnräume.

Bei Mietwohnungen ist der Preistrend hingegen rückläufig. Führt das zu einem Zuzug aus dem Grossraum Ausserschwyz/Zürich?

Aktuell besteht bei Mietwohnungen im Glarnerland ein relativ umfassendes Angebot, welches das spürbare Bevölkerungswachstum kompensiert. Das Interesse liegt aber eher beim Erwerb eigener vier Wände.

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