Willy Michel, CEO Ypsomed

Willy Michel

Willy Michel, CEO Ypsomed.

Von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Michel, Ypsomeds hauseigene Injektionspumpe kommt jetzt erst vermutlich mit einem Jahr Verzögerung auf den Markt. Was lernt man daraus betreffend Projektmanagement?

Willy Michel: Bei der Entwicklung eines sicherheitssensitiven und komplexen Medizinalprodukts gibt es viele Faktoren, die abschätzbar, aber nicht genau planbar sind. Es ist immer mit Rückschlagen auf der Marschtabelle zu rechnen. Ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden und habe hohe Erwartungen in dieses Produkt.

Welchen Umsatzboost haben Sie damit für 2015 eingeplant?

Wir führen die Pumpe Ende 2014 ein und beginnen von diesem Zeitpunkt an mit der Marktbearbeitung. Wie gesagt, habe ich hohe Erwartungen in dieses Produkt, aber Umsatzdetails kann ich keine offenlegen.

Wann meinen Sie, die von Ihnen langfristig angepeilte EBIT-Marge von 20% erreichen zu können?

In einem mittelfristigen Zeithorizont.

«Der Herstellungsprozess unserer Insulinpens und Pen-Nadeln wird ständig optimiert. Daher sind wir kostenmässig konkurrenzfähig.»
Willy Michel, CEO Ypsomed.

Im Moment drücken wieder alle Firmen stark auf die Kostenbremse. Wo spürt Ypsomed als starker Lieferant für Drittkunden diesen Druck am stärksten?

Der Herstellungsprozess unserer Insulinpens und Pen-Nadeln wird ständig optimiert. Daher sind wir kostenmässig konkurrenzfähig. Aber eine unserer Tochtergesellschaften, welche Präzisionsdrehteile für diverse Kunden herstellt, hatte vergangenes Jahr mit der konjunkturellen Entwicklung zu kämpfen.

Firmen die eine Schlüsselstellung in einem Indikationsbereich einnehmen, wie beispielsweise Fresenius Medical Care bei der Dialyse, haben langfristig hohe Erträge auf sicher. Ist Ypsomed zu klein, um so eine Schlüsselstellung zu erreichen?

Der Insulin-Markt ist im Wandel. Aufgrund von Patentabläufen bei wichtigen Insulinprodukten werden innerhalb der kommenden Jahre etliche Biosimilars – das sind Nachahmerprodukte – auf den Markt kommen. Viele dieser Firmen, welche Biosimilars herstellen, benötigen Pens um diese zu verabreichen. Da kommen wir ins Spiel: Wir verfügen über eine auf dem Markt einzigartig breite Pen-Plattform. Da ergeben sich für uns künftig hohe Chancen, im Injektionsbereich eine solche Schlüsselstellung einzunehmen.

Bei medizinischen Produkten besteht immer ein hohes Haftpflichtrisiko. Wie sichert sich Ypsomed da ab?

Wir verfügen über eine hochwertige Produktion und über ein effektives Qualitätsmanagement, welche regelmässig auditiert und bei Bedarf optimiert werden. Zudem erfüllen wir natürlich sämtliche Standards respektive Anforderungen in den jeweiligen Märkten und Ländern.

«Unser Risiko ist aus meiner Sicht optimiert, eliminieren kann man es nicht.»

In den USA, für Sie ja auch ein bedeutender Markt, können Klagen teuer werden, wie einst Sulzer Medica erfahren musste. Welche besonderen Vorkehrungen treffen Sie im US-Geschäft?

Unser Risiko ist aus meiner Sicht optimiert, eliminieren kann man es nicht.

Asien gilt für Sie als der grosse Zukunftsmarkt, da sich jetzt auch dort die Menschen eigene Injektionssysteme leisten können und dies nicht nur für Insulin. Was könnte im Jahr 2020 ihr Asienumsatzanteil sein?

In der Tat wird der asiatische Raum für uns sehr wichtig. Eine solche Prognose kann ich aber nicht abgeben.

Viele Ihrer Systeme, beispielsweise die ServoPen-Plattform sind patentgeschützt. Was kostet Sie die Aufrechterhaltung ihres wertvollen geistigen Eigentums pro Jahr grössenordnungsmässig?

Die Aufrechterhaltung ist eine Sache. Mindestens ebenso aufwendig sind die Abklärungen und Patentierung von neuen Produkten. Dies ist zentral bei unseren Produkten, damit unsere Kunden Rechtssicherheit haben. Dafür wenden wir jährlich im Schnitt einen siebenstelligen Frankenbetrag auf.

Wann kommt denn endlich Ihre bereits genehmigte Kapitalerhöhung oder muss die Frist über Juli 2014 hinaus verlängert werden?

Wie ich immer gesagt habe, wird die Kapitalerhöhung nur dann ausgeführt, wenn sich entsprechende Opportunitäten, wie Akquisitionen, ergeben. Ansonsten lassen wir die Frist verstreichen.

«Für mich persönlich ist die Unabhängigkeit ein zentrales Element: Ich will eine tiefe Fremdfinanzierung und hohe Selbstbestimmung haben.»

Ypsomeds Eigenkapitalquote von zwei Dritteln ist bombensolide. Daraus ergibt sich doch logischerweise, dass Sie weiter ausbauen oder akquirieren werden. Was macht Sinn?

Sinn macht, was zu unserer Strategie passt. Aber für mich persönlich ist die Unabhängigkeit ein zentrales Element: Ich will eine tiefe Fremdfinanzierung und hohe Selbstbestimmung haben.

Ich stelle bewusst die S-Frage. Wie geht es in den nächsten Jahren weiter mit Ihrem Grossabnehmer Sanofi?

Wir produzieren nach wie vor Komponenten für ihren Insulin-Pen, und das Verhältnis ist sehr gut. Wir haben uns in den vergangenen Jahren stark diversifiziert und uns von der ehemaligen Abhängigkeit von Sanofi losgelöst. Falls sich Möglichkeiten ergeben, spricht aber aus unserer Sicht nichts gegen einen Ausbau der Zusammenarbeit.

Sie gelten als sehr heimatverbunden. Dennoch: Macht die Doppelkotierung an der SIX und Berne Exchange BX überhaupt noch Sinn?

Ja, viele unserer Kleinaktionäre sind aus der Region und schätzen es, dass wir auch an der Berner Börse vertreten sind.

Zur Person:
Dr. h. c. Willy Michel, Jahrgang 1947, ist CEO/Vorsitzender der Geschäftsleitung der Ypsomed Gruppe und Präsident des Verwaltungsrates der Ypsomed Holding AG. Er war seit 1984 ununterbrochen Präsident des Verwaltungsrates der von ihm mitgegründeten Disetronic Gruppe und ab 1994 der heutigen Ypsomed Gruppe. Im Rahmen des Verkaufs der Disetronic an die Roche Holding AG im Jahre 2003 kaufte Willy Michel den Injektionsbereich der Disetronic zurück, der fortan unter Ypsomed firmiert. Vor Gründung der Disetronic sammelte Willy Michel bei mehreren Industrie- und Pharmafirmen umfassende Erfahrungen in den Bereichen Entwicklung, Aussendienst und Marketing und er stand sechs Jahre an der Spitze von Novo Nordisk Schweiz.

Zum Unternehmen:
Die Ypsomed Gruppe entwickelt und produziert Injektionssystemen für die Selbstmedikation. Im Jahre 2003 aus der bekannten Disetronic hervorgegangen, bietet sie heute Insulinpumpen und Injektionssysteme sowie Pen-Nadeln zur Behandlung von Diabetes, Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit und anderen therapeutischen Bereichen an. Die Ypsomed Gruppe hat ihren Hauptsitz in Burgdorf und ist an Schweizer Börse SIX und der BX Berne Exchange kotiert. Sie verfügt über Produktionsstandorte in Burgdorf, Grenchen und Solothurn sowie in Tabor (Tschechien). Die Ypsomed Gruppe beschäftigt rund 1000 Mitarbeitende und erzielte im Geschäftsjahr 2012/2013 einen Umsatz von 244,6 Mio CHF.

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