Chefin von Pentagon-Forschungsagentur zu Google

Regina Dugan

Regina Dugan.

New York – Google bekommt einen ranghohen Neuzugang mit Erfahrung in modernster Militärforschung. Die Chefin der Pentagon-Agentur DARPA, Regina Dugan, wechsle zu dem Internet-Konzern, bestätigten Sprecher dem Magazin «Wired» und dem Blog «All Things Digital». Google arbeitet schon seit langem an Zukunftstechnologien wie selbstfahrenden Autos. Der Bereich mit dem angeblichen Codenamen «Google X» wird laut Medienberichten von Mitgründer Sergey Brin betreut.

Die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) war Ende der 50 Jahre von der US-Regierung als Reaktion auf den Start des ersten sowjetischen Satelliten gegründet worden. Sie sollte verhindern, dass man wieder von Technik-Fortschritten der Gegenseite kalt erwischt wird. Hauptaufgabe der Agentur ist die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien, die dem US-Militär zugute kommen können. Sie war unter anderem eine Wiege für moderne Computernetze: Das ARPANET war in den 70er Jahren der Vorläufer des Internets.

Viele Verschwörungstheorien um DARPA
Die DARPA-Forschung stand am Anfang diverser heutiger Technologien wie Tarnkappen-Flugzeuge und GPS-Navigation. Zugleich soll sich die Agentur im Kalten Krieg mit teuren Projekten wie telepathische Kriegsführung oder «mechanische Elefanten» für unwegsames Gelände verrannt haben. Sie spielt auch eine Rolle in vielen Verschwörungstheorien, zum Beispiel über angebliche hochgeheime Forschung zu Zeitreisen und Teleportation.

Zu den heutigen Projekten gehören Militär-Roboter, intelligente Überwachungssysteme und Raketentechnologie. Ausserdem führte die DARPA mehrere Wettbewerbe für selbstfahrende Roboter-Autos durch, bei denen das heutige Google-Team um Sebastian Thrun erfolgreich war.

Undurchsichtige Auftragsvergabe an RedX Defense
Welche Position Dugan bei Google einnehmen soll, wurde am Dienstag zunächst nicht bekannt. Die 48-Jährige stand seit Sommer 2009 als erste Frau an der DARPA-Spitze. Schon in den 90er Jahren hatte sie für die Agentur als Projektmanagerin gearbeitet. Vor einem Jahr sorgte ein «Wired»-Bericht für Aufsehen, der enthüllte, dass einige DARPA-Aufträge an die Spezialfirma RedX Defense vergeben wurden, an der Dugan noch beteiligt ist. Sie rechtfertigte es damit, dass das Know-how des Unternehmens zum Aufspüren von Sprengsätzen einzigartig sei. Das Pentagon leitete eine Prüfung der Auftragsvergabe-Praxis ein.

Cybersicherheit als Schwerpunkt der Arbeit bei der DARPA
Zugleich wurde Dugan für strikte Kostendisziplin bei der oft für extrem teure und gewagte Projekte bekannten DARPA gelobt. Ihr eilt auch der Ruf einer anspruchsvollen Chefin voraus, die die Kreativität ihrer Mitarbeiter entfesseln könne. Zu ihren Schwerpunkten bei der DARPA gehörten Cybersicherheit und die Stärkung der Produktion in den USA. Dugan zeigte sich wiederholt besorgt, dass Amerika alles Mögliche im Ausland produzieren lasse und dadurch wichtige Fähigkeiten für die Zukunft verliere. Dugans Sprecher sagte «Wired», sie habe das Angebot eines so «innovativen Unternehmens» wie Google nicht ausschlagen können. Mit der Prüfung der Auftragsvergaben habe die Entscheidung nichts zu tun.

Grosse Geheimhaltung um «Google X»
«Google X» ist laut einem Bericht der «New York Times» ein von strikter Geheimhaltung umgebener Bereich des Internet-Konzerns. Viele Google-Mitarbeiter wüssten nicht einmal, dass es ihn überhaupt gibt. Geforscht werde dort zu allen möglichen futuristischen Ideen, bis hin zu Weltraumaufzügen. (awp/mc/pg)

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