Grundversorgung: Digitaler Brief soll sicherer sein als E-Mails

Grundversorgung: Digitaler Brief soll sicherer sein als E-Mails
Die Post soll künftig ein hybrides Zustellsystem betreiben. Wer keine digitalen Briefe empfangen will, erhält weiterhin physische Briefe. (Foto: Schweizerische Post)

Bern – Der digitale Brief gehört ab Mittwoch zur Grundversorgung der Post. Privatkundinnen und -kunden der Post können digitale Briefe verschicken und empfangen. Wer das nicht möchte, kann den Brief auch weiterhin vom Pöstler erhalten. Die Nutzung des neuen Angebots ist freiwillig und der Empfang kostenlos.

Erstmals seit 177 Jahren werde ein digitales Produkt Teil der Grundversorgung, sagte Nicole Burth, Leiterin Digital Services Post, am Dienstag im Mediengespräch in Bern. «Das ist ein historischer Moment». Diese Art der formellen Kommunikation sei eine einheitliche, sichere Dienstleistung für alle, denn der E-Mail-Versand sei kein guter Weg, um sensible Daten auszutauschen. Zudem entspreche dies einem Bedürfnis der Schweizer Bevölkerung.

Beim digitalen Brief seien Absender und Empfänger verifiziert, und der Versand erfolge an eine postalische Adresse. Zudem hätten die Briefe ein digitales Siegel. «Man weiss, wer dahinter steckt», so Burth weiter. Bereits würden vier Kantone und mehrere Gemeinden digitale Briefe nutzen. Das Vertrauen auf Behördenebene wachse, da das Produkt zur Grundversorgung gehöre.

Ziel ist Profitabilität
Die Post reagiert mit dem digitalen Brief auf die starke Zunahme bei den digitalen Services: 4,5 Millionen Sendungen wurden 2025 digital verschickt, was laut Post einer Zunahme von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, dies reiche jedoch noch nicht für die Profitabilität. Momentan bedeute das Produkt ein Investment, «das Ziel ist, dass wir damit profitabel werden», sagte Burth.

Der Bundesrat hatte die Einführung des Formats ab dem 1. April 2026 im Dezember 2025 beschlossen. Da das Produkt ab Mittwoch zur Grundversorgung gehört, muss es die Post anbieten, die Nutzung ist aber freiwillig. Die Post soll damit künftig ein hybrides Zustellsystem betreiben, also Briefe sowohl digital als auch physisch zustellen.

Briefe werden auf Wunsch gescannt
Wer keine digitalen Briefe empfangen will, erhält weiterhin physische Briefe vom Pöstler. In diesem Fall produziert die Post aus elektronisch aufgegebenen Sendungen physische Briefe und befördert diese auf dem traditionellen Postweg. Die physische Zustellung im Briefkasten beinhaltet die Kosten für Druck, Papier, Porto und Couvert. Letztere kostet für B-Post 1,45 Franken, und A-Post 1,65 Franken (C5 Couvert).

Ein Zusatzangebot ist der Erhalt von physisch aufgegebenen Briefen in digitaler Form. Dafür würden die Briefe in einem Zentrum «unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen» gescannt, ein Grossteil davon maschinell, hiess es. Das Scannen sei nicht Teil der Grundversorgung, sondern ein Zusatzangebot, das für 9.90 Franken monatlich erworben werden könne. Nach 30 Tagen würden gescannte Briefe oder Postkarten gelöscht.

Die digitalen Briefe können per Post-App via Smartphone, ePost-Plattform oder Anbindung an eine bestehende Software verschickt werden. Dafür lade man zum Beispiel eine PDF-Datei hoch. Der Versand kostet 40 Rappen, bei Zusatzdiensten, wie einer Zustell- oder Abrufbestätigung, mehr. Die digitale Post erhält einen Zeitstempel und landet dann digital in der Post-App – oder auf Wunsch im realen Briefkasten.

70 Millionen Briefe weniger
Das Briefvolumen der Post hat seit Ende der 1990er Jahre abgenommen, zuletzt jährlich um 70 Millionen Briefe – ebenso im Jahr 2025. Der Verlust soll nun mit dem digitalen Brief teilweise aufgefangen werden.

1,2 Millionen Privatkunden hätten derzeit die neue Post-App auf dem Handy installiert, so Burth weiter. Die Zahl wachse monatlich um 10 Prozent. Davon hätten fast eine halbe Million Nutzende lieber digital Briefe empfangen – auch diese Zahl wachse um mehr als 10 Prozent monatlich.

Per Ende 2025 hatten noch 360’000 Privatkundinnen und -kund den Empfang digitaler Sendungen abonniert – rund 90 Prozent mehr als vor einem Jahr. (awp/mc/ps)

Schweizerische Post

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