Glarner Regionalbank: «Wie wir als Regionalbank unser Vorsorgeangebot clever digitalisiert haben»

Mike Baumann
Mike Baumann, Leiter Anlageberatung bei der Glarner Regionalbank. (Foto: zvg)

Mike Baumann, ihr habt letztes Jahr euer Vorsorge-Business digitalisiert. Wie kam es dazu?

Wir hatten ein eigenes Angebot für Vorsorge, aber das war nicht besonders berauschend – weder für uns noch für unsere Kunden.

War euer Vorsorge-Produkt so schlecht?

Das Produkt war okay, aber das Bewirtschaften war für uns mühsam, aufwändig und teuer – oder schlicht, nicht so effizient, wie es heute sein könnte. Und für unsere Kunden war das Vorsorgeprodukt nicht so «sexy»: Es verfügte über nicht sonderlich ansprechende Gebühren und war nicht digital. Mittlerweilen gibt es so viel Innovatives auf dem Markt, und als kundenorientierte Bank wollten wir unser bestehendes Produkt nicht weiter forcieren.

Also habt ihr kurzerhand entschieden, eine App zu kreieren?

Nein, eben nicht. Eine eigene App zu entwickeln ist viel zu teuer für eine kleine Bank, wie wir es sind. Aber trotzdem müssen wir den neuen Bedürfnissen auf dem Markt nachkommen. Also haben wir uns nach Kooperationen umgeschaut – damit wir eine bestehende Infrastruktur nutzen können.

Hast du sämtliche Schweizer Anbieter von digitalen Vorsorgelösungen abgeklappert?

Ja, und es waren viele. Es war schwierig, herauszufinden, welches Fintech welche Open-Banking-Modelle anbietet. Die wenigsten beschreiben ihre Kooperationsmöglichkeiten auf der Website. Es war darum relativ zeitaufwändig, alle zu kontaktieren, um das rauszufinden. Als ich damit durch war, stellte sich aber heraus: So viele Fintechs, die in Frage kommen, gibt es dann auch wieder nicht.

Echt? Der Markt boomt ja. Dann wart ihr besonders wählerisch?

(Lacht) Nein, ich glaube nicht. Einige Anbieter haben signalisiert, dass sie aufgrund unserer Grösse nicht an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Ganz junge Startups haben wir nicht angefragt – denn wenn wir schon auf einen Teil unserer Marge verzichten, wollen wir auch die Sicherheit, dass es den Anbieter noch in ein paar Jahren gibt.

Weitere Entscheidungskriterien waren sicherlich die technischen Möglichkeiten (wir wollten eine Web App oder Hybrid App) und Umsetzungskosten, die Integrierung von Nachhaltigkeitskriterien in der Anlagestrategie und das Set-up des Fintechs – also wie unabhängig die Firma ist. Eine zu starke Abhängigkeit zu einer Bank und damit zu den angebotenen Fonds kam für uns nicht in Frage. Dann war natürlich auch die Bereitschaft und Begeisterung des Partners ein ausschlaggebender Punkt.

Verrätst du, wie eure Lösung schlussendlich aussah?

Wir haben das Rad nicht neu erfunden, sondern nutzen die Infrastruktur von Descartes. Unsere Kunden haben so Zugang zu der erstklassigen, digitalen Vorsorgelösunge des nachhaltigen Fintechs. Das Onboarding der Kunden erfolgt auf deren digitalen Plattform (Webapp). Wir verlieren dabei aber die Kundenschnittstelle nicht, im Gegenteil: Wir haben Zugang zum Kundeninformationssystem und können dort mit unseren Kunden kommunizieren.

Klingt nach einer klassischen Win-Win-Situation.

Für uns als Regionalbank ist das eine geniale und kostengünstige Lösung – bei der Implementierung sind praktisch keine Kosten angefallen. Die Umsetzung ging relativ schnell, denn Descartes hat diese Anbindung nicht zum ersten Mal gemacht. Die Kunden sind auch glücklich über das bessere Angebot. Ich würde somit sogar von einer Win-Win-Win-Situation sprechen. Denn bei dieser Lösung überwiegen die Vorteile für unsere Kundschaft, die GRB sowie unseren Partner Descartes.

Was genau sagen denn eure Kunden dazu?

Sie finden es cool, also dass es sehr unkompliziert und bei Bedarf auch ohne Bankenbesuche funktioniert. Das Konto kann man kurz und knackig abschliessen und die Gebühren sind attraktiv. So wie es heute sein soll. Dennoch hat unsere Kundschaft auch weiterhin die Möglichkeit, den Eröffnungsprozess mit unserer Unterstützung bei einem erfrischenden GRB-Drink in unseren Bankräumlichkeiten vorzunehmen. Denn hierfür verfügen wir über ein entsprechendes CRM.

Einigen Kunden gefällt zudem, dass Descartes nachhaltig ist und nach der Minimum-Varianz-Strategie anlegt. Letzteres bedeutet, dass stark schwankende Aktien weniger gewichtet werden – in Krisenzeiten wie der gerade aktuellen sieht man dann, dass die Portfolios von Descartes viel weniger im Minus sind, als der Benchmark. Vielen Kunden gibt dies ein gutes Gefühl für Ihre Vorsorge.

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