KI-Boom auch in den Jahresberichten der Schweizer Konzerne
Zürich – Der KI-Boom schlägt sich in den Geschäftsberichten der grössten Schweizer Unternehmen nieder. Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) taucht in den Berichten zum Jahr 2025 achtmal häufiger auf als noch vor zwei Jahren. Das ist aber nicht der einzige Hinweis darauf, welch grosse Bedeutung die Firmen der neuen Technologie beimessen.
In den diesen Frühling veröffentlichten Geschäftsberichten der 50 grössten börsenkotierten Unternehmen werden KI respektive damit verwandte Begriffe durchschnittlich 37 Mal genannt. Dies zeigt eine Auswertung der Nachrichtenagentur AWP. In den Berichten zum Jahr 2023, bei deren Veröffentlichung Large Language Models wie ChatGPT schon über ein Jahr für eine breite Öffentlichkeit zugänglich waren und der KI-Boom startete, wurde KI im Durchschnitt erst 4,5 Mal genannt. Und davor war Künstliche Intelligenz erst vereinzelt ein Thema.
KI-Offensive bei Adecco
Besonders oft erscheint der Begriff KI im Jahresbericht 2025 des Personalrekrutierungsdienstleisters Adecco. Ganze 227 Mal werden KI und damit verwandte Begriffe auf den rund 190 Seiten des Geschäftsberichts genannt. Das wundert nicht: Denn der Konzern lancierte letzten Herbst ein globales KI-Schulungsprogramm und nutzt KI-Agenten im Rekrutierungsprozess.
Mit mehr als 150 Erwähnungen taucht auch beim Telekommunikationskonzern Swisscom und bei der Onlinebank Swissquote KI besonders oft auf. Bei allen drei genannten Unternehmen ist KI bereits in den Geschäftsberichten 2023 und 2024 ziemlich oft genannt worden, die Zahl der Nennungen aber von Jahr zu Jahr jeweils nochmals markant gestiegen.
Für die Analyse wurde in den offiziellen Jahresberichten der 50 grössten börsenkotierten Unternehmen nach dem Begriff «Künstliche Intelligenz» sowie weiteren diesem nahe stehenden Stichwörtern und Abkürzungen gesucht. Untersucht und verglichen wurden die Berichte der vergangenen fünf Jahre, jeweils entweder die englisch- oder, soweit verfügbar, die deutschsprachige Version.
Schon vor ChatGPT ein Thema
Die Analyse der Nachrichtenagentur AWP offenbart aber auch Early Adpoter. So tauchen im Jahresbericht 2020 des Bankensoftwareherstellers Temenos die gesuchten KI-Begriffe bereits mehr als 50 Mal auf. Bei anderen Unternehmen war KI damals zumindest im Geschäftsbericht noch kaum ein Thema.
Im aktuellen Temenos-Geschäftsbericht sind die KI-Begriffe nun knapp 120 Mal enthalten, wobei sich im Laufe der Jahre das Verständnis von KI von – vereinfacht gesagt – einem System zur Entscheidungsunterstützung zu autonomen Agenten gewandelt hat.
Dass Unternehmen nicht nur von KI reden, sondern ihr tatsächlich eine grosse Bedeutung beimessen, lässt sich an einem weiteren Indikator ablesen: der Zusammensetzung der Geschäftsleitung. Funktionen wie Technologie- und Digitalisierungschefs sowie IT-Leiter sind vermehrt direkt im obersten Management vertreten. Hatten 2019 alle im SMIM-Index vertretenen Unternehmen zusammen gerade einmal sechs Geschäftsleitungsposten mit Bezeichnungen in direktem Zusammenhang mit IT und Digitalem, sind es aktuell 20.
Vermeintlich KI-freie Branchen
Es gibt allerdings auch Branchen, die dem KI-Boom zu widerstehen scheinen. Mit auffällig wenigen KI-Nennungen stechen vor allem die Geschäftsberichte von Unternehmen aus der Luxusgüter-, der Immobilien- und der Transportbranche hervor. Darin tauchen die KI-Begriffe nur vereinzelt oder sogar überhaupt nicht auf.
Nicht zu finden oder bestenfalls vereinzelt sind die KI-Begriffe auch in den Geschäftsberichten des Schokoladenherstellers Barry Callebaut und des Spezialchemiekonzerns Ems. Doch auch in diesen Branchen steigt der Druck, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. So war etwa der Logistikkonzern Kühne + Nagel Mitte Februar mit einem abrupten Einbruch seines Aktienkurses konfrontiert. Dies, nachdem ein Softwareanbieter angekündigt hatte, dass er durch KI die Produktivität von Logistikunternehmen um 400 Prozent steigern könne. (awp/mc/pg)