Swisscom legt Rekurs beim Bundesgericht wegen Glasfaserausbau ein

Urs Schaeppi
Swisscom-CEO Urs Schaeppi. (Foto: Swisscom)

Bern – Die Swisscom geht gegen das Bundesverwaltungsgericht vor, das den Glasfaserausbau des Telekomkonzerns mit dem Einfasermodell gestoppt hatte. «Wir werden beim Bundesgericht Beschwerde einlegen», sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Als Folge des Gerichtsurteils liegt die Glasfaserpartnerschaft mit Salt auf Eis. Dadurch entgehen der Swisscom Umsätze und Betriebsgewinne. In der Folge hat der «blaue Riese» das Umsatzziel für das Gesamtjahr leicht gesenkt und geht nun beim Glasfaserausbau über die Bücher. Ob die Ausbauziele gehalten werden können, ist unklar.

Die Unsicherheiten gefielen den Anlegern überhaupt nicht. Die sonst so stabile Swisscom-Aktie stürzte um 7 Prozent ab.

Gericht: Marktmissbrauch
Die Swisscom will bekanntlich die Zahl der Glasfaseranschlüsse bis 2025 von einem Drittel der Haushalte und Geschäfte auf rund 60 Prozent erhöhen. Dabei legt sie nur noch eine Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht, was wesentlich billiger ist als das bisherige Ausbaumodell mit vier Fasern.

Dagegen hatte der der Winterthurer Telekomanbieter Init7 vor der Eidgenössischen Wettbewerbskommission Weko geklagt, die in der Folge vorsorgliche Massnahmen gegen die Swisscom erlassen hatte. Einen Rekurs der Swisscom gegen die Weko hatte das Bundesverwaltungsgericht Anfang Oktober abgewiesen. Die Richter gehen davon aus, dass ein Ausbau des Glasfasernetzes mit dem Einfasermodell ein missbräuchliches Verhalten eines marktbeherrschenden Unternehmens darstellt.

Ausbau würde sehr teuer
Die Swisscom wies die Vorwürfe zurück und zieht nun vor die oberste Instanz, ans Bundesgericht in Lausanne. Wenn der «blaue Riese» auf die Sicht der Weko und des Bundesverwaltungsgerichts einschwenken würde, müsste er die Zuleitungen von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht erweitern. Dazu müsste man die Strassen aufreissen, um die Kanäle grösser zu machen, damit die dickeren Glasfaserkabel Platz hätten.

«Wenn wir Kabelkanäle im Tiefbau ausweiten müssten, wird das teuer», sagte Schaeppi. Eine Zahl wollte der Swisscom-Chef nicht nennen. Aber es gehe um viel Geld: «Es wird nicht um 2 bis 3 Millionen teurer, sondern viel teurer. Das wird den Ausbau auch zeitlich verzögern.»

Davon seien die ländlichen Gebiete betroffen, denn in den Städten seien die Glasfasernetze gebaut. In den ländlichen Gebieten seien die Kabelkanäle klein, in den Städten dagegen grösser.

Der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts habe zu «Unsicherheiten geführt, die möglichst schnell geklärt werden müssen», sagte Schaeppi: Bis zur Klärung der Unsicherheiten baue man nur noch Teilelemente des Glasfasernetze aus, die dem Vierfasermodell entsprechen würden. «Wir schauen, wie wir unsere Ausbaustrategie optimieren.»

Monate der Unsicherheit
«Wir müssen schauen, was die Wettbewerbskommission Weko wirklich will», sagte Schaeppi weiter: Erste Gespräche mit der Weko würden nächste Woche stattfinden. Allerdings sei die «Wahrscheinlichkeit, dass wir in kürze mehr Klarheit haben, klein». Man habe die Ambition, im Februar mehr Klarheit zum Glasfaserausbau zu haben.

Das Ganze habe negative Folgen für die Glasfaserpartnerschaft mit Salt und drücke auf den Swisscom-Umsatz, erklärte Schaeppi. Zusammen mit Wechselkurseffekten mache das rund 100 Millionen Franken aus, weshalb die Swisscom das Umsatzziel für das Gesamtjahr auf 11,2 Milliarden Franken gesenkt hat, nachdem sie bisher 11,3 Milliarden angepeilt hatte.

Zudem hat die Swisscom die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im dritten Quartal um 30 Millionen auf 52 Millionen Franken erhöht.

Mehr Umsatz und Gewinn
Dennoch hat die der Telekomkonzern in den ersten neun Monaten mehr verdient. Der Umsatz stieg um 1,7 Prozent auf 8,34 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) kletterte um 3,2 Prozent auf 3,47 Milliarden Franken.

Unter dem Strich schoss der Reingewinn um knapp ein Drittel auf 1,54 Milliarden Franken nach oben. Grund für den Gewinnsprung waren vor allem Sondereffekte, die unter anderem aus dem Verkauf und Aufwertungen von Tochtergesellschaften stammten. (awp/mc/ps)

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