Verpasst die Schweizer Software-Industrie den Mega-Trend „Consumerization“?

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(Foto: carlos castilla – Fotolia.com)

Zürich – Der Schweizer Software-Industrie ging es auch im letzten Halbjahr gut: Sie wächst nach wie vor schneller als die Gesamtwirtschaft, wie die neueste Ausgabe des Swiss Software Industry Index zeigt. Doch sie hat Mühe, mit neuesten Entwicklungen Schritt zu halten. So wird der Trend zu „Consumerization“ noch zu wenig beachtet.

„Consumerization“ ist einer der Mega-Trends der Software-Industrie weltweit. Auch Geschäftsanwendungen sollen heute „schön“ und einfach und intuitiv zu benützen sein. Klobige, umständliche und unverständliche Benutzer-Interfaces werden von den Anwendern in Zeiten von iPhone und Android-Tablet immer weniger akzeptiert. Doch die Schweizer Software-Industrie akzeptiert diesen Mega-Trend nur zögerlich.

So glaubt die Mehrheit der Schweizer Software-Hersteller selbst, „Consumerization“ werde hierzulande noch zu wenig berücksichtigt oder hat dazu nichts zu sagen (siehe Tabelle unten). Und mehr als die Hälfte der Software-Hersteller (57 %) in der Schweiz investieren keinen müden Rappen in die Entwicklung von anwenderfreundlichen Bedienungselementen. Immerhin 25 Prozent beschäftigen sich aber mit dem Thema.

Den Trend nicht erkannt?
Weltweit ist unbestritten, dass „Consumerization“ einer der wichtigsten Trends, wenn nicht der wichtigste Trend, bei der Herstellung von modernen Lösungen ist. Je mehr Menschen in die Geschäftswelt einsteigen, die mit „coolen Apps“ grossgeworden sind, desto wichtiger wird Bedienbarkeit und Verständlichkeit als Verkaufsargument. Auch Buchhaltungssoftware für Grossfirmen oder Lösungen für die Verwaltung von Behördenprozessen werden in Zukunft „schön“ sein müssen und Informationen aus verschiedenen Quellen verwenden können. Dass nur 14 Prozent der Schweizer Software-Hersteller aktiv in die „Consumerization“ ihrer Produkte investieren, ist kein gutes Zeichen.

Stabiles Wachstum der Schweizer Software-Industrie
Die Schweizer Software-Industrie zeigte auch im zweiten Halbjahr 2013 ein stabiles Wachstum. Im Schnitt legte der Umsatz der rund 100 Umfrageteilnehmer um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Die Schweizer Software-Branche wächst damit wie bereits seit vielen Jahren wesentlich rascher als die Gesamtwirtschaft, doch hat sich der Abstand zur Gesamtwirtschaft etwas verkleinert. Letztere hat im vergangenen Jahr etwas Fahrt aufgenommen (+ 2 %), während die Software-Industrie ihre Wachstumsrate beibehielt aber nicht steigern konnte. (1S 2013: + 7 Prozent, 2S 2012 + 9 %).

So zeigt den auch der von uns berechnete „Swiss Software Industry Index“, der sich aus Umsatz, EBIT und Wert des Auftragseingangs berechnet, seit Beginn unserer halbjährlichen Umfrage stetig nach unten.

Etwas weniger positiv hat sich die Gewinnlage der Schweizer Software-Hersteller entwickelt. Der Gewinn auf EBIT-Stufe (Gewinn vor Steuer und Zinsen) konnte wie schon in den Halbjahren zuvor mit dem Umsatzwachstum nicht mithalten. Er wuchs im zweiten Halbjahr um drei Prozent. Dass die Bäume der hiesigen Software-Branche nicht in den Himmel wachsen, zeigt auch die durchschnittliche Umsatzrendite, die mit anderen Branchen durchaus vergleichbar ist. (sieber&partners/mc/pg)

Zur Umfrage
111 Schweizer Software-Hersteller haben an der Erhebung teilgenommen. 93 Prozent der Hersteller sind seit sechs und mehr Jahren im Markt aktiv, 43 Prozent beschäftigen mehr als 25 Mitarbeitende, gut die Hälfte hat auch einen oder mehrere Standorte ausserhalb der Schweiz. Die Hersteller, die an der Erhebung teilgenommen haben, repräsentieren über 27‘000 Mitarbeitende und einen Umsatz von knapp 2 Milliarden Franken.

Der „Swiss Software Industry Index“ wird zwei Mal jährlich erhoben und publiziert – je einmal in einer ausführlichen und einfachen Version. Er entsteht aufgrund einer Internet-Umfrage unter persönlich angeschriebenen Software-Herstellern. Da die Teilnahme freiwillig ist, könnte er in der Tendenz ein etwas zu positives Bild zeigen. Es ist die erklärte Absicht der beiden Initianten hinter dem SSII, sieber&partners und inside-it.ch, mit der halbjährlichen Publikation des Index auf die Existenz und den gesamtwirtschaftlichen Wert der Schweizer Software-Industrie hinzuweisen. Die Erhebung für den SSII wird vom Sponsor ICT-agenda.ch sowie von den Branchenorganisationen swiss made software, dem Schweizer Branchenverband der Internet-Wirtschaft (simsa), von Topsoft und von AlpICT Lake Geneva ICT Cluster unterstützt.

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