Der Igel ist das Tier des Jahres 2026
Basel – Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) gehört zu den beliebtesten Wildtieren der Schweiz. Trotzdem findet er immer weniger geeigneten Lebensraum. Mit seiner Wahl zum Tier des Jahres stachelt Pro Natura Privatpersonen und Politik an, für mehr Natur in unseren Dörfern und Städten zu sorgen.
Wenn Gefahr droht, rollt er sich zu einer Kugel zusammen und hofft, dass sein Stachelpanzer ihn beschützt. Was beim Fuchs funktioniert, nützt dem Igel nicht viel, wenn ein Auto seine nächtliche Wanderroute mit fatalen Folgen kreuzt, wenn ihm das Laub für sein Winterquartier fehlt oder er keine Beutetiere mehr findet. Die gute Nachricht: Wir alle können dem Igel bei seinen täglichen Herausforderungen helfen. Genau dazu stachelt er uns als Tier des Jahres 2026 an.
Ureinwohner auf Wohnungssuche
Auf dem Gebiet der Schweiz gibt es den Igel seit rund 20‘000 Jahren. Während Jahrtausenden fand er in den vielfältigen Landwirtschaftsgebieten, was er zum Leben braucht: eine gut vernetzte Landschaft mit halbhohen Pflanzen und dazu genügend Insekten und Würmer. Seine ursprüngliche Heimat hat sich im letzten Jahrhundert jedoch radikal verändert. Hecken, Laub- und Asthaufen wurden weggeräumt, Bäche in unterirdische Röhren verlegt und landwirtschaftliche Kulturen immer intensiver bearbeitet. Damit hat der gemächliche Igel seinen Lebensraum in der Kulturlandschaft grösstenteils verloren.
Ein lautes Karussell
In den Gärten und Parks der Dörfer und Städte hat er einen Ersatzlebensraum gefunden. Werden diese naturnah gepflegt, kann man dort an lauen Frühlingsabenden das «Igelkarussell» hören. Beim lautstarken Paarungsritual der Igel umkreist das Männchen das Weibchen, bis dieses stehen bleibt, seine Stacheln flachlegt und so die Paarung ermöglicht. Nach rund fünf Wochen bringt die alleinerziehende Igelmutter im Schnitt vier bis fünf Jungigel zur Welt. Bei der Geburt sind ihre Stacheln noch weich und in die Haut eingebettet, doch bereits nach etwa sechs Wochen müssen sie für sich selbst sorgen. Dann heisst es: Fressen, fressen, fressen, um den kommenden Winter zu überleben.
Mehr Insekten, mehr Igel
Obwohl er fast alles probiert, was ihm vor die Schnauze kommt, kann der Igel nur tierische Nahrung verwerten. Er ist auf Insekten spezialisiert. Ihr Fehlen im Winter zwingt ihn zu einem langen Winterschlaf. Zunehmend fehlt das Futter aber auch während dem Rest des Jahres. Das Insektensterben macht auch vor Gärten und Parks nicht Halt. Zudem werden dem Igel in Menschennähe oft Autos, Mähmaschinen und ein übermässiger Ordnungssinn zum Verhängnis.
Dabei wollen ihm eigentlich alle nur Gutes. Kaum ein Wildtier hat eine so grosse Fangemeinde wie der stachelige Sympathieträger. Eine Vielzahl von Organisationen und Personen setzt sich für Igel ein. Dass er trotzdem seit 2022 in der Schweiz und seit 2024 in der EU als «potenziell gefährdet» eingestuft ist, zeigt, dass für die Trendwende beim Artensterben alle mitanpacken müssen. Mit dem neuen Projekt BONJOUR NATURE unterstützt Pro Natura daher ab März 2026 schweizweit alle, die ihre Gärten naturnah gestalten wollen. Gleichzeitig engagiert sich die Naturschutzorganisation im Feld und in der Politik gegen das Insektensterben und für mehr Natur im Siedlungsraum. (mc/pg)