Aktienfokus: Finanzwerte rutschen in Europa ab

Aktienhandel Frankfurt

Am Frankfurter Markt haben derzeit die Bären das Sagen.

Frankfurt am Main – Die Ängste um die europäische Schuldenkrise haben die Kurse von Finanzwerten auch am Dienstag europaweit in den Keller geschickt. Negativ aufgenommen wurde am Markt, dass sich die Euro-Finanzminister offenbar bei Kernfragen zu einem neuen Notplan für Griechenland nicht einig sind.

Zudem schauten viele Anleger mit grosser Sorge auf das neue Sorgenkind Italien, hiess es am Markt. Ein Börsianer monierte das «schlechte Krisenmanagement in der Eurozone», was an den Märkten für eine sehr gedrückte Stimmung sorge.

«Panik am Markt»
Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank sprach von einer regelrechten «Panik am Markt». Die Schuldenkrise überlagere derzeit alles, auch das durchaus positive Bild auf Ebene einzelner Unternehmen. Das Fatale sei, dass die Politik keine Lösung der Misere finde. «Die Europapolitik liefert keine Perspektive, sie führt nicht», sagte Halver. Immer mehr Investoren verlören den Glauben daran, dass Griechenland seine Probleme «im Korsett der Eurozone» lösen könne. Und je länger dieser Fall ungelöst sei, desto mehr würden andere Länder in Mitleidenschaft gezogen, wie nun Italien.

Banken-Branchenindex weiter auf Talfahrt
Wie schon an den vergangenen Tagen ging es für den Stoxx 600 Banken deutlich nach unten, der Branchenindex verlor zuletzt 2,24 Prozent. Seit Anfang des Monats büsste der Index damit rund 11 Prozent ein. Kaum besser sah es bei Versicherern aus, der Stoxx 600 Insurance verlor am Dienstag weitere 2,39 Prozent und sank damit seit dem Handelsschluss am vergangenen Donnerstag um mehr als acht Prozent. Am deutschen Markt zählten die Aktien der Commerzbank mit minus 3,03 Prozent auf 2,626 Euro und die der Deutschen Bank mit einem Abschlag von 2,58 Prozent auf 37,50 Euro einmal mehr zu den schwächsten Dax-Werten. Damit büssten die Commerzbank-Titel alleine seit Monatsbeginn mehr als 20 Prozent an Wert ein. Die Allianz-Aktien sackten indes am Dienstag um 2,95 Prozent auf 88,86 Euro ab, Munich Re hielten sich mit minus 2,39 Prozent auf 99,37 Euro zumindest noch auf Höhe des Marktes. Der Dax verlor gleichzeitig 2,32 Prozent auf 7.062,28 Punkte.

Uncredit brechen weiter ein
Im EuroStoxx 50 erwischte es die Aktien der französischen Crédit Agricole am heftigsten, sie verloren am Index-Ende 3,83 Prozent auf 8,411 Euro. Die Papiere der niederländischen ING sanken um 3,65 Prozent auf 7,501 Euro. Die Anteilsscheine der italienischen Unicredit, die bereits an den vergangenen Tagen deutlich an Wert eingebüsst hatten, rutschten um weitere 2,17 Prozent auf 1,1290 Euro ab. Betrachtet man die Entwicklung europäischer Aktien an den vergangenen fünf Handelstagen, so finden sich unter den schwächsten Werten mehrere italienische Banken. Bei den Papieren der Unicredit etwa steht für diesen Zeitraum ein Minus von knapp 24 Prozent zu Buche.

LBBW: Schwankungsbreite sollte hoch bleiben
Die Experten der LBBW betonten in einer Studie, dass zurzeit vor allem die Sorgen um ein Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien für schlechte Stimmung sorge. Die Märkte fokussierten sich auf den Schuldenberg des südeuropäischen Landes und die dortige «politische Instabilität», schrieben die Experten. Die Schwankungsbreite an den Märkten sollte auch in den kommenden Tagen sehr hoch bleiben, da eine Lösung der Probleme nach wie vor nicht in Sicht sei.

Italien «ein Elefant im Raum»

Die Experten der australische Investmentbank Macquarie betonten indes die Grösse des neuen Sorgenkindes Italien. Das Land sei «der Elefant im Raum» mit einer Staatsverschuldung von 1,8 Billionen Euro. Es handele sich um die drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone. Die Höhe der Zinszahlungen für das Land könnte bald explodieren, warnten die Experten um Analyst Alessandro Roccati. Sollten die Probleme nicht in den Griff bekommen werden, könnte dies «katastrophale ökonomische und fiskalische Probleme für die Europa» nach sich ziehen. (awp/mc/ps)

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