CH-Schluss: Corona-Sorgen bremsen SMI

Boerse

Zürich – Die Schweizer Börse hat am Donnerstag im Einklang mit den meisten anderen wichtigen Handelsplätzen nachgegeben. Hatten in den vergangenen Tagen noch Nachrichten über neue Corona-Impfstoffe die Märkte beflügelt, so seien für die Investoren nun wieder die steigenden Infektionsraten rund um den Globus ins Zentrum gerückt, hiess es im Handel.

„Wir befinden uns noch immer mitten einer Pandemie, deren tatsächliche wirtschaftliche Folgen zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar sind“, meint ein Marktanalyst. So meldeten etwa Italien und die Türkei die höchsten Zahlen an Covid-Toten seit April und diverse US-Bundesstaaten führten Restriktionen ein oder verstärkten diese. Die einzige Chance auf ein „Weihnachtsrally“ wären wohl noch weitere Konjunkturprogramme und zusätzliche Lockerungen der Geldpolitik, sagte ein Händler.

Der SMI schloss um 0,69 Prozent tiefer bei 10’490,77 Punkten. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, verlor 0,77 Prozent auf 1’643,09 und der umfassende SPI gab 0,66 Prozent auf 13’003,42 Punkte. Von den 30 meistkapitalisierten Titeln schlossen 24 im Minus und sechs im Plus.

Im Fokus standen die Aktien des Industriekonzerns ABB (-3,0%), der am Donnerstag seinen Investorentag abhielt. Das Strategieupdate des Managements wurde bei Analysten als „wenig überzeugend“ bezeichnet. Bemängelt werden nicht zuletzt die weitgehend unveränderten Finanzziele, zudem seien die angekündigten Verkäufe von Firmenteilen wenig überraschend gewesen, hiess es. Investoren hätten nun spekulative Titelpositionen glatt gestellt, die sie in der Hoffnung auf „bahnbrechende Neuigkeiten“ aufgebaut hätten, meinte ein Händler.

Deutliche Abgaben erlitten aber auch typische Zykliker wie die Titel des Personaldienstleisters Adecco (-3,1%) oder des Zementkonzerns LafargeHolcim (-2,1%). Verluste gab es auch für die Titel des Hörgeräteherstellers Sonova (-2,0%). Die Aktienanalysten von Goldman Sachs erhöhten zwar ihr Kursziel, bezeichneten die Titel in einer Studie aber als weiterhin hoch bewertet und bestätigten ihr „Sell“-Rating.

Die Uhrenhersteller Swatch (-1,7%) und Richemont (-0,8%) erhielten keine Unterstützung von den am Morgen publizierten Schweizer Uhrenexportdaten, die insgesamt besser ausgefallen waren als erwartet. Die beiden Titel gehörten aber nach den teilweise deutlichen Avancen in den letzten Wochen auch zu den Gewinnmitnahme-Kandidaten, hiess es.

Die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé (-0,8%) und des Pharmakonzerns Roche (-1,0%) schlossen ebenfalls klar im Minus. Dagegen konnten die Aktien des dritten SMI-Schwergewichts Novartis (+0,4%) zulegen.

Bei den Finanztiteln ging es bei den Versicherungstiteln von Zurich (-2,0%) sowie von Swiss Re (-2,2%) klar abwärts. Der Rückversicherer wird am Freitag seinen Investorentag abhalten. Nach dem wenig aufregenden ABB-Anlass werde befürchtet, dass auch Swiss Re nicht mit bahnbrechenden Neuigkeiten aufwarten werde, meinte ein Händler.

Moderater war die Bewegung in den Aktien der Grossbankentitel CS (-0,7%) und UBS (-0,4%). Im Handel wurde auf gewisse Umschichtungen innerhalb des europäischen Bankensektors verwiesen – das Risikoprofil der beiden Schweizer Grossbanken sei vorteilhafter als bei anderen europäischen Rivalen.

Zu den wenigen Gewinnern im SLI gehörten etwa Logitech (+1,9%), die aber weiterhin klar unter den im Oktober erreichten Höchstwerten notierten. Mit Kursgewinnen schlossen auch die Titel des in die Corona-Impfstoffherstellung eingebundenen Pharmazulieferers Lonza (+0,6%) sowie die Aktien des Asset Managers Partners Group (+2,7%).

Am breiten Markt fielen Ypsomed (+10,1%) mit deutlichen Avancen auf. Die Medizinaltechnikfirma gab eine Partnerschaft mit Eli Lilly für eine Insulinpumpe bekannt. Straumann (-0,1%) schlossen knapp im Minus. Der CEO des Zahnimplantateherstellers zeigte sich in einem NZZ-Interview vorsichtig zuversichtlich für das Schlussquartal 2020. (awp/mc/ps)

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