CH-Schluss: Corona-Virus sorgt für ersten Ausverkauf in 2020

Boerse

Zürich – Die Schweizer Börse hat am Montag ihren ersten Ausverkauf in 2020 erlebt. Es war das Corona-Virus, das den Anlegern weltweit den Wochenauftakt verhagelt hat. Die Investoren fürchten sich vor einer weltweiten Ausbreitung der Infektionskrankheit – mit negativen Effekten für das Wirtschaftswachstum.

Entsprechend suchten Investoren vermehrt Schutz in den als sicher geltenden Obligationen, beim Gold sowie im Franken. Der Ölpreis gab zu Wochenbeginn weiter nach. Denn sollte die Lungenkrankheit gravierende wirtschaftliche Auswirkungen haben, würde das auch die Nachfrage nach Rohöl dämpfen. Gleichzeitig kamen schlechte Nachrichten von der deutschen Konjunktur: Der Ifo-Geschäftsklimaindex war überraschend gefallen. Analysten hatten dagegen mit einem Zuwachs gerechnet.

Der SMI sackte am Montag um 1,60 Prozent auf 10’675,96 Punkte ab. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, büsste 1,88 Prozent auf 1’640,43 und der breite SPI 1,65 Prozent auf 12’932,67 Zähler ein. Im SLI schlossen alle Titel tiefer.

Wie hoch die Nervosität am Markt ist, zeigt sich auch beim VSMI, der um annähernd 28 Prozent in die Höhe geschnellt ist.

Auf Aktienseite kamen jene Branchen unter Druck, bei denen Investoren die stärksten direkten Auswirkungen befürchten. Das sind allen voran die Uhrenhersteller Swatch (-2,5%) und Richemont (-2,7%), die einen wichtigen Teil ihrer Umsätze in Asien generieren. Es wird befürchtet, dass diese klar fallen dürften.

Aber auch Vertreter aus der Reisebranche wurden verkauft, wie Flughafen Zürich, Dufry oder Jungfraubahnen, die im breiten Markt zwischen 3,0 und 3,9 Prozent verloren. Mit Blick auf die Reisebranche wurden laut Händlern Erinnerungen an die Sars-Pandemie von 2003 wach. Damals war die Reisetätigkeit in Asien nahezu zum Erliegen gekommen. Und bleiben die Touristen aus, bekommen das auch wichtige Attraktionsorte wie das Jungfraujoch zu spüren.

Auch Technologie-Werte schwächelten wegen Virussorgen. Die Abgaben bei Logitech (-3,5%), AMS (-3,1%) und Temenos (-2,2%) fielen überdurchschnittlich aus. Laut Händlern litt die als besonders konjunkturempfindlich angesehene Halbleiterbranche unter der Tatsache, dass die Wertschöpfungsketten der Hersteller mittlerweile stark in Asien verwurzelt seien.

Bei AMS kam hinzu, dass am Freitag die Kapitalerhöhung für die Osram-Übernahme von den Aktionären bewilligt wurde. Das führe zu einer starken Gewinnverwässerung, wie Händler meinten.

Andere Zykliker wie LafargeHolcim und ABB (je -3,4%), Kühne + Nagel (-2,9%) oder Sika (-2,6%) und Clariant (-2,5%) standen ebenfalls auf den Verkaufszetteln der Anleger.

Vergleichsweise gut hielten sich die Pharma-Grössen Novartis (-0,9%) und Roche (-1,5%), die beide in dieser Woche ihre Jahreszahlen 2019 zeigen werden. Auch Nestlé büssten «lediglich» 0,9 Prozent ein. Deutlich besser als der Gesamtmarkt waren auch andere Papiere aus dem Gesundheitssektor wie Lonza (-0,2%) oder Sonova (-0,5%). Auch die defensiven Givaudan-Papiere (-0,3%) gingen nur wenig tiefer aus dem Handel.

Stark abwärts ging es mit Bankaktien wie Julius Bär (-3,4%), Credit Suisse (-3,6%) und UBS (-2,5%). Die Papiere der beiden Grossbanken hatten bereits die Vorwoche mit Verlusten beendet. Julius Bär litten laut Händlern unter einem kritischen Analystenkommentar aus dem Hause Mediobanca. Und zur CS hatte Reuters berichtet, die Finanzmarktaufsicht Finma nehme bei ihrer Untersuchung des Beschattungsskandal auch die Rollen der Führungsgremien unter die Lupe.

Im breiten Markt reagierten Investoren bei Landis+Gyr mit einem Abschlag von 14,8 Prozent sehr verschnupft auf die Nachricht, dass die Bandbreite der im Oktober formulierten Prognosen für das Geschäftsjahr 2019/20 zwar bestätigt wird, die Ergebnisse aber «am unteren Ende» zu liegen kommen dürften. Analysten monierten zudem, dass die Mittelfristziele nur wenig Aufwärtspotenzial zuliessen.

Die Gewinnerseite war recht übersichtlich. Hier stemmten sich etwa GAM mit plus 1,8 Prozent gegen den Trend. Ein Grossaktionär hatte vom Vermögensverwalter verlangt, er solle sich auf die Suche nach einem strategischen Investor machen. (awp/mc/pg)

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