CH-Schluss: SMI unter Druck

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag klar schwächer geschlossen. Nach der Eröffnung der US-Börsen nach dem langen Wochenende beschleunigte sich die Talfahrt. Die schwache Entwicklung an der Wall Street drückte auch bei den hiesigen Investoren auf die Kauflaune, die vermehrt Papiere abstiessen. «Seit die Amerikaner wieder da sind, gibt es wieder mehr Volumen und es läuft mehr», sagte ein Schweizer Händler. Am Vortag waren die US-Börsen wegen eines Feiertags geschlossen gewesen, so dass Impulse aus Übersee fehlten.

Auf die Stimmung drückte die rasche Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus, erklärte ein Marktteilnehmer. Ein Dämpfer waren auch die wirtschaftlichen Abkühlungstendenzen in Deutschland, einem sehr wichtigen Absatzmarkt der Schweizer Industrie. Das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW fiel im September gegenüber dem Vormonat um 13,9 Punkte auf 26,5 Zähler. Für Zurückhaltung sorgte auch die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, die sich dann wohl auch zum Pandemie-Notkaufprogramm «PEPP» äussern wird. Analysten glauben aber wegen anhaltender Unsicherheiten nicht, dass die EZB bereits jetzt bereit ist, geldpolitische Pflöcke für das nächste Jahr einzuschlagen.

Bis Börsenschluss sank der SMI um 0,69 Prozent auf 12’344,38 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Akten enthalten sind, gab um 0,51 Prozent auf 2014,20 Punkte nach, während der umfassende SPI um 0,53 Prozent auf 15’921,49 Punkte fiel. Im SLI standen 20 Verlierern 10 Gewinner gegenüber.

Nach unten gezogen wurde der Leitindex von den Pharmagiganten Roche (-1,4%) und Novartis (-1,2%) sowie vom Lebensmittelriesen Nestlé (-0,1%). Roche hatte am Morgen für den bevorstehenden Krebskongress Esmo diverse neue Studiendaten in Aussicht gestellt. Keine Impulse verlieh die Nachricht, dass die Roche-Tochter Genentech eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Adaptimmune Therapeutics für die Entwicklung allogene Zelltherapien gegen Krebs eingeht.

An der Spitze der Verlierer standen allerdings Holcim, die einen Kurstaucher von 3,0 Prozent erlitten wegen der Entscheidung der obersten Berufungsinstanz in Frankreich. Dieses Gericht hob ein Urteil des Pariser Berufungsgerichts auf, das die Anklage wegen der Aktivitäten des früheren französischen Zementherstellers Lafarge in Syrien fallengelassen hatte. Dabei ging es um den Vorwurf der «Komplizenschaft bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit» im Rahmen der Ermittlungen zu den Lafarge-Aktivitäten in Syrien bis 2014. Das Gericht bestätigte jedoch die Anklage gegen den Zementhersteller wegen Terrorismusfinanzierung. Bereits am Vortag hatten Berichte über Ermittlungen der US-Justizbehörden in derselben Sache die Papiere um 3,8 Prozent nach unten geschickt.

Hinter Holcim standen AMS (-2,0%) an zweiter Stelle bei den grössten Verlierern vor ABB, Lonza und Temenos, die alle um 1,4 Prozent tiefer schlossen. Ebenfalls auf der Verkaufsliste standen Clariant und Zurich (je -1,3%). Auch die übrigen Versicherer zeigten Abgaben, wenn auch nur leichte: So schlossen Swiss Life (-0,1%) und Swiss Re (-0,02%) nur wenig unter dem Vortagesschluss.

Adecco (-0,5%) konnten ihre anfänglichen Gewinne nach einer kleineren Akquisition in Frankreich nicht halten. Partners Group gaben ganz leicht nach (-0,03%), obwohl das Unternehmen mit seinen Halbjahres-Gewinnzahlen die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen hatte.

Bei den Gewinnern klettern Swatch (+3,0%) und Richemont (+2,4%), die von den guten China-Daten gestützt wurden, an die Spitze. Das Reich der Mitte gehört zu den wichtigsten Exportdestinationen der hiesigen Uhrenindustrie. Ende letzte Woche hatten beide Papiere nach enttäuschenden Zahlen aus China deutlich an Terrain eingebüsst. Gesucht war auch der im Asienhandel starke Logistikkonzern Kühne+Nagel (+1,5%).

Im breiten Markt standen die Papiere von Montana Aerospace (-5,3%) massiv unter Abgabedruck. Der Luftfahrtzulieferer hatte am Morgen eine Akquisition angekündigt und denkt über eine Kapitalerhöhung nach. Das komme nur vier Monate nach dem Börsengang nicht unbedingt gut an, meinten Analysten.

Relief Therapeutics büssten gar 8,8 Prozent ein. Zwischen dem Biotechunternehmen und seinem US-Kooperationspartner NRx hängt offenbar der Haussegen schief. Relief kritisiert «irreführende» oder «falsche» Aussagen des Partners zu einem Kooperationsvertrag für die potentielle Covid-Behandlung Aviptadil. (awp/mc/ps)

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