CH-Schluss: SMI holt Vortagesverluste wieder auf

Boerse
(Adobe Stock)

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag trotz anhaltender Kriegswirren in der Ukraine die grossen Vortagesverluste wieder wettgemacht. Händler sprachen von einer technischen Gegenbewegung auf den Kurseinbruch vom Vortag, die sich im Laufe des Tages immer mehr akzentuiert habe. Der Blue-Chips-Index SMI hat dabei die wichtige Marke von 12’000 Punkten bereits wieder fast erreicht. Deutlicher ging es ab dem Mittag nach oben, als Meldungen die Runde machten, dass der Kreml bereit sei zu Friedensverhandlungen mit der Ukraine. Moskau wolle eine russische Delegation zu Gesprächen in die belarussische Hauptstadt Minsk schicken, hiess es.

Auch machte der berühmte Spruch, wonach politische Börsen «kurze Beine» hätten, wieder die Runde. Ausserdem würden nicht wenige Investoren nun wohl hoffen, dass die US-Währungshüter ihre ab März geplanten Zinsschritte in letzter Minute wieder verschieben könnten. Ebenfalls sei es schwer vorstellbar, dass die EZB in den kommenden Monaten Zinserhöhungen signalisiert, sagte ein Börsianer. Entsprechend den trotz Krieg wieder positiveren Börseneinschätzungen schwächte sich auch der Schweizer Franken wieder etwas ab, so dass das Euro/Franken-Währungspaar wieder über 1,04 stieg. Und auch der Ölpreis sank wieder unter 100 US-Dollar das Fass.

Der SMI gewann zum Handelsschluss 3,01 Prozent auf 11’987,31 Punkte. Nach dem Verlust von 305 Punkten am Donnerstag gewann er heute 350 Zähler. Auf Wochensicht ergab das praktisch ein Nullsummenspiel. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann am Freitag 2,94 Prozent auf 1900,79 und der breite SPI 2,92 Prozent auf 15’154,49 Zähler. 29 der 30 wichtigsten Werte legten – meist markant – zu.

Wie es an den Aktienmärkten weiter geht, muss sich nun aber zeigen. «Angesichts der raschen Eskalation der Situation in den vergangenen Tagen besteht nach wie vor grosse Ungewissheit darüber, ob sich die Lage weiter zuspitzen wird», sagte ein Marktteilnehmer. Die Situation sei jedenfalls alles andere als stabil, und das werde sich wahrscheinlich auch weiterhin an den Märkten widerspiegeln mit starken Schwankungen und hoher Grundvolatilität.

Wie bereits auch am Vortag waren Unternehmensnews in Bezug auf die Kursentwicklung der einzelnen Aktien wenig relevant, allerdings mit Ausnahmen. Entgegen dem allgemeinen Trend zeigten sich nämlich Swiss Re (-4,2%) deutlich schwächer. Der Rückversicherer kehrte 2021 zwar in die Gewinnzone zurückgekehrt und erzielte trotz schwerer Unwetter und weiteren Corona-Kosten einen Milliardengewinn. Die Zahlen hätten die Markterwartungen aber enttäuscht, was vor allem an den Covid-19-Schäden der Lebensrückversicherung gelegen habe, sagte ein Analyst. Ausserdem habe Swiss Re die Hoffnungen des Marktes auf eine höhere Dividende mit einer nur stabilen Ausschüttung enttäuscht.

Unterdurchschnittlich entwickelten sich auch Holcim (+2,2%), obwohl der Zementkonzern im vergangenen Jahr dank Firmenübernahmen kräftig zugelegte und der Gewinn sowie die Dividendenausschüttung die Erwartungen übertraf. In der zweiten Tageshälfte holte die Aktie dann noch etwas auf. Dass die Titel nach den starken Zahlen aber nicht stärker zugelegt haben, dürfte wohl mit den zuletzt stark gestiegenen Energiekosten zu tun haben, hiess es bei Händlern.

Die grössten Gewinne bei den Blue Chips gingen derweil an die Aktien der UBS (+6,3%), die am Vortag bei den grössten Verlierern (-8,2%) gewesen waren. Auch die Bankenkollegen CS (+4,1%) und Julius Bär (+4,3%) zeigten am Freitag satte Avancen. Ansonsten waren diverse konjunktursensitive Werte ausserordentlich stark gesucht wie etwa Richemont (+4,8%), Sika (+4,7%), Swatch (+4,1%) oder auch der Techwert Logitech (+4,0%).

Auch die SMI-Schwergewichte Nestlé (+2,9%), Novartis (+2,8%) und Roche (+2,7%) tragen zum starken SMI-Plus bei. Vor allem Nestlé waren am Vortag stark verkauft worden.

Im breiten Markt stachen Bobst mit einem Kurssprung von fast 23 Prozent hervor. Der Westschweizer Verpackungsmaschinenhersteller hat gute Zahlen und eine überraschend grosse Sonderdividende angekündigt. «Die Dividende ist das Zückerchen», sagte denn auch ein Händler. Stark präsentierten sich u.a. auch Wisekey (+11%), Santhera (+9,6%) oder Polypeptide (+9,5%). (awp/mc/pg)

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