CH-Schluss: Konjunktursorgen belasten

Boerse

Zürich – Am Schweizer Aktienmarkt wurden am Dienstag weitere Gewinne eingestrichen. Konjunktursorgen und die bevorstehende Berichtssaison sorgten dafür, dass Investoren ihre aufgelaufenen Gewinne ins Trockene brachten, erklärten Händler. Eine massive Gewinnwarnung des deutschen Chemiekonzerns BASF habe die Furcht vieler Anleger vor einem Konjunkturabschwung zusätzlich befeuert, hiess es.

Vor allem konjunktursensible Werte hatten einen schweren Stand. Anleger trennten sich von jenen Aktien, die stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig sind. Dass der SMI deutlich über seinem Tagestief aus dem Handel gegangen ist, lag an den gesuchten Novartis-Papieren. Für Gesprächsstoff sorgte zudem der Auftritt des Fed-Präsidenten Jerome Powell vor dem US-Kongress am Mittwoch. Anleger erhoffen sich insbesondere Aussagen zur Zinspolitik. Die Hoffnungen auf eine baldige und deutliche Senkung der Leitzinsen dürften danach ganz vom Tisch sein, denken Beobachter.

Der Swiss Market Index (SMI) gab bis zum Schlussgong 0,33 Prozent auf 9’961,34 Punkte ab. Für den 30 Aktien umfassenden Swiss Leader Index (SLI) ging es um 0,62 Prozent auf 1’521,63 Punkte abwärts und der breite Swiss Performance Index (SPI) fiel um 0,38 Prozent auf 12’043,18. Unter den 30 wichtigsten Aktien standen 26 Verlierer vier Gewinnern gegenüber.

Allen voran die Papiere des Personaldienstleisters Adecco büssten deutliche 5,3 Prozent ein. Dabei wurde der Abwärtsdruck durch eine Abstufung durch Goldman Sachs auf „Sell“ von „Buy“ verstärkt. Für den wichtigen Wirtschaftspartner Deutschland zeichnete eine Ifo-Umfrage ein eher graues Bild. Im Zuge der Konjunkturflaute dürfte sich die Kurzarbeit bald auch in Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft erhöhen.

Auch andere Zykliker wie ABB (-2,3%), Clariant (-2,0%), Richemont (-1,8%), Sika (-1,7%) und Swatch (-1,3%) wurden aus den Depots geschmissen. Clariant und Sika habe man nach der Gewinnwarnung von BASF in Sippenhaft genommen, sagten Händler.

Noch weiter hinten fanden sich Technologiewerte wie Logitech (-2,6%) und AMS (-2,4%). Händler verwiesen auf schwache Vorgaben aus den USA und Asien. Auslöser für die Branchenschwäche waren Analystenkommentare. Vor allem vorsichtige Aussagen zu Apple drückten die Stimmung.

Am „Tag Eins“ nach der Ernennung des neuen Konzernchefs fanden Julius Bär (-2,7%) noch keinen Boden. Die Benennung des internen Kandidaten Philipp Rickenbacher hatte bereits zu Wochenbeginn Abgaben von fast 5 Prozent nach sich gezogen. Schwächer waren aber auch Credit Suisse (-0,9%) und UBS (-0,8%).

Als „Fels in der Brandung“ erwiesen sich die Novartis-Papiere, die bis Handelsende um 0,7 Prozent anzogen. Die Pharmaaktien mit defensiven Qualitäten bestreiten fast 18 Prozent der SMI-Gewichtung.

Vergleichsweise gut hielten sich auch andere Valoren aus dem Gesundheitssektor wie Roche und Lonza (je -0,1%) sowie andere defensive Werte wie Givaudan (+0,1%) und Swisscom (-0,1%). Die für ihre Dividendenrendite bekannten Versicherer Swiss Life (+0,3%) und Zurich (+0,1%) konnten sich dem Trend ebenfalls entziehen.

Stark gaben auch die Zykliker im breiten Markt nach. Hier stachen Autoneum mit -6,6 Prozent hervor. Die ZKB hat das Rating für die Titel im Vorfeld der Halbjahreszahlen auf „Untergewichten“ von „Marktgewichten“ gesenkt. Auch Georg Fischer und Komax (jeweils -5,4%), Mikron (-5,0%) und Burckhardt (-4,7%) verloren die Gunst der Anleger.

GAM-Aktien gehörten mit einem Minus von 9,2 Prozent zu den schwächsten Werten. Unter anderem verwiesen Börsianer auf eine Studie der UBS, in der sich der zuständige Analyst vorsichtig über die anstehenden Zahlen zum zweiten Quartal äusserte. Der Vermögensverwalter dürfte auch im ersten Halbjahr weiter starke Abflüsse verzeichnet haben, so der Analyst in der Studie. In der Tat ist etwa der GAM Greensill Supply Chain Finance Fonds ist innert weniger Monate um mehr als 90 Prozent geschrumpft, wie Daten von Bloomberg zeigen. (awp/mc/pg)

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