CH-Verlauf: Moderate Gegenbewegung – Schwergewichte bremsen

CH-Verlauf: Moderate Gegenbewegung – Schwergewichte bremsen
(Adobe Stock)

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt tendiert am Donnerstag freundlich. Die Gegenbewegung auf die jüngsten Abgaben fällt aber nur moderat aus – nur ein kleiner Teil der Vortagesverluste wird wettgemacht. Insbesondere die defensiven Schwergewichte verhindern eine deutlichere Erholung.

Dafür wird bei Aktien mit einem KI-Bezug wieder zugegriffen. Stützend wirken am Berichtstag die Vorgaben der Wall Street, wo die Tendenz insgesamt behauptet war. Auch die Märkte in Ostasien steckten die jüngste Eskalation im Iran-Krieg relativ gut weg.

Das geopolitische Risiko hat aber spürbar zugenommen. In der Nacht auf Donnerstag haben die USA zwar wieder Ziele im Iran angegriffen, US-Präsident Donald Trump sprach aber davon, keine «vollständige» Wiederaufnahme des Krieges zu planen.

Am Markt würden nun die schon immer bestehenden Risiken wieder «realistisch» bewertet, hiess es im Handel. Das bildet sich vor allem auch bei den Ölpreisen ab; ein Fass der Sorte Brent kostete zuletzt knapp 77 US-Dollar. Der grössten Sprung hatten die Ölpreise am Dienstag und Mittwoch verzeichnet, nun gelte die Aufmerksamkeit vor allem der Höhe des Öltankerverkehrs durch die Meerenge von Hormus.

Der Leitindex SMI notiert gegen 11 Uhr mit einem moderaten Plus von 0,13 Prozent bei 14’193,19 Punkten. Am Mittwoch war es noch um 1,3 Prozent nach unten gegangen. Der weniger von den defensiven Schwergewichten geprägte Mid-Cap-Index SMIM gewinnt 0,34 Prozent auf 3122,77 und der breite SPI 0,19 Prozent auf 19’969,30 Punkte.

Techwerte zeigen sich erholt von den jüngsten Gewinnmitnahmen: ABB rücken um 3,0 Prozent und am breiteren Markt VAT um 2,9 Prozent vor. Auch Logitech steigen um 2,4 Prozent. Der PC-Zubehörhersteller hatte lange als Wackelkandidat für die SMI-Revision gegolten.

Erwischt hat es nun aber die Papiere von Kühne+Nagel (+0,6%) und Swisscom (-0,7%), welche im September den SMI verlassen müssen. Mit der geplanten Aufnahme von Sandoz (+0,1%) und Galderma (+0,3%) macht der Leitindex einen weiteren Schritt in Richtung «Swiss Pharma Index», wie Marktbeobachter unken.

Dafür belasten – wie oft in solchen Situationen – die Schwergewichte. Roche verlieren 0,1 Prozent, Novartis 0,6 Prozent und Nestlé 1,2 Prozent. Im breiten Markt sinken auch Barry Callebaut um 1,4 Prozent, obschon der weltgrösste Schokoladenhersteller wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist. Bezüglich Profitabilität gebe es aber «einige Fragezeichen», merken Analysten an.

Bei der Finanzwerten greifen die Anleger vor allem bei der UBS zu. Die Aktien der Grossbank verteuern sich um 1,2 Prozent. Das Institut hat von den US-Behörden mehr Rechtssicherheit für den Fall einer Abwicklung in einer Krise erhalten.

Auf der anderen Seite geht es mit den Papieren des Privatmarkt-Spezialisten Partners Group um 1,6 Prozent nach unten. Im Vorfeld der kommende Woche erwarteten ersten Zahlen gerät das Unternehmen ins Visier verschiedener Analysten. So hat etwa die UBS ihr Votum auf «Neutral» gesenkt.

KI-Käufe im breiten Markt
In den hinteren Reihen fallen Adecco mit einem Kursplus von 1,5 Prozent auf. Für den Personaldienstleister hat die Deutsche Bank die eine Kaufempfehlung ausgegeben – und fällt damit ziemlich aus der Reihe. Einigen Investoren scheint dieser Funken zu reichen, um erst einmal nachzulegen.

Nach den jüngsten Rückschlägen wird auch am breiten Markt wieder die «KI-Welle» geritten. Mit Comet geht es etwa um 10 Prozent und mit Inficon um 4,3 Prozent nach oben. Händlern zufolge hat BOFA für Comet das Votum auf «Buy» von «Underperform» und das Kursziel massiv auf 518 Franken erhöht. Zum Vergleich: Aktuell kosten die Papiere 384 Franken.

Ypsomed ziehen um 2,0 Prozent an. Die Herstellerin von Injektions- und Infusionssystemen vermeldete einen erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2026/27. Davon profitieren auch branchenverwandte Papiere wie Siegfried (+1,0%) oder Tecan (+0,6%).

Das Börsendebüt von Infracore muss dagegen als «verhalten» betitelt werden. Aktuell notieren die Aktien der Spezialisten für Spitalimmobilien bei 53,75 Franken und damit knapp unter dem Angebotspreis von 54 Franken. (awp/mc/ps)

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