CH-Schluss: SMI schwach – Handelssorgen vertreiben Anleger

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat vor dem Auffahrts-Feiertag den Rückwärtsgang eingelegt. Für die Kursverluste sorgten neue geopolitische Turbulenzen und Rezessionsängste. Der Handelsstreit zwischen den USA und China, das Schreckgespenst eines ungeregelten Brexit und der sich abzeichnende Streit zwischen Rom und Brüssel bildeten den Mix, der die Anleger in die Flucht schlug.

In den Tagen zuvor war es etwas ruhiger geworden um das Dauerthema Handelsstreit. Doch seit Dienstag sind die Sorgen wieder zurück. Vor allem die Drohung Chinas, den USA den Zugang zu den Seltenen Erden abzuriegeln, schlug den Börsianern auf Gemüt. Die Eskalationsspirale dreht sich somit weiter. Experten warnten vor starken Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Der Swiss Market Index (SMI) büsste am Mittwoch 1,43 Prozent auf 9’541,97 Punkte ein. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) fiel um 1,60 Prozent auf 1’461,52 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,37 Prozent auf 11’624,92 Zähler. Alle 30 SLI-Titel schlossen im Minus.

Die jüngsten Nachrichten aus China belasteten einmal mehr die Technologiewerte. Bei den Blue Chips winkten Temenos (-5,1%) und Ams (-4,7%) vom Tabellenende; Logitech (-3,2%) standen nicht viel nach. Gerade die Papiere des Softwareherstellers Temenos hatten sich in den letzten Tagen sehr gut entwickelt. Mit der zurückkehrenden Risikoaversion hätten sich viele Fonds wieder von ihren Positionen getrennt, sagten Händler.

Die Verunsicherung der Investoren liess sich auch am Volatilitätsindex VSMI ablesen, der am Berichtstag um gut 10 Prozent gestiegen ist.

Auch Finanzwerte wurden verkauft. Die deutlichen Kursverluste erklärten Börsianer einerseits mit den Sorgen um die Deutsche Bank. Die deutsche Rivalin gilt als weltgrösster Spieler im Derivatgeschäft und deshalb als wichtige Gegenpartei für die Schweizer Grossbanken. Zudem befänden sich die Zinsen auf dem Rückzug und das Vertrauen der Anleger in Italien nehme auch nicht gerade zu. Das Land sei zu gross für einen europäischen Rettungsschirm, sagten Experten.

Für die Aktien von Julius Bär ging es in dieser Situation mit minus 3,3 Prozent am stärksten bergab. Die Papiere von CS und UBS folgten mit Abgaben von 1,6 bzw. 1,2 Prozent. Auch für die Versicherer Swiss Re (-2,0%) und Zurich (-1,7%) wiesen angesichts der sinkenden Zinsen Kursverluste aus.

Die Sorgen vor einer globalen wirtschaftlichen Abkühlung kamen derweil in den stark fallenden Notierungen zyklischer Papiere zum Ausdruck. So büssten Swatch 3,0 Prozent ein, LafargeHolcim 2,8 Prozent, Schindler 2,5 Prozent, Adecco 2,4 Prozent, Sika 2,2 Prozent und ABB 1,9 Prozent.

Die defensiven Schwergewichte vermochten dem hiesigen Börsenplatz für einmal keine Stabilität verleihen. Vor allem die Pharmawerte Roche (-1,8%) und Novartis (-1,7%) bewegten sich im Einklang mit dem Gesamtmarkt. Nur Nestlé konnten sich dem allgemeinen Trend mit minus 0,4 Prozent entziehen.

Derweil sorgte ein Analystenkommentar bei den beiden Schweizer Telekomtiteln Sunrise (+0,4%) und Swisscom (-1,7%) für entgegengesetzte Kursbewegungen. In ihrer aktuellen Studie raten die Experten von Mainfirst den Investoren, von der Swisscom in Sunrise zu wechseln.

Analystenkommentare sorgten auch im breiten Markt für Bewegung. Gesenkte Kursziele schickten die Aktien von Meyer Burger (-2,3%) und Phoenix Mecano (-0,8%) abwärts. Und die Aktien der im Halbleiterbereich tätigen Inficon (-0,7%) und VAT (-2,0%) litten unter dem jüngsten „China-Schock“.

Zur Rose büssten 1,5 Prozent ein. Der Tochter der Versandapotheke bleibt nach einem Gerichtsentscheid der Betrieb eines Apothekenautomaten in Deutschland untersagt. Für Zur Rose ist Deutschland der wichtigste Absatzmarkt. (awp/mc/pg)

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