CH-Verlauf: Nahost-Spannungen belasten zum Wochenschluss
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt legt zu Wochenschluss erneut den Rückwärtsgang ein. Es sind neue Spannungen im Nahost-Konflikt, die für Verunsicherung und fallende Kurse sorgen. Der Iran hat nach Angaben des US-Militärs nahe der Strasse von Hormus Angriffe auf US-Kriegsschiffe mit Raketen, Drohnen und Kleinbooten unternommen, die abgewehrt wurden. US-Präsident Donald Trump sagte aber, der Waffenstillstand mit dem Iran sei weiterhin in Kraft.
Damit wackelt die ohnehin fragile Waffenruhe. Die Friedenshoffnungen hätten damit einen kräftigen Dämpfer erhalten, hiess es von Händlern. Anleger hätten Sorge, auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, und betrieben entsprechend vor dem Wochenende Schadensbegrenzung. Der Ölpreis ist im frühen Handel nach den Ereignissen gestiegen – allerdings hielt sich das Plus in Grenzen.
Apropos Öl: Solches goss Trump im Zollstreit mit der EU ins Feuer, während ein Gericht seinen weltweiten 10-Prozent-Zoll kippte. In dieser Gemengelage steht am Nachmittag zudem der US-Arbeitsmarktbericht für den April auf der Agenda und auch das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan dürfte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Der SMI notiert um 11.05 Uhr 0,65 Prozent tiefer bei 13’050,19 Punkten. Der Leitindex steuert damit auf ein Wochenminus von gut 0,7 Prozent zu. Aktuell stehen von den 20 SMI-Titeln deren 17 im roten Bereich. Der SMIM für die mittelgrossen Werte geht es um 0,50 Prozent auf 3007,02 Punkte nach unten, während der breite SPI 0,58 Prozent auf 18’527,77 einbüsst.
Deutlich abwärts geht es für die Aktien der Swiss Life (-3,2%). Die UBS hat ihren Daumen über den Titel des Versicherers gesenkt und auf «Sell» von «Neutral» abgestuft. Die zuständigen Analysten bevorzugen die Papiere des Konkurrenten Helvetia Baloise (-1,2%).
Nach einem Update zum Geschäftsgang verbilligen sich die Valoren des Pharmaauftragsfertigers Lonza um 2,1 Prozent. Dabei haben sich die Basler insgesamt positiv geäussert und die Prognose für das laufende Jahr bekräftigt.
Andere Gesundheitswerte befinden sich allerdings ebenfalls auf den Verkaufslisten; allen voran Roche büssen 1,3 Prozent ein. Novartis (-0,2%) und Sandoz (+0,03%) ziehen sich etwas besser aus der Affäre, während im Bereich Medtech vor allem Sonova (-1,8%), Straumann (-0,7%) und Alcon (-0,4%) verkauft werden.
Auch traditionell defensive Papiere wie Swisscom (-0,8%) und Givaudan (-1,3%) können sich dem Markttrend nicht entziehen. Der Telekomkonzern leidet unter den «Nachwehen» der am Vortag gezeigten Quartalszahlen: Barclays hat die Verkaufsempfehlung bei einem leicht gesenkten Kursziel bestätigt.
Rein optisch tief im Minus liegen die Papiere des Logistikkonzerns Kühne+Nagel, die mit einem Abschlag von 4,0 Prozent oder von 7 Franken gehandelt werden. Allerdings wird am Berichtstag die Dividende von 6 Franken in Abzug gebracht.
Deutlich höher notieren bei den SMI-Werten einzig Logitech (+1,2%); die Herstellerin von Computerzubehör hat einen Aktienrückkauf angeschlossen und startet sogleich ein neues Programm. Mit VAT (+1,1%) und ABB (+0,2%) sind auch andere Papiere mit «Technologie-Touch» auf der positiven Seite zu finden.
In der zweiten Reihe fallen Clariant (-2,1%) nach Quartalsergebnissen zurück, Landis+Gyr (-15,1%) verlieren nach Jahreszahlen sehr klar. Damit sind die ab März erzielten Avancen auf einen Schlag weg. Beim Stromzählerhersteller sind die Ergebnisse zwar wie erwartet ausgefallen, Marktteilnehmer hatten sich aber auf eine deutlich höhere Dividende gesetzt.
Die Valoren der Jungfraubahnen büssen 1,8 Prozent ein. Die Betreiberin der Bahn auf das «Top of Europe» hat nach einem schwachen Jahresstart wegen des Iran-Kriegs eine weitere Abschwächung der Nachfrage verzeichnet. Das ist laut Analysten ein Warnsignal mit Blick auf die bevorstehenden Sommermonate. (awp/mc/pg)