CH-Schluss: Omikron macht dem SMI zu schaffen

Boerse

Zürich – Der Auftakt in die vorletzte Handelswoche dieses Jahres ist am Schweizer Aktienmarkt rot ausgefallen. Auch an den europäischen Börsenplätzen gaben die Kurse zu Beginn der Weihnachtswoche deutlich nach. «Ein ordentlicher Nackenschlag», kommentierte ein Händler das Geschehen. Immerhin erholte sich der Leitindex SMI im Tagesverlauf von seinen Tiefstständen unter 12’500 Punkten. Die Marktteilnehmer seien aber ganz klar im «Risk-Off Modus» gewesen, hiess es aus Börsenkreisen. «Nun muss sich zeigen, ab welchem Kursniveau der Beissreflex bei den Marktteilnehmern wieder aktiviert werden kann», ergänzte der Börsianer.

Ausgelöst wurde die schlechte Stimmung einerseits durch die Nachrichten rund um die Ausbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus. Der Stamm wurde in rund 90 Ländern gefunden. Länder wie die Niederlande haben bereits mit einem harten Lockdown auf die steigenden Zahlen reagiert. Andererseits wirkte sich auch die Nachricht negativ aus, dass sich der demokratische Senator Joe Manchin gegen das Kernprojekt der Präsidentschaft Joe Bidens ausspricht. Damit ist nicht klar, ob das Infrastruktur-Projekt wenigstens in abgeschwächter Form eine Zukunft hat. Goldman Sachs senkte daher gar ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft. «Die Finanzmärkte fahren wie die Politik gerade auf Sicht. Das dürfte die Volatilität bis ins kommende Jahr auf einem hohen Niveau verharren lassen», sagte ein Börsianer zu diesen Entwicklungen.

Der SMI schloss schliesslich um 0,99 Prozent tiefer auf 12’589,89 Punkten. Im Tagesverlauf notierte er zeitweise unter 12’500 Zählern. Zuvor hatte der Leitindex am Donnerstag auf 12’823 Zählern ein Rekordhoch erreicht. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, sank um 1,06 Prozent auf 2008,36 und der breite SPI um 0,83 Prozent auf 16’048,68 Zähler. Im SLI standen 24 Verlierern nur sechs Gewinner gegenüber.

Unter den grössten Verlieren waren vor allem zahlreiche Vertreter der Finanzbranche zu finden. Die Aktien der Swiss Life, CS, Swiss Re, UBS und Zurich verloren zwischen 3,0 und 1,2 Prozent. Die Rendite der wichtigen zehnjährigen US-Treasuries seien zuletzt wieder etwas gesunken, was die Branche tendenziell ebenfalls belastet habe, hiess es im Handel.

Gleichzeitig trennten sich Investoren von Temenos (-3,1%) sowie angesichts der Unsicherheit um das US-Infrastrukturprogramm von zahlreichen zyklischen Werten wie ABB (-2,4%), Holcim (-1,8%) oder auch Schindler (-1,7%). Überdurchschnittlich stark fielen auch die beiden Pharma-Schwergewichte Novartis (-1,5%) und Roche (-1,1%) zurück. Bei Novartis nahmen Investoren nach dem starken Lauf in der Vorwoche Gewinne mit und reagierten zudem auf enttäuschende Pipeline-Nachrichten.

Die überschaubare Gewinnerliste wurde unterdessen von Kühne+Nagel (+3,0%) angeführt, gefolgt von Vifor Pharma, die sich um 1,8 Prozent auf 162,50 Franken verteuerten und damit dem Angebotspreis der australischen CSL annäherten, die vor einer Woche 167 Franken je Titel im Rahmen der geplanten Übernahme in Aussicht gestellt hat. Etwas Schubkraft verlieh auch der Vergleich in einem Patentstreit um das Eisenpräparats Injectafer.

Lonza (+0,6%) profitierten von den Neuigkeiten zur Booster-Impfung von US-Partner Moderna, die angeblich auch gegen die Omikron-Variante wirksam ist.

Ebenfalls gefragt waren noch Geberit (+0,6%) und Givaudan (+0,1%). In den hinteren Reihen bekamen vor allem die Reise-nahen Werte wie Dufry (-2,2%) und Flughafen Zurich (-1,1%) die Sorgen um erneute Restriktionen oder Reisebeschränkungen zu spüren. Dagegen machte sich bei den Anteilsscheinen des Biotechunternehmens Idorsia (+10,1%) eine wachsende Zuversicht breit. Am 8. Januar sei mit einer Entscheidung der US-Behörde FDA über den Zulassungsantrag für das Schlafmittel von Idorsia zu rechnen. Cembra Money Bank (-0,2%) grenzten im Tagesverlauf derweil frühe Verluste nach einer Kaufempfehlung durch einen deutschen Börsenbrief ein, wie ein Händler ausführte. (awp/mc/pg)

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