CH-Schluss: SMI verliert nach panikartigen Verkäufen massiv

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat die erste Sitzung der neuen Woche mit tiefroten Kursen beendet. Der Abschwung hat sich im Vergleich zu den letzten beiden Wochen gar noch beschleunigt, so dass viele Marktteilnehmer mit Anspielung auf das weltweit sich ausbreitende Virus bereits vom «Corona-Crash» sprechen. Der Handelstag dürfte jedenfalls als ein neuer schwarzer Montag in die Bücher eingehen, hiess es in Handelskreisen. Zum Teil war gar von panikartigen Verkäufen die Rede.

Die bereits schlechte Stimmung an den internationalen Finanzmärkten hatte sich übers Wochenende weiter verdüstert. Auslöser waren die weitere Ausbreitung des Coronavirus mit scharfen Massnahmen etwa in Italien, aber auch der Einbruch des Ölpreises um rund 20 Prozent. «Die Angst vor einer globalen Rezession sitzt den Anleger derzeit tief im Nacken. Und der starke Ölpreisverfall hat dann die Märkte endgültig in Panik versetzt», meinte ein Händler dazu. Die fundamentalen Rahmenbedingungen hätten sich so schlagartig verschlechtert, dass es Investoren immer schwerer falle, die Risiken im Depot adäquat zu bewerten, meinte ein anderer. «Und da führt der Weg des geringsten Widerstandes dann erst einmal über den Verkaufsknopf.»

Der SMI zeigte sich wie bereit meist in den letzten Wochen extrem volatil und schloss 5,55 Prozent tiefer bei 9’196,60 Punkten. Nach einem Fall im frühen Handel auf 9059 Zähler erholte er sich schnell wieder in den Bereich von 9450 Punkten, um danach aber mehrheitlich wieder deutlich zu fallen. Im Vergleich zu seinem Höchststand vor gut zwei Wochen bei 11’270 Punkten notiert der SMI damit bereits über 18 Prozent tiefer, beim (heutigen) Tagestief waren es gar fast 20 Prozent weniger.

Der SLI, der die 30 wichtigsten Werte einschliesst, brach am Montag um 6,25 Prozent auf 1’384,59 und der breite SPI um 5,31 Prozent auf 11’248,96 Zähler ein. Die extreme Nervosität zeigte sich auch am Angstbarometer VSMI, das phasenweise um fast 30 Prozent in die Höhe schnellte und nun mit gut 43 Punkten auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise vor über 10 Jahren notiert.

Die weltweiten Kurseinbrüche an diesem Montag erinnerten stark an die dunklen Momente der Finanzkrise von 2008, kommentierte denn auch ein Händler. Im Vergleich zu anderen Märkten hielt sich der Schweizer Markt etwas besser. Der deutsche Dax, der britische FTSE 1000 und der französische CAC 40 büssten zwischen 7 und 9 Prozent ein, der Dow Jones in den USA lag beim Schweizer Handelsschluss rund 6 Prozent tiefer.

Die grössten Verluste unter den Einzeltiteln gingen wie meist in scharfen Abwärtsphasen an Finanz- und Technologietitel sowie an zyklische Werte. So büssten etwa die beiden Grossbanken CS (-12,9%) und UBS (-10,4%) klar über 10 Prozent ein und schlossen damit beide unter 9 Franken. Am letzten Freitag hatten beide erstmals gleichzeitig unter 10 Franken notiert. Banken werden von solchen Abwärtsbewegungen an den Finanzmärkten auf vielfältige Weise getroffen, sei es durch verunsicherte Privatkunden oder rückläufige Transaktionen im Investmentbanking. Zudem nagen seit langem die tiefen Zinsen an den Gewinnen.

Ebenfalls zweistellig verloren bei den Blue Chips AMS (-11,8%). Hier war zusätzlich zur schlechten Stimmung auch noch von enttäuschenden iPhone-Absatzstatistiken für China die Rede. Stark unter die Räder gerieten auch Zurich (-9,4%), Julius Bär (-8,8%), LafargeHolcim (-8,7%), Adecco (-8,3%) oder Swiss Re (-8,2%)

Relativ gut hielten sich wie üblich in solchen Situationen die defensiven Schwergewichte Nestlé (-3,1%) und Novartis (-4,1%), während Roche (-5,2%) ebenfalls relativ scharfe Verluste hinnehmen mussten. Letztere zeigten allerdings zuletzt eine deutlich bessere Performance als die anderen beiden Titel. Am besten unter den Blue Chips schnitten Schindler PS (-2,6%) ab.

Die Folgen des Coronavirus schickten im breiten Markt auch die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry mit -13,7 Prozent deutlich abwärts. Die verstärkten Reisebeschränkungen vieler Unternehmen und Privatpersonen belasten das Unternehmen sehr. Sulzer (-9,9%) litten unter dem Preiszerfall beim Öl, erholten sich allerdings von einem Verlust von rund einem Viertel zu Handelsbeginn. Nach Geschäftszahlen verloren Belimo (-2,2%) und Tornos (-6,6%). (awp/mc/ps)

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