CH-Schluss: SMI deutlich tiefer – Handelsstreit belastet

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag deutlich tiefer geschlossen. Laut einer Händlerin lasteten ein Mix von schlechten Unternehmens- und Konjunkturzahlen sowie Unsicherheiten im Handelsstreit auf den Kursen.

Für die steigende Unsicherheit sorgte die neuerliche Kritik von US-Präsident Donald Trump an China zum Auftakt der neuen Verhandlungsrunde. Trump warf China vor, den Deal in letzter Sekunde immer zu ihren Gunsten ändern zu wollen. Zudem habe China sein Versprechen, Agrargüter von den USA kaufen zu wollen, noch immer nicht umgesetzt. Keine Unterstützung kam am Dienstag von den Konjunkturzahlen. Besonders in der Eurozone haben sich die wirtschaftlichen Aussichten weiter eingetrübt. In den USA allerdings stieg die Konsumentenstimmung überraschend deutlich.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss um 0,80 Prozent tiefer auf 9’890,90 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor 0,88 Prozent auf 1’517,46 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,68 Prozent auf 12’027,05 Zähler. Unter den 30 grössten Aktien waren die Verlierer klar in der Mehrzahl, lediglich drei Blue Chips schlossen im Plus. Im Fokus standen insbesondere die Titel von Unternehmen, die am morgigen Mittwoch ihre Zahlen vorlegen.

Die grössten Verluste fuhren die Grossbankentitel ein. CS, deren Zahlenveröffentlichung morgen ansteht, büssten 2,5 Prozent ein. Die Papiere der UBS (-2,0% auf 11,16 Fr.) markierten gar bei 11,08 Franken ein neues Jahrestief. Einerseits handle es sich hier um Nachwehen des jüngsten Gerichtsentscheids zur Datenlieferung an Frankreich, sagte eine Händlerin. Andererseits litten die Bankaktien unter dem tiefen Zinsumfeld. So wird erwartet, dass die US-Notenbank die Leitzinsen am Mittwoch senken wird.

Bei Swiss Re (-1,8%) verwiesen Händler auf eine Studie von Morgan Stanley. In der schreiben die Experten, dass sie auch weiterhin davon ausgehen, dass die Titel mit einem leichten Abschlag zur Konkurrenz gehandelt werden. Der Rückversicherer legt seine Zahlen ebenfalls am Mittwoch vor.

LafargeHolcim (-1,8%) wurden vor der Präsentation der Halbjahreszahlen zusätzlich von enttäuschenden Ergebnissen des Konkurrenten HeidelbergCement belastet. Bei Vifor Pharma (-0,9%) drückten laut Börsianern wiederum die Zahlen von Fresenius Medical Care auf die Stimmung.

Angesichts der Unsicherheiten im Handelsstreit zwischen den USA und China kamen auch die Luxusgütertitel Swatch (-1,4%) und Richemont (-1,2%) unter die Räder, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. Auf den Verkaufszetteln standen zudem viele Zykliker wie Kühne+Nagel (-1,3%), Adecco (-1,2%) und Sika (-1,1%).

An der Spitze der wenigen Gewinnern standen AMS (+4,1%). Die Titel des österreichischen Sensorenherstellers erhielten von Unternehmenszahlen wie Huawei Rückenwind. Wichtiger noch aber: Am Abend nach US-Börsenschluss wird der iPhone-Hersteller Apple über das abgelaufene Quartal berichten und damit die Märkte massgeblich beeinflussen.

Aussichten auf einen neuen Konzernchef trieben zudem die ABB-Aktien (+1,4%) an. Der Chef des schwedischen Rivalen Sanvik, Björn Rosengren, könnte laut Bloomberg schon in den kommenden Wochen zum neuen ABB-Chef ernannt werden. Rosengren hat demnach den Aktienkurs von Sandvik nach seiner Übernahme des CEO-Postens im November 2015 fast verdoppelt.

Im breiten Markt fielen verschiedene Biotechunternehmen mit happigen Abgaben auf, so etwa Obseva (-7,8%), Polyphor (-5,9%) und Molecular Partners (-2,8%). Mit Schmolz+Bickenbach (-2,8%) und Oerlikon (-3,3%) wurden zudem Werte verkauft, die auch einen starken Fokus auf den deutschen Markt haben. In der grössten Volkswirtschaft des Euroraums ist die Konsumlaune der Bürger im Sinkflug, wie der GfK Konsumklimaindex am Morgen gezeigt hat.

Nach Zahlen verloren Dufry (-2,0%), Lem (-2,5%) oder Bucher (-1,6%). Der Verpackungsmaschinenhersteller SIG Combibloc (+4,1%) überzeugte dagegen die Anleger mit höher als erwarteten Resultaten. GAM (+5,7%) waren nach der Ernennung eines neuen Chefs gesucht. (awp/mc/ps)

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