CH-Verlauf: SMI fällt nach Rekord zurück – Steigende Ölpreise
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstagmorgen zunächst einen neuen Höchststand erreicht, die Gewinne danach aber wieder abgegeben. Mit dem erneuten Anstieg der Ölpreise machte sich unter den Anlegern zunehmend Verunsicherung breit, und der Leitindex SMI drehte klar ins Minus. Als einziger Blue Chip hält sich Alcon nach starken Halbjahreszahlen noch deutlich im Plus.
Eine Einigung im Iran-Krieg ist weiterhin nicht absehbar und die Ölpreise legten erneut zu. Nach Teheran knüpft nun auch US-Präsident Donald Trump weitere Verhandlungen an Entschädigungszahlungen. Die Anleger hätten sich zwar an das «Hoffen und Bangen» gewöhnt, sagte ein Marktteilnehmer. Die Fronten schienen sich nun aber wieder zu verhärten.
Ein Fass Brent kostet gegen Mittag wieder knapp 90 Dollar und damit rund 2,5 Prozent mehr als am Vortag. Auch der Goldpreis stieg zeitweise über die Marke von 4400 Dollar je Unze, was laut Marktbeobachtern die anhaltende Verunsicherung widerspiegelt. Dass sich die Aktienmärkte trotz der geopolitischen Risiken weiterhin nahe ihren Rekordständen bewegen, führen Marktbeobachter vor allem auf die starke Berichtssaison zurück.
Der SMI gibt gegen 11.00 Uhr um 0,36 Prozent auf 14’581,75 Punkte nach. Kurz nach Handelsbeginn hatte der Leitindex bei 14’670 Punkte noch einen neuen Höchststand markiert. Der Mid-Cap-Index SMIM verliert 0,26 Prozent auf 3205,46 Punkte und der breite SPI um 0,33 Prozent auf 20’517,14 Punkte. Auch andere europäische Börsen wie der DAX oder der französische CAC 40 geben in ähnlichem Umfang nach.
Klarer Gewinner unter den Blue Chips sind Alcon mit einem Plus von 4,0 Prozent. Der Augenheilkonzern hat mit den am Vorabend veröffentlichten Halbjahreszahlen überzeugt. Die Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche zeigen sich kaum verändert, während Nestlé (-0,8%) den Leitindex belastet.
Die rote Laterne tragen Partners Group (-1,5%) nach einer Rückstufung durch die Deutsche Bank auf «Hold». Auch UBS (-0,9%) stehen unter Druck. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) berät am Dienstag zum zweiten Mal über die Revision des Bankengesetzes im Rahmen der «Too-Big-To-Fail»-Regulierung (TBTF).
Tecan nach Zahlen unter Druck
Im breiten Markt brechen Tecan um 9,9 Prozent ein. Die vorgelegten Zahlen seien insgesamt eher gemischt ausgefallen, heisst es am Markt. Nach der zuletzt guten Kursentwicklung komme es nun zu Gewinnmitnahmen. Weiter unter Druck stehen auch Aryzta (-3,6%), nachdem die Titel bereits am Vortag nach Zahlen rund 11 Prozent verloren hatten.
Sehr gut kommen dagegen die Halbjahreszahlen von Bell (+8,6%) an. Fortschritte bei der Profitabilität und die erstmalige Nennung einer EBIT-Guidance sorgen beim Fleischverarbeiter für kräftigen Auftrieb. Seit Anfang Jahr haben die Titel allerdings weiterhin fast 20 Prozent eingebüsst.
Oerlikon (+3,2%) profitieren derweil von einer deutlichen Kurszielerhöhung durch Oddo BHF und machen damit einen Teil der Verluste der vergangenen Tage wett.
Zu den Gewinnern zählen zudem Idorsia (+0,7%), wobei die Titel des Biopharmaunternehmens einen Grossteil ihrer anfänglich deutlich höheren Gewinne wieder abgegeben haben. Für Auftrieb sorgten Hoffnungen auf eine mögliche Lockerung der US-Beschränkungen für das Schlafmittel Quviviq.
Im weiteren Wochenverlauf dürfte die laufende Berichtssaison im Fokus bleiben, wobei zunehmend Unternehmen aus den hinteren Reihen das Geschehen bestimmen. Gleichzeitig rücken die US-Inflationsdaten stärker in den Blick. Am Mittwoch werden die Konsumentenpreise für Juli veröffentlicht, am Donnerstag folgen die Produzentenpreise. Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht befinde sich die US-Notenbank in einem Spannungsfeld zwischen erhöhten Inflationsrisiken und einer nachlassenden Konjunkturdynamik, so ein Marktbeobachter. Eine Zinssenkung im September gilt am Markt daher inzwischen als weniger wahrscheinlich. (awp/mc/ps)