CH-Schluss: Steigende Zinsen setzen Aktien stark unter Druck

Boerse

Zürich – Steigende Anleihenrenditen haben den Schweizer Aktienmarkt am Dienstag stark unter Druck gesetzt. Der Leitindex SMI sackte gar unter die Marke von 11’500 Punkten und schloss damit so tief wie seit Anfang Juni nicht mehr. Hatten in den vergangenen Jahren die tiefen Zinsen die Aktienkurse befeuert, so setze der Zinsanstieg nun vor allem Wachstums- und Technologietitel unter Druck, hiess es im Markt.

Dazu komme aber auch die sich generell abflachende Erholung der Konjunktur, die im Sommer den Zyklus überschritten habe, meinte ein weiterer Marktanalyst. Weil das Wachstumstempo in den kommenden Monaten abnehme, werde sich auch der Rückenwind für die Unternehmensgewinne etwas abflachen. Weiterhin lastet zudem auch auf die schwer abschätzbare Lage um den schwer angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzern Evergrande auf der Stimmung der Investoren.

Der SMI schloss um 1,76 Prozent tiefer bei 11’485,58 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, sank gar um 2,08 Prozent auf 1876,56 Punkte und der breite SPI verlor 1,96 Prozent auf 14’858,28 Zähler. Alle 30 SLI-Werte schlossen mit Verlusten.

Die heftigsten Abgaben entfielen auf die Technologiewerte von Logitech (-7,3%), die im Tagesverlauf gar auf ein neues Jahrestief absackten. Die Aktien des Computerzubehörhersteller, die in der Corona-Pandemie dank dem Home-Office-Boom noch stark zugelegt hatten, wurden nun von den Analysten von Morgan Stanley auf «Underweight» zurückgestuft. Mit den Aktien des Chipherstellers AMS (-4,1%) gehörte am Dienstag ein weiterer Technologietitel zu den starken Verlierern.

Scharfe Abgaben gab es auch für den Anbieter von Privatmarktanlagen Partners Group (-7,0%), dessen Investitionsprodukte in der Tiefzinsphase heiss begehrt waren. Mit Kühne+Nagel (-3,1%) sowie den Medizinaltechniktiteln Straumann (-4,3%) und Sonova (-2,8%) gab es deutlich Abgaben für die in den vergangenen Monaten sehr stark gelaufenen Titel.

Kursverluste gab es auch für typische Zykliker wie die Uhrenwerte Swatch (-3,5%) und Richemont (-2,4%), die Aktien des Warenprüfers SGS (-2,9%) oder auch des Industriekonzerns ABB (-2,3%). Die Bekanntgabe einer Vereinbarung von ABB mit einem chinesischen Wasserstoffhersteller brachte dem Titel keine Unterstützung.

Leicht unterdurchschnittlich waren die Abgaben des SMI-Schwergewichts wie Nestlé (-1,4%) und der beiden Pharmariesen Roche (-1,5%) und Novartis (-0,7%). Die Aktien des Duftstoffherstellers Givaudan (-0,8%) und der defensiven Swisscom (-0,4%) gehörten derweil zu den weniger schwachen Titeln am Markt.

Bei den Finanzwerten konnten die Versicherungstitel kaum vom Trend zu steigenden Renditen profitieren. Klare Abgaben gab es für allem für die Aktien von Swiss Life (-2,2%) aber auch für Swiss Re (-1,6%), während die Titel von Zurich (-1,2%) etwas weniger stark nachgaben.

Besser hielten sich allerdings die Bankenwerte: Während CS (-1,1) etwas unter dem Durchschnitt nachgaben, fielen die Abgaben für die Aktien der Konkurrentin UBS (-0,4%) verhältnismässig gering aus. Die Aktien der Privatbank Julius Bär (-0,3%) gingen unter den SLI-Titeln mit den geringsten Abgaben aus dem Handel.

Am breiten Markt sanken auch Landis+Gyr (-1,2%) am Nachmittag ins Minus. Der Anbieter von Energiemanagementlösungen gab die Übernahme des türkischen Messgeräteherstellers Luna Elektrik mit einem Umsatz von rund 60 Millionen Dollar bekannt. Das Unternehmen dürfte dabei auf den Zugang zu Märkten erhoffen.

Applaus gab es am Markt für neue Daten von Relief Therapeutics (+6,7%) zum Medikament Zyesami. Demnach habe sich Zyesami bei Corona-Patienten, die gleichzeitig unter anderen Erkrankungen litten, als wirksam erwiesen. Leicht im Minus schlossen dagegen die Titel des Biotechunternehmens Kuros (-0,4%) nach der Präsentation neuer Produkte. (awp/mc/pg)

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