CH-Verlauf: Verluste – Gefangen zwischen Zinsangst und Tech-Hoffnung
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Mittwoch von seiner zurückhaltenden Seite. Zwar werden Einzeltitel im Zuge der Berichtssaison teils stark bewegt, insgesamt halten sich Anleger angesichts der vollen Agenda im Tagesverlauf aber eher zurück. «Die Investoren sind ein wenig gefangen zwischen der Zinsangst angesichts der Notenbanksitzungen und der Hoffnung auf eine Fortsetzung des KI-Wachstums im Techsektor», beschrieb ein Börsianer die Stimmung. Zudem sei die Lage im Nahen Osten derzeit festgefahren und lasse nicht auf eine baldige Entspannung bei den Ölpreisen schliessen.
Am Abend rückt der voraussichtlich letzte Fed-Zinsentscheid von Jerome Powell auf die Agenda. Am Markt wird kein Zinsschritt erwartet. Auch wenn die Kommentare durch den Wechsel im Präsidium wohl nicht so schwer wiegen, warten Anleger dennoch gespannt auf mögliche Hinweise auf die künftige Geldpolitik, und darauf, wie stark der zu erwartende Inflationsanstieg gewichtet wird. Richtungsweisend für die Märkte dürften die Zahlen von vier der grössten Tech-Konzerne nach US-Börsenschluss werden – es legen Microsoft, Meta, Amazon und die Google-Mutter Alphabet ihre Quartalsberichte vor.
UBS an SMI-Spitze nach Gewinnsprung
Der Leitindex SMI dreht nach einem freundlichen Start ins Minus und gibt gegen 10.50 Uhr um 0,47 Prozent auf 13’086,42 Punkte nach. Damit fällt der SMI auch wieder unter die Marke von 13’100 Zählern. Mittlerweile sind die Verlierer klar in der Überzahl. Der SMIM für die mittelgrossen Werte hält sich mit plus 0,03 Prozent auf 2940,23 hingegen stabil, während der breite SPI mit 0,34 Prozent auf 18’474,54 Punkte im Minus steht.
An der Spitze im Leitindex halten sich UBS (+4,5%) nach einem überraschend hohen Gewinnsprung klar im Plus. Analysten bewerten das Ergebnis der Grossbank positiv und sprechen von starken Zahlen. Im Fokus dürfte allerdings auch weiter die Kapitalregulierung stehen. Auch Aktien der Bank Julius Bär (+3,7%) legen im Sog zu.
Derweil verlieren Partners Group (-3,1%) am SMI-Ende weiter an Wert. Händler verweisen auf einen kritischen Kommentar des «gefürchteten Leerverkäufers» Grizzly Research. Die Analysten werfen dem Vermögensverwalter vor, den Wert der Beteiligungen in den sogenannten Evergreen-Fonds zu hoch auszuweisen.
Schwach zeigen sich auch defensive Werte wie die Versicherer. So verlieren Swiss Re (-2,0%), Swiss Life (-1,9%) und Zurich (-1,3%) aber auch Helvetia Baloise (-1,1%) an Boden. Auch alle drei Schwergewichte Nestlé (-1,0%), Roche (-0,7%) und Novartis (-0,8%) – letztere nach den Zahlen vom Vortag – belasten.
Straumann top, Sandoz flop
Unter den mittleren Werten stehen die beiden Gesundheitskonzerne Straumann (+2,2%) und Sandoz (-2,6%) nach Umsatzzahlen zum ersten Quartal im Blick. Dabei überzeugte der Dentalimplantatehersteller und übertraf insbesondere mit dem organischen Wachstum die Erwartungen.
Beim Generikahersteller Sandoz tippen Marktteilnehmer indes auf Gewinnmitnahmen, da die Zahlen die Schätzungen weitgehend erfüllt hatten. Treiber waren erneut die strategisch wichtigen Biosimilars, während der Umsatz mit Generika zurückging. Das Management bekräftigte nicht nur den Ausblick, sondern stellte auch für die kommenden beiden Jahre Wachstum in Aussicht.
VAT (+4,0%) legen nach einer Hochstufung durch Goldman Sachs und einem positiven Kommentar der UBS zu. Generell stehen die Titel der Branche vor den Zahlen grosser US-Techkonzerne im Fokus. So klettern unter anderem auch AMS Osram (+3,3%) in die Höhe. Händler verweisen auf nachbörslich positiv aufgenommene Ergebnisse sowie einen erhöhten Ausblick von US-Branchennachbar NXP Semiconductors.
Unter den kleineren Titeln stechen noch Also (+7,6%) ins Auge. Der IT-Grosshändler hatte überraschend Zahlen veröffentlicht und einen Sprung beim EBITDA von 46 Prozent erreicht. Der Ausblick wurde bestätigt. (awp/mc/pg)