CH-Schluss: Zurückhaltung vor dem Entscheid der US-Notenbank

Boerse

Zürich – Nach einem merklichen Kurssprung am Vortag hat sich am Schweizer Aktienmarkt am Mittwoch eher wenig getan. Der Leitindex SMI pendelte lange Zeit um seinen Vortagesschluss. Kurz vor Handelsschluss verlor er jedoch etwas deutlicher an Wert. Die am Vortag nach einem Sturmlauf erstmals geknackte Marke von 10’000 Punkten blieb schliesslich klar ausser Reichweite, vor allem weil die defensiven Indexschwergewichte verkauft wurden. Lockere geldpolitische Signale des EZB-Präsidenten Mario Draghi hatten zuvor am Dienstag geholfen, die Indizes nach oben zu katapultieren.

Die Anleger setzen seit einiger Zeit auf ähnliche Signale der US-Notenbank Fed. Im weiteren Tagesverlauf steht deren Sitzungsergebnis auf der Agenda. Aktuell glauben nur 20 Prozent der Marktteilnehmer an einen Zinsschritt schon heute Abend, sagte ein Börsianer. Die anderen 80 Prozent rechneten zumindest mit konkreten Hinweisen, dass das Fed zwischenzeitlich nicht seine Meinung geändert habe, was das Thema Zinssenkungen angeht. Notenbankchef Jerome Powell und andere US-Notenbanker hatten zuvor immer wieder auf die Möglichkeit einer Zinssenkung hingewiesen.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,27 Prozent tiefer bei 9’961,65 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) sank um 0,05 Prozent auf 1’459,58 Zähler. Der breite Swiss Performance Index (SPI) fiel um 0,26 Prozent auf 12’024,03 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien verbuchten 15 höhere und 14 tiefere Kurse. Schindler schlossen unverändert.

Für das Minus im Leitindex waren insbesondere die defensiven Schwergewichte Novartis (-0,5%) und Nestlé (-1,1%) verantwortlich. Die Papiere waren im bisherigen Jahresverlauf gut gelaufen und sind jeweils vor allem in unsicheren Zeiten gefragt. Zudem habe die zum Wochenschluss bevorstehende SMI-Revision mit der Deckelung der Gewichtung der drei Schwergewichte bei 18 Prozent bereits im Vorfeld einen gewissen Einfluss gehabt, sagten Händler.

Auch andere defensive Papiere lagen im Angebot. Givaudan verloren 1,6 Prozent, Alcon 0,5 Prozent, Swisscom 0,3 Prozent und Lonza 0,1 Prozent.

Am anderen Ende der Skala standen vor allem Aktien aus dem Technologiebereich. So ging es mit AMS (+3,4%) nach oben; das gleiche Bild bot sich bei den im breiten Markt kotierten Inficon (+0,6%), Kudelski (+2,2%), U-Blox (+5,1%) und VAT (+3,0%). Händlern zufolge profitierte der Sektor einmal mehr von der Hoffnung auf eine gütliche Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China.

Höher schlossen trotz der Aussicht auf tiefere Zinsen die Bankaktien von Credit Suisse (+1,2%), UBS (+0,9%) und Julius Bär (+1,6%). Die Citigroup hatte für die UBS ihr Kursziel erhöht und die Kaufempfehlung bestätigt.

Gewinne verzeichneten auch die Aktien der Luxusgüterkonzerne Richemont (+0,3%) und Swatch (+0,8%). Swatch seien technisch überverkauft und reif für eine Erholung, wurde am Markt kommentiert. Hinweise, wie das Geschäft für die Uhrenfirmen läuft, dürften die am (morgigen) Donnerstag erwarteten Schweizer Aussenhandelszahlen geben.

Auch andere Zykliker standen auf den Kaufzetteln der Börsianer. So zogen etwa Clariant um 1,4 Prozent an, Kühne+Nagel um 1,6 Prozent. Das liess sich allerdings nicht von SGS sagen, dessen Papiere 1,3 Prozent einbüssten. ODDO BHF hatte für den Warenprüfer eine Verkaufsempfehlung ausgegeben.

Am breiten Markt sackten Bell um deutliche 7,4 Prozent ab. Der Fleischverarbeiter rechnet wegen der stark gestiegenen Schweinepreise mit einem tieferen operativen Ergebnis. Konkurrent Orior (-2,4%) sagte auf Anfrage, dass er von dieser Problematik nicht betroffen sei. Auch Analysten sagten, Orior sei viel weniger von den Schweinefleischpreisen und der Grillsaison abhängig.

Obseva (+3,8%) profitierte dafür deutlich von Fortschritten mit der Studie zu Nolasiban, diejenigen von Sulzer (+4,6%) von einem positiven UBS-Kommentar. (awp/mc/pg)

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