CH-Verlauf: SMI baut Verluste aus

CH-Verlauf: SMI baut Verluste aus

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag mit tieferen Notierungen eröffnet und die Abgaben in der Folge kontinuierlich ausgeweitet. Im Vorfeld des heute Nachmittag anstehenden US-Arbeitsmarktberichts sei die Börsenstimmung von Vorsicht und grosser Nervosität geprägt und es würden Gewinne aus der zuletzt gesehenen Erholung mitgenommen, meinen Händler. Die vorsichtige Haltung bei den Anlegern dürfte sich mit dem bevorstehenden, verlängerten Wochenende in den USA noch verstärken. Am Montag bleibt die Wall Street feiertagsbedingt («Labor Day») geschlossen.

Im Moment steht der Handel aber im Zeichen des monatlichen US-Arbeitsmarktberichts. Die Nervosität im Vorfeld solch wichtiger Daten sei «traditionell» sehr gross, hiess es. Ökonomen rechnen im Monat August mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl zwischen 70’000 und 80’000. Allerdings werde am Markt teilweise bereits mit einer negativen Überraschung und dabei schlimmstenfalls mit einer unveränderten Beschäftigungslage gerechnet.

Bis um 12.10 Uhr sinkt der SMI um 2,74% auf 5’379,94 (Tagestief: 5’360) Punkte. Der 30 Titel umfassende, um die Gewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) verliert 3,21% auf 806,83 und der Swiss Performance Index (SPI) 2,67% auf 4’905,63 Zähler.

Gleichzeitig haben die gestiegenen Unsicherheiten an den Finanzmärkten zu einer Stärkung des Schweizer Frankens zum Euro und zum Dollar geführt. Der Euro-Franken-Kurs ist heute morgen zunächst und die Marke von 1,13 gefallen und konnte anschliessend auch das Niveau von 1,12 nicht halten und sank zwischenzeitlich sogar unter 1,11. Aktuell kostet der Euro 1,1128 CHF. Derweil notiert der US-Dollar bei 0,7806 CHF.

An der Schweizer Börse stehen nach wie vor Finanzwerte und konjunktursensitive Titel auf den hintersten Plätzen. An den Schluss ist Clariant (-6,0% auf 8,33 CHF) zurückgefallen. Die Analysten von Exane BNP haben das Kursziel deutlich auf 10 CHF von bisher 17 CHF zurückgenommen. Der Schnitt wird mit der Häufung von Risiken, wie etwa in der Refinanzierung von Schulden, begründet.

Grosse Verluste verzeichnen bei den Zyklikern auch Weatherford (-5,8%), Adecco (-4,7%) oder die Luxusgütertitel der Swatch Group (-3,7%) und Richemont (-3,9%). HSBC hat in einer Sektorstudie aufgrund niedrigerer Umsatzerwartungen für die USA und Europa die Gewinnschätzungen und die Kursziele für beide Werte gesenkt.

Im Finanzsektor geben Julius Bär (-5,4%) stark nach. Aber auch die Grossbankentitel der UBS (-3,9%) und Credit Suisse (-4,0%) oder die Versicherer ZFS (-4,2%) oder Swiss Re (-3,7%) verlieren deutlich an Wert. Für die beiden global tätigen Versicherungsunternehmen könnte nach dem Wirbelsturm «Irene» nun das Sturmtief «Katia» in den USA Schadenbelastungen verursachen.

Nobel Biocare geben um 3,1% nach. Die Analysten von Goldman Sachs haben zum Dentalimplantatemarkt eine Branchenstudie verfasst und das Kursziel für Nobel aufgrund niedrigerer Wachstumsprognosen am Markt gesenkt. Im breiten Markt verlieren Straumann gar 4,9%. Hier hat Goldman Sachs das Rating auf «Sell» nach zuvor «Buy» deutlich herabgesetzt.

Die geringsten Abgaben gehen bei den Blue Chips auf das Konto von Nestlé, die sich aber immerhin um 1,0% verbilligen. Die beiden Pharma-Schwergewichte Roche (-2,7%) und Novartis (-3,1%) geben deutlich stärker nach.

Lonza sinken um 1,3%. Der Lifesciencekonzern hat dem britischen Biotechnologieunternehmen Oxford BioTherapeutics eine Lizenz für die Nutzung seines firmeneigenen GS Gene Expression Systems gewährt.

Im SPI haben U-blox (-2,6%) die Kursverluste im Handelsverlauf fast halbiert. Die heute Morgen publizierten Halbjahresergebnisse hätten grösstenteils den Erwartungen entsprochen, hiess es. Allerdings mussten angesichts der aktuellen Währungssituation die Prognosen gesenkt werden.

Im Blick stehen auch LifeWatch, die 7,9% einbüssen. Die US-Tochtergesellschaft des Medtech-Unternehmens ist in eine zivilrechtliche Untersuchung durch das Office of the Inspector General (OIG) involviert. Weiter haben Schaffner (Aktie: -0,7%) eine Übernahme in den USA und Bachem (-0,3%) Wechsel im Top-Management angekündigt.

Meyer Burger
sinken um 4,1%. Die Bank Vontobel hat die Schätzungen und das Kursziel aufgrund der höher als erwarteten unrealisierten Währungsverluste gesenkt. Die gleiche Bank setzte im Anschluss an die gestern publizierten und enttäuschend ausgefallenen Halbjahreszahlen das Rating für Bobst auf «Reduce» von «Hold» herab. Die Bobst-Titel geben um 5,6% nach und weiten so die gestrigen Verluste noch aus.

Zu den wenigen Gewinnern gehören Kardex (+0,7%). Die bestehenden Aktionäre des Lagerlogistikers haben im Rahmen des Bezugsrechtsangebots 819’897 (34%) der angebotenen neuen Kardex-Aktien gezeichnet. (awp/mc/ps)

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