EU-Schluss: Deutliche Gewinne – Aussicht auf weiter niedrige Zinsen

EU-Schluss: Deutliche Gewinne – Aussicht auf weiter niedrige Zinsen

Paris – Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag mit der gestiegenen Gewissheit um den weiteren Kurs der US-Geldpolitik kräftige Gewinne eingestrichen. Vor allem die Aussagen zu weiter niedrigen Zinsen hätten die Kurse angetrieben, hiess es am Markt. Der EuroStoxx 50  fuhr den grössten Tagesgewinn seit mehr als zwei Monaten ein und schloss mit plus 1,88 Prozent bei 3031,05 Punkten. In Paris gewann der Cac 40  1,64 Prozent auf 4177,03 Punkte, und auch in London ging es für den FTSE 100  mit 1,43 Prozent deutlich nach oben auf 6584,70 Punkte.

Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend nicht nur angekündigt, die Stützungskäufe von Anleihen und Hypothekenpapieren um 10 Milliarden US-Dollar auf monatlich 75 Milliarden Dollar einzuschränken. Die Währungshüter um Ben Bernanke hatten zudem versprochen, die Leitzinsen noch lange auf ihrem Rekordtief zu belassen. Neben der nun verflogenen Unsicherheit über Zeitpunkt und Ausmass der ersten Kürzung der Stützkäufe habe vor allem dieser neue und vielschichtigere Ton die Aktienmärkte beruhigt und unterfüttert, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets.

Aus Branchensicht waren die Aktien von Freizeit- und Reiseunternehmen die grossen Gewinner. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Travel & Leisure legte mit 2,51 Prozent kräftig zu. Ebenfalls mehr als zwei Prozent packten Finanzdienstleister , Medienkonzerne , Versicherer und Telekomfirmen obendrauf. Nur im Verhältnis zu den anderen Sektoren schwächer war die Chemieindustrie mit plus 0,90 Prozent.

An der Stockholmer Börse sprangen die Saab-Titel dank eines Grossauftrags um 31,88 Prozent hoch. Brasilien entschied sich nach über einem Jahrzehnt zäher Verhandlungen für den Kauf von 36 Kampfflugzeugen des Typs Gripen NG aus Schweden. Das Geschäft hat ein Gesamtvolumen von 4,5 Milliarden US-Dollar (3,3 Mrd Euro) und ist in hohem Masse an einen Technologietransfer gekoppelt. Die Titel des französischen Mitbewerbers Dassault Aviation sackten um 2,92 Prozent ab. Wegen des sinkenden Goldpreises verlor der Bergbaukonzern Randgold in London unterdessen 2,68 Prozent.

Mediaset sprangen in Mailand um 16,45 Prozent nach oben. Pläne zur Abspaltung des Pay-TV-Geschäfts zusammen mit der spanischen Beteiligung Mediaset Espana könnten einen neuen Investor anlocken, schrieb Analystin Laurie Davison von der Deutschen Bank, und zudem die Kosten für die Fussballübertragungsrechte der Sendergruppe senken. Mediaset Espana gewannen in Madrid 1,23 Prozent.

Im Pharmasektor verteuerten sich die Aktien von Novartis um 2,85 Prozent, nachdem das Tochterunternehmen Sandoz in Dänemark eine Marktzulassung für den «AirFluSal Forspiro»-Inhalator erhalten hatte. AstraZeneca legten in London 1,10 Prozent zu, nachdem die Briten ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Partner Bristol-Myers Squibb komplett übernehmen und dafür 4,3 Milliarden Dollar auf den Tisch legen wollen.

Für die Anteilsscheine des Krebsmedikamente-Herstellers Algeta ging es dank einer höheren Offerte von Bayer um 1,41 Prozent auf 358,60 norwegische Kronen hoch. Der deutsche Pharmakonzern und Kooperationspartner zahlt nun für den Zukauf 362 norwegische Kronen (43 Euro) in bar. Aktionäre sollen damit einen Aufschlag von 37 Prozent auf den letzten Kurs vor Bekanntwerden der Gespräche erhalten. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler sprach von einem eher hohen Preis – die Bayer-Kursgewinne hielten sich mit 1,11 Prozent in Grenzen. (awp/mc/pg)

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