EU-Verlauf: Erneut Verluste – USA droht Verlust der Top-Bonität

EU-Verlauf: Erneut Verluste – USA droht Verlust der Top-Bonität

Paris – Nach der europäischen Schuldenkrise hat am Donnerstag die gefährdete Kreditwürdigkeit der USA die Börsen Europas belastet. Die Ratingagentur Moody`s droht der weltgrössten Volkswirtschaft wegen des Konflikts um die Anhebung der Schuldengrenze mit der Aberkennung ihrer Topbonität. Gegen Mittagszeit gab der EuroStoxx 50 um 0,89 Prozent auf 2.690,91 Punkte nach. Der CAC 40 in Paris verlor 0,96 Prozent auf 3.756,99 Punkte. In London fiel der FTSE 100 um 0,90 Prozent auf 5.853,24 Punkte zurück. Damit war der vortags begonnene Erholungsversuch vom jüngsten Kurssturz schon wieder vorbei.

Die drohende Abstufung der US-Kreditwürdigkeit «kommt kaum als Überraschung, auch wenn die Märkte darauf so zu reagieren scheinen», sagte Marktstratege Ben Potter von IG Markets. «Offensichtlich haben sich die Gewitterwolken am Horizont neu formiert.» Zudem haben in Rom die Beratungen über das Milliarden-Sparpaket der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi begonnen. Unter dem Druck von Märkten und Europäischer Union hat Wirtschaftsminister Giulio Tremonti die vor knapp zwei Wochen vorgestellten Sparmassnahmen verschärft.

Die Moody`s-Aussagen belasteten auch die Ölpreise, die einen Teil ihrer starken Vortagsgewinne wieder abgaben. Entsprechend büsste der Sektorindex Stoxx Europe 600 Oil & Gas 1,45 Prozent ein. Der Rohstoffwerte-Index Stoxx Europe 600 Basic Resources musste mit minus 0,98 Prozent ebenfalls Federn lassen.

Technologiewerte litten unter einer schwachen Umsatzprognose der Software AG: Der Stoxx Europe 600 Technology gab 2,25 Prozent ab und war damit der schwächste Sektorindex. Dagegen stieg das Börsenbarometer für Autobauer und Zulieferer um 0,30 Prozent, nachdem die Unicredit die Beobachtung der deutschen Hersteller Volkswagen (VW), Daimler und BMW mit einer Kaufempfehlung wieder aufgenommen hatte.

Die Aktien von Nokia konnten nicht von einem Bericht der «Financial Times» profitieren, dem zufolge der Handyhersteller und Siemens neben anderen Optionen auch einen Teil-Börsengang ihres ungeliebten Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks (NSN) prüfen: Sie fielen um 1,09 Prozent auf 4,002 Euro zurück.

Derweil liessen Verkaufsgespräche über das Gipsgeschäft die Aktien von Lafarge um 0,47 Prozent auf 39,82 Euro und damit an die Spitze des CAC 40 steigen. Der französische Baustoffkonzern, der im Juni gesagt hatte, trotz etlicher Interessenten über die Zukunft dieser Sparte nicht vor September entscheiden zu wollen, führt eigenen Aussagen zufolge exklusive Gespräche mit der belgischen Etex Group über den Verkauf von 80 Prozent des Geschäfts. Den Wert der Transaktion bezifferte Lafarge mit einer Milliarde Euro. Davon dürften rund 850 Millionen Euro direkt in die Kassen der Franzosen fliessen. (awp/mc/ps)

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