Europa-Schluss: Schwächer – Wall Street belastet

Europa-Schluss: Schwächer – Wall Street belastet
(Adobe Stock)

Paris / London – Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Donnerstagnachmittag im Sog einer schwächeren Wall Street nachgegeben. Zuvor hatten der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) und Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde hinsichtlich einer baldigen Zinssenkung die Kurse kurz gestützt.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss mit einem Minus von 0,68 Prozent bei 4966,68 Punkten. Der französische Cac 40 fiel um 0,27 Prozent auf 8023,74 Zähler. Der britische FTSE 100 verlor 0,47 Prozent auf 7923,80 Punkte.

Die EZB liess die Leitzinsen zum fünften Mal in Folge unverändert bei 4,5 Prozent, stimmte Verbraucher und Unternehmen angesichts der gesunkenen Inflation aber auf die erste Zinssenkung seit Sommer 2022 ein. Die Inflation sei weiter zurückgegangen und auch bei den meisten Messgrössen der zugrunde liegenden Teuerung sei eine Entspannung zu verzeichnen, sagte EZB-Chefin Lagarde. Einige Mitglieder des geldpolitischen Rats hätten bereits jetzt die Bedingungen für eine Zinsreduktion als erfüllt angesehen, sich aber der grossen Mehrheit im EZB-Rat angeschlossen, die lieber zusätzliche Informationen im Juni abwarten wolle.

«Nur eine Kehrtwende bei den anstehenden Wirtschaftszahlen mit einem wider Erwarten erstarkenden Lohnanstieg oder einem Sprung der Inflation nach oben» könne eine Zinssenkung noch verzögern, erwartet Andreas Bley, Chefvolkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Nach Einschätzung von VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel dürften im Fall einer Zinssenkung im Juni weitere Lockerungen folgen. «Lediglich eine Zinssenkung macht ökonomisch nur wenig Sinn.»

Aus Branchensicht endeten europaweit defensive Sektoren wie Versorger und Nahrungsmittelwerte im Plus. Ganz unten im Branchentableau waren Banken-Papiere zu finden. Dabei ragten die Titel von Societe Generale mit plus 0,3 Prozent etwas positiv hervor. Die französische Bank hatte angekündigt, sich von einer Tochtergesellschaft im Wert von 1,1 Milliarden Euro trennen zu wollen.

Unter den überwiegend schwächelnden Chemiewerten konnten Givaudan anfängliche Gewinne nicht halten. Der Aromen- und Duftstoffhersteller hatte im ersten Quartal organisch massiv zugelegt und die Erwartungen deutlich übertroffen. Die Aktie ist allerdings seit Oktober von rund 2800 auf über 4100 Franken in der Spitze gestiegen und daher korrekturanfällig. Givaudan fielen um 0,7 Prozent. (awp/mc/ps)

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