Industrieproduktion im Euroraum bricht ein

Industrie

Luxemburg – Die Folgen der Schuldenkrise haben die Industrieunternehmen des Euroraums im September stark belastet. Im Monatsvergleich brach die Gesamtproduktion nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat vom Mittwoch um 2,5 Prozent ein. Es war der stärkste Rückgang seit der tiefen Rezession Anfang 2009, als die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers der Weltwirtschaft einen schweren Schock versetzte. Bankvolkswirte hatten für September zwar mit einer rückläufigen Produktion gerechnet, allerdings nicht in diesem Ausmass. Im Jahresvergleich gab die Gesamtproduktion um 2,3 Prozent nach.

Der starke Rückgang kommt dennoch nicht gänzlich unerwartet: In der vergangenen Woche hatten Produktionsdaten aus den vier grössten Euro-Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien allesamt negativ überrascht. Besonders stark war die Produktion zuletzt in den Krisenstaaten Irland und Portugal rückläufig, wo sie zum Vormonat um jeweils rund zwölf Prozent wegbrach. Aber auch die Industrieunternehmen Frankreichs und Spaniens mussten herbe Rückschläge hinnehmen. Mit Blick auf die einzelnen Güterbereiche waren die Rücksetzer breit gestreut, wobei es die Hersteller von Konsumgütern besonders hart traf.

Rückfall in Rezession Tatsache
Die schlechten Produktionsdaten dürften die ohnehin schwache Euroraum-Wirtschaft im dritten Quartal zusätzlich belastet haben. Experten rechnen damit, dass die Wirtschaftsleistung zum zweiten Mal in Folge geschrumpft ist und die Wirtschaft des Währungsraums offiziell in die Rezession zurückfällt. Die Wachstumszahlen aus den Mitgliedsländern und dem gesamten Euroraum werden am morgigen Donnerstag erwartet.

«Schwere Hypothek für das Schlussquartal»
In der Summe hat die Industrieproduktion der Eurozone das dritte Quartal äusserst schlecht abgeschlossen und bildet damit zugleich eine schwere Hypothek für das Schlussquartal», schreiben die Volkswirte der Postbank in einem Kommentar. Bereits jetzt zeichne sich ein Rückgang der Produktion für das Jahresende ab. Dass die Aussichten für die europäische Industrie alles andere als gut sind, zeigen auch schwache Neuaufträge und Stimmungsindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes. Sie liegen in allen grossen Euroländern unter der Wachstumsschwelle. (awp/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.