Neue Virusvariante schickt Ölpreise auf Talfahrt – Konjunktursorgen

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(Photo by Cameron Venti on Unsplash)

New York / London – Verschärfte Pandemie-Sorgen haben die Ölpreise am Freitag auf Talfahrt geschickt. Marktbeobachter verwiesen auf die hohe Unsicherheit wegen einer neuen und möglicherweise gefährlicheren Variante des Coronavirus. Sowohl die Nordseesorte Brent als auch US-Erdöl gaben um jeweils über zehn Prozent nach und fielen auf zweimonatige Tiefstände.

Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 73,38 US-Dollar. Das waren 8,84 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 9,48 Dollar auf 68,86 Dollar.

Für erhebliche Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten sorgte die Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus im südlichen Teil Afrikas. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend ist, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren die Erdölpreise drastisch abgestürzt. Ausschlaggebend waren die sehr umfangreichen Gegenmassnahmen wie die Schliessung vieler Bereiche des Wirtschaftslebens. Neue Varianten des Coronavirus wecken Erinnerungen an diese Zeit und schüren Ängste vor wirtschaftlichem Schaden, der auch auf der Energie- und Erdölnachfrage lasten würde. Bereits jetzt werden in vielen europäischen Ländern Corona-Massnahmen verschärft, die auch die wirtschaftliche Erholung belasten.

Die neue Virusvariante fällt in eine Zeit, in der grosse Verbrauchsländer wie die USA angesichts hoher Rohölpreise auf ihre strategischen Erdölreserven zurückgreifen. Wie die Förderländer auf den Schritt reagieren werden, dürfte angesichts der neuen Variante noch fraglicher sein. Seit Sommer weitet der Ölverbund Opec+ seine Produktion schrittweise aus. Das moderate Tempo hat Kritik der Verbrauchsländer hervorgerufen und letztlich deren Rückgriff auf die Notreserven ausgelöst. Die Förderländer beraten sich kommende Woche. (awp/mc/ps)

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