Ölpreise steigen leicht – Russland stoppt Gas-Lieferung nach Polen und Bulgarien

Ölpreise steigen leicht – Russland stoppt Gas-Lieferung nach Polen und Bulgarien

New York / London – Die Ölpreise sind trotz der verschärften Lage am Erdgasmarkt am Mittwoch nur leicht gestiegen. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent 105,43 US-Dollar. Das waren 44 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 51 Cent auf 102,21 Dollar.

Russland will seine Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien einstellen. Obwohl ökonomische Verknüpfungen zum Ölmarkt bestehen, wirkte sich die Entscheidung am Erdölmarkt zunächst nicht besonders stark aus. Gas ist in einigen Bereichen durch Rohöl ersetzbar, aus technischen Gründen allerdings nur begrenzt. Hintergrund des Lieferstopps Russlands ist der Ukraine-Krieg, der zu scharfen Sanktionen überwiegend westlicher Länder geführt hat.

Der europäische Erdgaspreis TTF legte zu. Derzeit liegt er bei 106 Euro je MWh. Am Dienstag vor der russischen Entscheidung hatte er noch bei rund 90 Euro je Megawattstunde (MWh) gelegen. Weitaus gravierender wären die Auswirkungen, wenn auch die Lieferungen für grosse Länder wie Deutschland und Italien eingestellt sind. Polen hat sich hingegen schon seit längerer Zeit auf einen Ausstieg aus russischem Gas vorbereitet.

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete unterdessen bereits am Dienstag ein Ölembargo gegen Russland als «handhabbar». Deutschland sei einer Unabhängigkeit von russischen Ölimporten «sehr, sehr nahe gekommen», sagte der Grünen-Politiker.

«Deutschland hat seine Importabhängigkeit von russischem Öl in den letzten Wochen offenbar deutlich gesenkt», kommentierte Carsten Fritsch, Devisenexperte bei der Commerzbank. «Damit könnte Deutschland auch seinen Widerstand gegen ein Ölembargo der Europäischen Union gegen Russland aufgeben.»

Ein Grund, warum die Auswirkungen des russischen Schritts gegen Polen und Bulgarien auf dem Rohölmarkt zunächst begrenzt geblieben sind, dürfte in China liegen. Dort sorgen strenge Corona-Massnahmen der Regierung für erhebliche konjunkturelle Belastung. Unter der strikten Null-Covid-Politik dürfte auch die Nachfrage nach Öl, Benzin und Diesel leiden. China ist einer der grössten Energieverbraucher der Welt. (awp/mc/ps)

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