US-Schluss: Dow Jones schliesst 2,32% tiefer bei 16’154 Punkten

US-Schluss: Dow Jones schliesst 2,32% tiefer bei 16’154 Punkten

New York – Der erneute Kurseinbruch in China hat am Donnerstag auch die Wall Street weiter nach unten gezogen. Der S&P 500 sackte um 2,37 Prozent auf 1943,09 Punkte ab. Mit einem Minus von 4,93 Prozent seit Montag legte der marktbreite Index laut der Nachrichtenagentur Bloomberg den schlechtesten Jahresstart seiner langjährigen Geschichte hin.

Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss 2,32 Prozent tiefer bei 16’514,10 Punkten und setzte so seine Talfahrt seit dem ersten China-Crash am Montag ebenfalls fort. Bislang summieren sich die Verluste auf 5,23 Prozent. Das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten Börsenjahr 2015, das für den Dow Jones im internationalen Vergleich schon sehr bescheiden ausgefallen war. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 schloss am Donnerstag 3,11 Prozent tiefer bei 4305,72 Punkten.

Der bekannte US-Investor George Soros fühlt sich bereits an die Anfänge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erinnert. Damals waren die wichtigsten Börsen weltweit um ein Drittel oder mehr abgestürzt.

Zum zweiten Mal seit Jahresbeginn brachen Chinas Festlands-Börsen so stark ein, dass der Handel gemäss einer neuen Regelung vorzeitig beendet wurde. Nun teilte die dortige Börsenaufsicht mit, sie wolle den Handel künftig bei starken Kursschwankungen nicht mehr automatisch aussetzen. Damit trug sie der Kritik von Experten Rechnung. Ob die Kehrtwende weitere Verluste an Chinas Aktienmärkten und den anderen Börsen verhindert, bleibt aber abzuwarten.

Sorgen macht den Anlegern derzeit auch die weitere Abwertung der chinesischen Währung Yuan. Dies könnte auf eine noch grössere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten, als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte Marktanalyst Angus Nicholson vom Broker IG.

Dagegen warnte die DZ Bank vor einer Dramatisierung der Lage. «Die Weltwirtschaft ist nicht bedroht», betonte Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. «Weder taugten die Aktienmärkte in der Vergangenheit als Frühindikatoren für das Wirtschaftswachstum, noch gehen vom Auf und Ab des Marktes nennenswerte Effekte auf die chinesische Konjunktur aus.» Zudem sollte der Verfall des Ölpreises – den andere Experten als Indikator für eine negative globale Konjunkturentwicklung betrachten – laut Bielmeier die Weltwirtschaft positiv beeinflussen. Diese profitiere zudem vom privaten Konsum in den Industrieländern.

Da China einer der grössten Rohstoffkonsumenten der Welt ist, sackten die Preise für einige Industriemetalle sowie auch für Rohöl ab. Für die Titel des Bergbaukonzerns Freeport McMoran ging es um 9,08 Prozent bergab, und die Aktien des Ölkonzerns Chevron verloren 3,54 Prozent. Dagegen zogen die Aktien des weltweit grössten Goldminenbetreibers Barrick Gold um 10,20 Prozent an – sie profitierten davon, dass die Notierungen für das als «sicherer Hafen» geltende Edelmetall stiegen.

Die Anteilsscheine von Macy’s legten um 2,05 Prozent zu. Nach einem schlechten Jahr hatte die Kaufhauskette angekündigt, landesweit 36 Filialen zu schliessen und mehr als 2100 Stellen abzubauen. So sollen rund 400 Millionen US-Dollar eingespart werden. Beim Einzelhandelskonzern J.C. Penney sorgten gute Nachrichten zur Geschäftsentwicklung in den vergangenen beiden Monaten für ein Kursplus von 3,71 Prozent.

Nachlassende Übernahmefantasien in der Halbleiterbranche liessen die Aktien von Atmel um 7,29 Prozent absacken. Rivale Microchip hatte sein Interesse an einer Übernahme laut Kreisen revidiert, wie Bloomberg berichtete. Im Raum steht weiterhin das Übernahmeangebot des deutschen Chipherstellers Dialog Semiconductor . Die Microchip-Titel verloren 5,05 Prozent.

Für die Papiere des Internet-Urgesteins Yahoo ging es um 6,22 Prozent nach unten. Unternehmenschefin Marissa Mayer will nach Informationen von Bloomberg weitere Kosten einsparen und Stellen abbauen. Die Aktien von Apple setzten mit minus 4,22 Prozent ihre Talfahrt fort – sie litten weiter unter den Spekulationen um sich abschwächende iPhone-Verkäufe.

Der Euro zog im New Yorker Handel deutlich an und kostete zuletzt 1,0935 US-Dollar. Richtungsweisende US-Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit profitierten nur wenig von der Unsicherheit an den Finanzmärkten: Sie gewannen 6/32 Punkte auf 100 28/32 Punkt und rentierten mit 2,15 Prozent. (awp/mc/pg)

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