US-Schluss: Gewinne – Putin beruhigt Märkte mit Aussagen zur Krim

US-Schluss: Gewinne – Putin beruhigt Märkte mit Aussagen zur Krim

New York – Der US-Aktienmarkt hat am Dienstag wegen abebbender Sorgen um die Entwicklung in der Ukraine kräftige Gewinne eingefahren. Die Aussage von Russlands Präsident Wladimir Putin, derzeit gebe es keinen Grund für einen Militäreinsatz in der Ukraine, konnte die Nerven der Anleger etwas beruhigen. Im breit gefassten S&P-500-Index reichte es im Handelsverlauf gar für einen neuen Rekord bei 1876,23 Punkten – am Schluss legte er 1,53 Prozent auf 1873,91 Punkte zu. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial stieg 1,41 Prozent auf 16 395,88 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 legte ebenfalls um 1,41 Prozent zu auf 3719,93 Punkte.

Wahrscheinlich habe Putin mit seinen beschwichtigenden Aussagen auch den ökonomischen Druck zu Hause im Blick gehabt, kommentierte Marktanalyst Michael Hewson vom Londoner Broker CMC Markets – und nicht etwa nur den politischen Druck aus dem Westen. Der scharfe Verfall russischer Aktienkurse sowie des Rubel habe schliesslich massive Wertverluste zur Folge gehabt. Gleichwohl bleibt die Lage auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim angespannt. Putin zeigte sich vor dem EU-Sondergipfel gegenüber dem Westen zwar gesprächsbereit, schloss aber einen Militäreinsatz in der Ostukraine für die Zukunft nicht aus, falls es dort zu Übergriffen auf russische Bürger komme.

Ein US-Portfoliomanager sprach von einer Erleichterungsrally. Ein Marktstratege aus New Jersey sagte, mit Ausnahme vom Montag zeige der Markt seit zwei Wochen nach oben – auch wenn die kurzfristige Nachrichtenlage sich nur auf die Ukraine konzentriere. Anleger setzten grundsätzlich darauf, dass die US-Wirtschaft sich weiter erhole. Dazu passte ins Bild, dass der neue Etat-Vorschlag von US-Präsident Barack Obama der weltgrössten Volkswirtschaft mit 3,1 Prozent das stärkste Wachstum seit 2005 voraussagt. Mit dieser Schätzung liegt das Weisse Haus höher als Analysten, die im Schnitt nach der jüngsten Befragung durch die Nachrichtenagentur Bloomberg von 2,9 Prozent ausgehen.

Bei den Einzelwerten liessen Spekulationen über eine mögliche Milliardenübernahme die Aktien von Lorillard um 3,08 Prozent anziehen. Einem Bericht der «Financial Times» zufolge prüft der US-Tabakkonzern Reynolds (Camel, Pall Mall) ein Gebot für den Konkurrenten. Das Blatt beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es sei jedoch noch nicht klar, wie viel Reynolds auf den Tisch legen will – eventuell sei der Konzern auch nur an Teilen von Lorillard interessiert. Bereits am Vortag waren die Papiere des potenziellen Übernahmekandidaten um rund neun Prozent gestiegen – der Börsenwert liegt nun bei rund 20 Milliarden Dollar. Reynolds-Titel gewannen gar 5,67 Prozent.

Aktien von Apple konnten weniger stark von der aufgehellten Marktstimmung profitieren. Die Papiere des Computer- und Elektronikkonzerns legten 0,66 Prozent zu. Mit Peter Oppenheimer verlässt Ende September der langjährige Finanzvorstand den kalifornischen iPhone-Hersteller. Oppenheimer war seit 1996 bei Apple und seit 2004 Herr über die Finanzen. In seinen zehn Jahren als Finanzchef war der Umsatz von 8 auf 171 Milliarden Dollar geklettert. Nachfolger wird der bisherige zweite Mann in der Finanzabteilung, Luca Maestri.

Facebook gewannen 2,06 Prozent. Dem Technologieblog TechCrunch zufolge hat das Online-Netzwerk ein Auge auf Titan Aerospace geworfen. Laut Aussagen von informierten Personen will Facebook für den Hersteller solarbetriebener Drohnen 60 Millionen Dollar (etwa 43,6 Mio. Euro) auf den Tisch legen.

Qualcomm zogen dank Aktienrückkaufplänen und einer höheren Dividende 3,37 Prozent an. Der grösste Anbieter von Chips für Mobiltelefone will seine Quartalsdividende um ein Fünftel auf 42 US-Cent je Aktie hochschrauben, zudem wird das Aktienrückkaufprogramm um weitere 5 Milliarden auf 7,8 Milliarden Dollar aufgestockt.

Radioshack stürzten dagegen mit einem Minus von 17,28 Prozent regelrecht ab. Mit seinem Umsatzeinbruch im vierten Quartal hatte der Elektronikhändler Analysten und Aktionäre enttäuscht – die Erlöse waren um ein Fünftel abgesackt. Zugleich fuhr der texanische Konzern den achten Quartalsverlust in Folge ein. Nun will das Unternehmen mit bis zu 1100 Läden rund jedes fünfte Geschäft schliessen. (awp/mc/upd/ps)

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