Abhängigkeit von russischem Gas kann zur Fessel werden

„Die Erdgasvorräte gehen genauso schnell zu Ende wie beim Erdöl. Die Zahl der Förderländer ist relativ klein. Daraus ergibt sich potenziell eine grössere Abhängigkeit – womit auch das Risiko von Konflikten grösser ist.“ Die Abhängigkeit von russischem Gas könne langfristig „zur Fessel werden“, sagt Scheer.


„Schröder taugt leider nicht mehr zum Vermittler“
Im Gegensatz zu anderen SPD-Politikern hält Scheer den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht für einen möglichen Schlichter im aktuellen Gas-Konflikt Russlands mit der Ukraine. Schröder tauge „leider nicht mehr“ zum Vermittler. Er sei „durch seine neue privatwirtschaftliche Rolle“ als künftiger Aufsichtsratschef des russischen Gaspipeline-Projekts „Partei geworden“, meinte der Träger des alternativen Nobelpreises.


Für die nächsten 75 Tage sicher
Die hiesige Gasversorgung ist nach Darstellung der Expertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) „für die nächsten 75 Tage sicher“. Sie sagte dem Sender Deutsche Welle in Bonn, sollte sich die Krise zwischen Russland und der Ukraine weiter zuspitzen, könne es Lieferengpässe geben, die nicht mehr über Importe ausgeglichen werden könnten. Für Gasankäufe auf dem Weltmarkt sei Deutschland nicht gerüstet. Es fehlten entsprechende Terminals. Mit dem Bau einer weiteren Pipeline mache sich Westeuropa noch abhängiger vom russisch en Gas und damit von einem „relativ schwierigen Partner“, meinte Kemfert.


Breiterer Energiemix gefordert
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte angesichts des Gasstreits zwischen Moskau und Kiew eine Steigerung des Anteils russischen Gases am deutschen Energiemix in Frage gestellt. Deutschland bezieht nach Angaben des Ministeriums 36 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. „Das sollte eigentlich gesteigert werden. Es kann aber nur gesteigert werden, wenn wir wissen, dass die Lieferungen aus dem Osten zuverlässig sind“, sagte Glos am Montag. Er plädierte für eine breiten Energiemix und kritisierte erneut den von der rot-grünen Koalition beschlossenen Atomausstieg.


Strompreise garantieren
Ähnlich äusserte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) in der „Leipziger Volkszeitung“ (Dienstag): „Wichtig ist, wie wir dauerhaft unabhängig im Blick auf die Energieversorgung sind und wie wir vernünftige Strompreise garantieren können.“ Deshalb dürfe die Atomenergie-Forschung „auf keinem Feld“ eingestellt werden. (awp/mc/gh)

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