Arbeitslosenquote verharrt im März bei 3,4 Prozent

Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im Seco, sprach von einer saisonalen Entlastung: Im Baugewerbe sank die Zahl der Arbeitslosen innert Monatsfrist um 9,1%. Und im Gastgewerbe nahm die Zahl der Arbeitslosen nur geringfügig zu (+0,8%).  Werden die saisonalen Effekte herausgerechnet, ergibt sich jedoch den vierten Monat in Folge ein Anstieg der Zahl der Arbeitslosen von über 5’000. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stieg im März um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3%.


Exportorientierte Branchen besonders betroffen
Überdurchschnittlich stark stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Export-orientierten Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Allein in der Uhrenindustrie nahm die Zahl innert Monatsfrist um 13,2% zu. Auch der Finanzplatz leidet: Bei den Banken stieg die Zahl der Arbeitslosen um 4,3%. Die starke Zunahme der Arbeitslosenzahlen in der Industrie und in der Finanzbranche sei ein Spiegelbild der gegenwärtigen Rezession, sagte Gaillard im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.


Rückläufige Arbeitslosenzahlen in Tourismus-Kantonen
Entsprechend nahm die Zahl der Arbeitslosen in den Kantonen mit einem überproportionalen Industrie-Anteil stärker zu als anderswo: in St. Gallen um 6,0%, in Solothurn um 5,1% und im Jura um 4,9%. Der Kanton Zürich mit seinem Finanzplatz wies ein Plus von 4,9% aus. Stark rückläufig waren die Arbeitslosenzahlen in den Tourismus-Kantonen Wallis (-11,3%), Tessin (-6,5%) und Graubünden (-4,8%).


Jugendarbeitslosigkeit stabil
Als erfreulich bezeichnete Gaillard die stabile Jugendarbeitslosigkeit. Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren erhöhte sich um 0,3% auf 22’128. Die Arbeitslosenquote verharrte auf 4,0%. In der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen sank die Zahl der Arbeitslosen sogar um 3,3%. Gaillard zeigte sich optimistisch, da die Zahl der Lehrstellen dieses Jahr nicht sinken dürfte, nachdem sie letztes Jahr noch stark zugenommen habe. Dies zeige, dass die Firmen eine langfristige Ausbildungspolitik verfolgten, sagte Gaillard. Ob sämtliche Lehrlinge aber auch fest angestellt werden, ist fraglich. In einer Krise würden weniger Leute eingestellt, räumte Gaillard ein. Und davon seien Jugendliche überdurchschnittlich betroffen.


Deutlich mehr Kurzarbeit
Um die Krise abzufedern, wird immer mehr Kurzarbeit geleistet: Im Januar – aktuellere Zahlen liegen dem Seco nicht vor – war dies in 844 Betrieben der Fall. Damit kamen im Vergleich zum Dezember 529 Firmen dazu. Die Zahl der ausgefallenen Arbeitsstunden nahm um rund 695’000 auf 1,027 Millionen zu. Insgesamt waren im Januar 16’000 Personen von Kurzarbeit betroffen, über 10’000 mehr als im Vormonat. «Bei der Kurzarbeit sind wir noch nicht oben angelangt», sagte Gaillard. Für die Monate Februar und März sei mit einem weiteren starken Anstieg zu rechnen. Das Ausmass der Arbeitslosigkeit im März entspricht den Erwartungen des Seco, wie Gaillard bestätigte. Der Bund rechnet für das laufende Jahr mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,8%, 2010 dürfte sie auf 5,2% klettern.


Krise schlägt nicht auf den Lehrstellenmarkt durch
Die Wirtschaftskrise hat den Lehrstellenmarkt im März noch nicht erfasst. Die Situation blieb im Vergleich zum Vormonat stabil, wie das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) am Donnerstag in seinem Bericht zur Lehrstellensituation ausweist. In der Deutschschweiz wurden viele Lehrstellen bereits vergeben, heisst es in einem Communiqué. In der Romandie beginnt die Rekrutierung der Auszubildenden erst jetzt.


Grösseres Lehrstellenangebot
Verglichen mit dem März 2008 meldeten die Kantone ein leicht grösseres Angebot an Lehrstellen. Gleichzeitig war die Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger gegenüber den Vorjahren rückläufig. Jugendliche mit einem sozialen oder einem Bildungsdefizit bekundeten nach wie vor Mühe, einen Ausbildungsplatz zu finden. In verschiedenen Berufen entsprach das Lehrstellenangebot nicht der Nachfrage.


Verstärktes Lehrstellenmarketing
Diesen Entwicklungen begegneten die Kantone mit einem verstärkten Lehrstellenmarketing, Brückenangeboten, einer Begleitung von gefährdeten Jugendlichen (Case Management) und mit der Unterstützung von Lehrstellensuchenden. Viele Kantone setzten auf Lehrstellenförderer, um zusätzliche Ausbildungsplätze in den Gesundheitsberufen und bei den zweijährigen Attestlehren zu schaffen.


Branchen Gesundheit und Detailhandel gefragt
Generell meldet das BBT aufgrund der Kantonsangaben in allen Berufsfeldern noch offene Lehrstellen. Besonders begehrt sind Ausbildungen in den Gebieten Gesundheit (Fachfrau/Fachmann Gesundheit), Detailhandel und kaufmännische Attestlehre. Das BBT verfolgt in Zusammenarbeit mit den Kantonen den Lehrstellenmarkt aufmerksam. Die Instrumente wie die Einzelfallbetreuung für gefährdete Jugendliche können bei Bedarf verstärkt werden, Mittel dazu sind eingeplant. (awp/mc/ps/14)

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