Ausblick 2011: Kein einfaches Jahr für Aktien

Für den SMI wird überwiegend mit einer Aufwärtsbewegung gerechnet. Verstärkte Bewegung wird bei Übernahmen und Börsengängen erwartet. Für Johannes Jooste, Portfolio-Stratege in der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch, wird sich die Erholung unter Führung der Schwellenländer in ein neues, «normales» Muster verfestigen. Dabei dürfte in den USA und Europa der Aufschwung etwas hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Rezession der Jahre 2007 bis 2009 sei deutlich schärfer gewesen als in früheren Fällen, der Aufschwung danach gleichzeitig langsamer, so der Experte.


Keine übertriebene Zuversicht
Auch der Chefökonom der LGT Group, Alex Durrer, warnt vor übertriebener Zuversicht. Die Wende zum «moderat Besseren» sei zwar wahrscheinlicher, doch die Konjunktur sei noch sehr instabil. Er bevorzugt zwar wie viele seiner Kollegen Aktien vor Anleihen, erwartet aber nicht, dass die «Bäume gleich in den Himmel wachsen.» Für die Credit Suisse muss sich zeigen, ob die Weltwirtschaft nach den Extremjahren 2009 und 2010 nun wieder in normales konjunkturelles Fahrwasser zurückfinden kann. Zahlreiche Stützungsmassnahmen liefen zum Jahreswechsel aus, nun müsse der Wechsel auf neue, stabilere Wachstumstreiber geschafft werden. Die Risiken, wie globale Ungleichgewichte und Überschuldung, seien weiter vorhanden.


Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung?
Die UBS erwartet unterdessen in ihrem Basis-Szenario eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung. Zudem dürfte die attraktive Bewertung riskantere Anlageklassen stützen. Die Favoriten sind auch bei der UBS die Aktien, bei den Regionen ziehen die Experten die Schwellenländer vor. In ihrem Ausblick stellen die UBS-Experten auch einige mögliche Überraschungen vor. Dazu gehört beispielsweise entgegen des Basis-Szenarios eine Restrukturierung der Schulden in Europa, eine überdurchschnittliche Entwicklung des Finanzsektors, ein «double dip» der US-Wirtschaft und eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed bereits im ersten Halbjahr 2011.


Schweizer Wirtschaft robust
Die Schweizer Wirtschaft habe sich bisher gut behauptet, so die CS. Das bisherige hohe BIP-Wachstum dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hierzulande nicht nachhaltige Sondereffekte dazu beigetragen hätten. «Ironischerweise ist es der an sich giftige globale Cocktail, der wie ein Doping für die Schweizer Wirtschaft wirkt», heisst es in der Konjunkturprognose. Im erwarteten BIP-Wachstum 2011 von noch 1,2% für 2011 seien zahlreiche Risiken vollständig berücksichtigt, die Chancen auf ein stärkeres Wachstum seien daher sehr hoch.


Zyklischer Abschwung in der ersten Jahreshälfte
Auch die Bank Sarasin rechnet mit einem zyklischen Abschwung in der ersten Jahreshälfte, daher sei auch das Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte 2011 begrenzt. Den SMI sehen die Experten zur Jahresmitte auf 6’000 Punkte fallen, zum Jahresende soll er dann wieder auf 7’300 Punkte steigen. Das Gewinnwachstum der Unternehmen dürfte hingegen kurzfristig robust bleiben, da es der Konjunktur mit Verzögerung folge. Christoph Riniker, Head of Strategy Research der Bank Julius Bär, ist grundsätzlich gegenüber Aktien positiv eingestellt. «Wir rücken allerdings die Zykliker in den Vordergrund und daher dürfte sich der Schweizer Aktienmarkt aufgrund seiner defensiven Ausrichtung eher etwas unterdurchschnittlich entwickeln», sagte der Experte. Er sieht den SMI per Ende 2011 bei 7’200 Punkten.


SMI moderat höher
Ebenfalls zurückhaltend sieht Panagiotis Spiliopoulos, Leiter des Aktienresearchs bei Vontobel, das Potenzial des SMI. Zwar rechnet auch er mit einer weiteren, deutlichen Erholung der Unternehmensgewinne, insbesondere die Large Caps dürften das Wachstum 2011 antreiben. Das Aufwärtspotenzial in der Bewertung der Aktien schrumpfe aber, die Erholung sei eingepreist. Den Schweizer Leitindex sieht er Ende 2011 bei 7’040 Zählern, im Vergleich zum Schlussstand 2010 (6’436 Punkte) wäre das ein Plus von rund 9%. Die ZKB blickt insgesamt für die Aktienmärkte optimistisch in die Zukunft, die Bewertungen seien noch nicht zu hoch und daher gebe es noch Potenzial. In der Schweiz werde allerdings der starke Franken die Exportwirtschaft bremsen. Der Konsum dürfte sich hingegen weiter als stabile Wachstumsstütze erweisen. Mittelfristig erwarten die Experten den SMI daher auch höher.


Chancen bei Finanzwerten
Chancen ergäben sich laut Vontobel für Anleger bei Finanzwerten, die Risiken dürften aber nicht ausgeblendet werden. Mit Blick auf Einzeltitel stehen derzeit die Aktien von Adecco, Swiss Re, Kühne+Nagel, Nestlé und Novartis auf der «Vontobel Alpha List Largecap». Bei den kleinen und mittleren Werten empfiehlt die Bank die Titel von Gategroup, Cham Paper, Clariant, Forbo und Georg Fischer.  Bei Standard & Poor’s haben es die Titel der Credit Suisse als einziges Schweizer Papier unter die Auswahl der «Top-Ten» für europäische Aktien geschafft. Die Bank überzeuge im Kontext der regulatorischen Unsicherheiten im Finanzsektor mit weit gefächerten Einnahmequellen. Zudem geben den Experten zufolge die klaren Vorgaben zu Eigenkapitalanforderungen für Schweizer Banken Planungssicherheit – anders als bei Wettbewerbern aus anderen Ländern. (awp/mc/ss/08)

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