Bildungs(not)standort Schweiz

Von Helmuth Fuchs


Zugunsten einiger weniger Buchhändler sollen alle Online-Käufer von Büchern in der Schweiz mehr bezahlen als im gesamten europäischen Umland. Dass man damit einmal mehr gegen europäisches Recht verstossen wird, ist nur ein Nebeneffekt. Viel erschreckender ist das skurrile Marktverständnis der Mehrheit der Nationalratspolitiker: Um die Pfründe der wenigen Buchhändler zu schützen, welche durch den Onlinehandel ihre wirtschaftliche Berechtigung verlieren würden, wird eine ganzes Volk durch höhere Kosten geschröpft. Eigentlich müsste das Ziel sein, durch günstige Buchpreise möglichst viele Schweizer vermehrt zum Lesen zu motivieren, den Bildungszustand zu verbessern (jede Pisa-Studie zeigt von neuem, wie notwendig das ist). Gemacht wird genau das Gegenteil. Bücher werden künstlich verteuert, der günstige Zugang zur Bildung über Online-Buchhandlungen wird erschwert.


Mehrwert stationärer Buchhandlungen soll vom Markt beurteilt werden, nicht vom Staat
Das Gejammere, zum Beispiel der Mediengewerkschaft comedia, dass sonst Onlineverkaufskanäle profitieren würden, ist schlicht absurd. Natürlich profitiert in einem freien Markt derjenige, der dasselbe Produkt günstiger anbieten kann. Wenn es den Buchhändlern nicht gelingt, Ihre Leistung als Mehrwert den Käufern plausibel zu machen, wird freiwillig auch niemand mehr dafür bezahlen. Bei Amazon finden sich zum Beispiel zu jedem Buch Rezensionen von Lesern, die mindesten genau so glaubwürdig sind wie die Empfehlungen der meisten Buchhändler (die gar nicht in der Lage sind, sämtliche Neuerscheinungen zu lesen und zu bewerten). Zudem gibt es zu jedem Buch eine Liste ähnlicher Bücher, welche andere Leser gekauft haben. 


Günstiger Zugang zu Bildung statt staatliche Interessenspolitik
Auch in der Schweiz haben sich Onlinebuchläden hervorragend entwickelt. Exlibris, buch.ch, books.ch, RobinBook.ch sind nur einige, welche sich auch gegen internationale Konkurrenz behaupten, für Arbeitsplätze und Umsatz in der Schweiz sorgen. Diese Anbieter können sich im Markt behaupten, auch ohne unnötigen staatlichen Schutzwall. Zu welchen Resultaten der staatliche Artenschutz führt, sieht man am Beispiel der Bauern leider zu deutlich: Die Konsumenten zahlen jahrelang überhöhte Preise und die Wettbewerbsfähigkeit der Bauern bleibt unterentwickelt, bis der ausländische Druck zu schmerzhaften Anpassungen zwingt. Die Aufgabe des Staates kann es nicht sein, den Markt dort zu behindern, wo die grosse Mehrheit der Bevölkerung günstigeren Zugang zu Büchern und somit Bildung erhält, um die Interessen einiger weniger Buchhändler zu schützen.


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