CH-Fleischwirtschaft in labilem Gleichgewicht

Die in guten Jahren von der Grillsaison ausgehenden Impulse sind dieses Jahr fast völlig ausgeblieben, sagte Bruno Kamm, Präsident des Verbandes Schweizer Metzgermeister (VSM), am Mittwoch in Zürich vor den Medien. Auf dem Grill seien die eingekauften Portionen messbar grösser als in der Pfanne. Im ersten Semester lagen die Detailhandelsumsätze der Fleisch- Fachgeschäfte knapp ein% unter dem Vorjahresniveau. Die Branche bezeichnet die Lage als teilweise befriedigend. Kamm sprach von einem «labilen Gleichgewicht». Als Folge einer zurückhaltenden Rindfleischproduktion könne man bei «normaler Nachfrage von einem «ausgeglichenen Markt» sprechen.


EU-Hygienerecht begrüsst
Als attraktiv gilt weiterhin die Schweinefleischproduktion. In den ersten Monaten sei diese um 6,8% gestiegen, sagte Kamm. Dies sei auf den andauernden Höhenflug der Schlachtviehpreise zurückzuführen. Diesem Trend wirke man derzeit aber entgegen. Mit Genugtuung haben die Schweizer Fleisch-Fachverbände (SFF) das Ja zur Personenfreizügigkeit vom 25. September aufgenommen, wie Präsident Rolf Büttiker erklärte. Das Agrarabkommen bilde die Grundlage für die wichtige gegenseitige Anerkennung der Gleichwertigkeit des Lebensmittelrechts. Die SFF begrüssen insbesondere das EU-Hygienerecht.


Mühe mit Gebühren
Zu schaffen mache der Branche indes die Absicht des Bundesrats, die Schlacht- und Zerlegerbetriebe mit zusätzlichen Gebühren zu belasten, sagte Büttiker. Die Lebensmittelkontrolle soll weit gehend gebührenfrei ablaufen. Darum bekämpfen die SFF die nachträglich eingeleitete Revision des Lebensmittelgesetzes. Im Rahmen der «Agrarpolitik 2011» befindet sich die Vorlage derzeit in der Vernehmlassung.


Gewohnheiten im Wandel
Von starken Umwälzungen im Konsumverhalten sprach VSM-Direktor und SFF-Geschäftsführer Balz Horber. Sowohl der Ort des Fleischverzehrs wie auch die Art der Produkte seien im Wandel. Horber rechnet damit, dass Frischfleisch künftig weniger als die Hälfte des Markts ausmachen wird. Demgegenüber steht ein wachsender Anteil an verarbeitetem Fleisch. Das veränderte Konsumverhalten sei auch eine Chance, sagte Horber. Die Verbände wollen Fleischprodukte darum an neuen Orten propagieren. Die Metzgerei sei zwar nach wie vor der Imageträger der Branche. Doch müssten Vertriebskanäle wie Bahnhofläden, Tankstellenshops und Take-Aways gefördert werden.


Export forcieren
Wegen des gesättigten Binnenmarktes will die Fleischwirtschaft den Export forcieren. Horber geht davon aus, dass Spezialitäten aufgrund ihrer Qualität Abnehmer im Ausland finden werden. Derzeit sei man preislich aber noch zu wenig konkurrenzfähig. Als mögliche Massnahme nannte Horber einen Rohstoffpreisausgleich.

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